Klage der Telekom hat angeblich kein Chance
Telekom und Deutsche Bank wollen über Zusammenarbeit beraten

Die Deutsche Telekom und die Deutsche Bank wollen nach Angaben aus Kreisen in dieser Woche über ihre weitere Zusammenarbeit beraten, nachdem die Telekom die Bank für einen rund 20-prozentigen Kurssturz der Aktien mitverantwortlich macht.

Reuters HAMBURG. In Kreisen der Telekom wurde ein Bericht der "Financial Times Deutschland" (Montagausgabe) bestätigt, wonach in dieser Woche ein Treffen hochrangiger Vertreter beider Unternehmen geplant ist. Zudem hieß es in den Kreisen, mit einem Engagement der der Deutschen Bank zur Stützung der Aktien sei nicht zu rechnen. Ebenso sei ein Rückkauf eigener Aktien durch die Telekom angesichts der hohen Handelsvolumina bei Telekom-Papieren in den vergangenen Tagen nicht zu finanzieren.

Die T-Aktien drehten am Montag erstmals nach vier deutlich schwächeren Handelstagen ins Plus und notierten bei Umsätzen von mehr als sieben Mill. Aktien gegen Mittag 0,5 % höher bei 19,50 ?. Im frühen Handel hatten die Aktien abermals einen neuen mehrjährigen Tiefstand mit 18,71 ? markiert.

Die deutliche Beschleunigung des langfristigen Abwärtstrends der Aktien hatte am Dienstag vergangener Woche eingesetzt, nachdem die Deutsche Bank im Anschluss an eine Kaufempfehlung im Auftrag 44 Mill. T-Aktien im Paket verkaufte. An den Börsen wurden dadurch Befürchtungen genährt, dass der Rückfluss weiterer großer Aktienpakete von Altaktionären der übernommenen US-Mobilfunkfirmen Voicestream und Powertel nach dem Ablauf von Haltefristen im September und Dezember den Kurs massiv drücken könnte.

Bei den anstehenden Gesprächen zwischen Telekom und Deutscher Bank zur künftigen Zusammenarbeit werde es "um die Motivation hinter den Geschäften" gehen und "um die Frage, wie man künftig zusammenarbeiten will", hieß es in den Kreisen der Telekom. Angesichts der Kursverluste prüft die Telekom auch rechtliche Schritte gegen die Deutsche Bank. Der Telekom-Chef Ron Sommer hatte der Deutschen Bank zuletzt "gravierende Arbeitsfehler" vorgeworfen und mögliche Konsequenzen angekündigt. In Unternehmenskreisen hieß es, die Beziehungen der Telekom zur Deutschen Bank seien durch den Vorgang nachhaltig belastet worden. Zu einer abschließenden Bewertung über das weitere Vorgehen sei die Telekom aber noch nicht gekommen. Das Thema werde intern noch Gegenstand einer umfassenden Debatte sein. Auf der Vorstandssitzung am Montag stehe das Thema jedoch nicht auf der Tagesordnung.

Den Vorgang untersucht mittlerweile auch die Börsenaufsicht im hessischen Wirtschaftsministerium. Das Bundesaufsichtsamt für Wertpapierhandel (BaWe) überprüft nach eigenen Angaben den Vorgang im Rahmen der routinemäßigen Marktbeobachtungen, ohne bislang ein förmliches Verfahren eingeleitet zu haben. Die Deutsche Bank wies bis zuletzt unter Verweis auf die gesetzlich vorgeschriebene interne Trennung ("Chinese Walls") ihrer Geschäftsbereiche jede Kritik an ihrem Verhalten zurück.

Experten fordern strengere rechtliche Vorschriften

Experten wie der Professor für Bank- und Börsenwesen an der Uni Erlangen-Nürnberg, Wolfgang Gerke, forderten strengere rechtliche Vorschriften und einer straffere Aufsicht im Wertpapierhandel, um den Aktienhandel besser kontrollieren zu können. Die Wertpapieraufsicht müsse mit mehr Befugnissen ausgestattet werden, sagte Gerke am Montag im Deutschland-Radio nach Senderangaben.

Der Professor hält eine Klage von Anlegern der Deutschen Telekom gegen die Deutsche Bank für aussichtslos. "Man müsste beweisen, dass der Schaden voll darauf zurückzuführen ist, dass diese positive Analyse gemacht wurde. Zweitens müsste man beweisen, dass das Bank absichtlich so gehandelt hat", sagte Gerke weiter. Schuld am schwachen Aktienkurs der Telekom sei auch die Unternehmensleitung des Bonner Konzerns. Telekom-Chef Ron Sommer versuche, davon "ein bisschen abzulenken", sagte der Professor dem Sender zufolge weiter.

T-Aktie auf dem Weg zum Emissionspreis von 14,50 Euro

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