Klärung mit Kirch angestrebt
ARD fordert bei WM-Rechten Nachbesserungen

Die ARD-Intendanten haben in Gesprächen in Frankfurt über den Sportrechte-Handel mit der Kirch-Gruppe zunächst keinen Durchbruch erzielt. Pressesprecherin Gudrun Hindersin zeigte sich am Montag Abend im Gespräch mit Handelsblatt.com dennoch optimistisch, dass der 35-seitige Vertrag gebilligt wird. Der derzeitige Vorschlag gilt bis zum 30. April. Bis Ende Mai könnten auch die ARD-Gremien dem Entwurf zugestimmt haben, schätzt Hindersin. Bislang hat allerdings nur der SWR-Rundfunkrat das Verhandlungsergebnis akzeptiert. Die übrigen Gremien warteten auf den Vertragstext, der erst seit Ostern vorliegt.

jgo DÜSSELDORF. In einer Erklärung hieß es: "Eine Punkte bedürfen nach Meinung der Intendanten der Klärung, bevor die Vertragstexte den jeweiligen Gremien der Landesrundfunkanstalten zur Zustimmung zugeleitet werden."
ZDF-Pressesprecher Walter Kehr sagte, es liege bei der ARD, sich jetzt auf eine Linie zu verständigen. Der ZDF-Verwaltungsrat habe dem Intendanten bereits grünes Licht für seine Verhandlungslinie gegeben. Ob der Termin eingehalten werden könne, sei nicht abzuschätzen. "Es gibt viele Daten, die schon verstrichen sind."

Kommt der jetzt vorliegende Vertrag zu Stande, dürfen ARD und die Spiele der WM 2002 ausstrahlen, die in Korea und in Japan ausgetragen werden. Dafür zahlen sie 225 Mill. DM (ohne Mehrwertsteuer) und räumen der Kirch-Gruppe Zugriff auf Bildmaterial an den Olympischen Spielen und an der Fußballeuropameisterschaft ein. Für die WM 2006 in Deutschland erhalten ARD und ZDF eine Kaufoption; ein Vertrag soll erst 2003 abgeschlossen werden. Erzielen beide Seiten keine Einigung, hat sich Kirch verpflichtet, eine Ausfallsumme in Höhe von 100 Mill. DM zu erstatten.

Die Kirch-Gruppe hatte die Rechte an der WM 2002 und 2006 1996 gemeinsam mit der Schweizer Sportmarketing-Agentur ISMM-ISL vom Fußballweltverband Fifa erworben. Für die europäischen TV-Rechte zahlte Kirch 1,4 Mrd. sfr (etwa 1,7 Mrd. DM).

Bankbürgschaft als Sicherheit

In den Gesprächen ging es am Montag auch darum, wie sicher gestellt werden kann, dass die Konventionalstarafe tatsächlich gezahlt wird. Im Gespräch sei eine Bankbürgschaft, sagte Hindersin. Noch sei aber nichts entchieden.

Umstritten war bis zuletzt zudem die Verschlüsselung der Programmsignale bei einer digitalen Ausstrahlung. Die Kirch-Gruppe will die Übertragungen nur in codierter Form via Satellit zulassen, um die Verwertungsmöglichkeiten in anderen Ländern Europas zu wahren. Haushalte, die sich auf den von ARD und ZDF propagierten Digitalstandard verlassen haben, könnten die Sendungen in diesem Fall nicht mehr empfangen. Nach Angaben der Arbeitgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) nutzen derzeit etwa 350 000 Haushalte eine derartige Set-Top-Box. Die Landesmedienanstalten schlugen deshalb vor, Kirch sowie ARD/ZDF sollten mit der Geräteindustrie Vereinbarungen treffen, dass künftig bei Satellitenreceivern nur noch Boxen mit einer Decodertechnik angeboten werden.

Private Konkurrenz äußert Interesse

Nachdem es in den vergangenen Monaten Spekulationen gegeben hatte, der Vertrag könnte scheitern, hatten auch andere Sender Interesse an den Rechten bekundet. Neben dem zur Kirch-Gruppe gehörenden Sendern aus der Prosieben-Sat.1-Familie hatte sich vergangene Woche auch RTL wieder ins Gespräch gebracht. Marktbeobachter halten die Refinanzierungschancen allerdings für eher gering. Wegen der Zeitverschiebung laufen die meisten Spiele der WM 2002 zwischen 8:30 Uhr und 13:00 Uhr.
Einer Pay-TV-Verwertung steht der Rundfunkstaatsvertrag entgegen. Im Artikel 5a haben sich die Ministerpräsidenten darauf verständigt, dass alle Spiele mit deutscher Beteiligung sowie Eröffnungs-, Halbfinal-, und Finalspiel im Free-TV ausgestrahlt werden müssen.

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