Klage gegen den "Merger of Equals"
Kerkorians Klage: Unberechenbare Spätfolge der Fusion

Für die meisten Mitarbeiter und Aktionäre von Daimler-Chrysler ist die Fusion der beiden Autokonzerne längst Geschichte. Einen lässt die Vergangenheit jedoch nicht los: Kirk Kerkorian (85), schillernder Milliardär und einst größter Chrysler - Aktionär.

HB/dpa DÜSSELDORF/STUTTGART. Krekorian verklagte das Unternehmen auf acht Milliarden Dollar (7,4 Mrd Euro) Schadenersatz, weil der Zusammenschluss seiner Meinung nach nicht wie behauptet eine "Fusion unter Gleichen" (Merger of Equals), sondern eine Übernahme Chryslers durch Daimler-Benz gewesen sei.

Der Ausgang des Verfahrens ist ungewiss, denn die amerikanische Justiz gilt als unberechenbar. Richter Joseph J. Farnan, Jr., vom Bezirksgericht in Wilmington (US-Bundesstaat Delaware) hat seine Entscheidung über die im November 2000 eingereichte Klage gerade wieder auf Ende 2003 vertagt. Rund 250 000 Seiten Unterlagen liegen dem Richter zur Prüfung vor. Von Farnan hängt ab, ob es überhaupt zu einem Prozess kommt und Vorstandschef Jürgen Schrempp vor Gericht erscheinen muss.

Kerkorian und andere Kläger, die in den USA eine Sammelklage eingereicht haben, werfen Schrempp vor, er habe den amerikanischen Konkurrenten von Anfang an übernehmen wollen. Um einen höheren Preisaufschlag für die Aktionäre von Chrysler zu vermeiden, soll er die Auto-Ehe nach außen jedoch als gleichberechtigte Partnerschaft dargestellt haben. Auslöser für Kerkorians Empörung war ein Interview Schrempps mit der britischen Wirtschaftszeitung "Financial Times" vom 30. Oktober 2000. Darin hatte der Daimler-Chrysler-Lenker sich als Schachspieler beschrieben, der einen späteren Stellungsvorteil mit Hilfe eines scheinbaren Opfers durchsetzte.

Gerichtsverfahren ist bislang noch keine Schlammschlacht

Dass die Deutschen im Konzern heute das Sagen haben, mag kaum jemand bestreiten - auch nicht die Anwälte von Daimler-Chrysler. Sie argumentieren, dass Kerkorian sogar schon früher - nach dem Abgang von diversen Chrysler-Topmanagern - hätte erkennen können, wer in dem neuen Unternehmen die Akzente setzt. Bei der Abwicklung der Fusion sei hingegen alles mit rechten Dingen zugangen. Darüber hinaus belegten die Prozess-Unterlagen erstmals, dass es Kerkorian war, der über seine Investmentfirma Tracinda die ersten Details des Mergers Anfang Mai 1998 an das "Wall Street Journal" weiterleitete und so für Unruhe sorgte.

Zu einer Schlammschlacht hat sich das Gerichtsverfahren bisher nicht entwickelt. Dass mag auch daran liegen, dass sich in der Autostadt Detroit die anfängliche Wut auf die deutschen "Eroberer" - das Fusionsprojekt trug ursprünglich den Geheimnamen "Blitz" - gelegt hat. Stattdessen setzte sich inzwischen die Erkenntnis durch, dass Chrysler ohne die Unterstützung des Konzerns und die Ertragskraft von Mercedes-Benz die Krise der vergangenen Jahre vielleicht nicht überlebt hätte.

Eigentlich passt Kerkorians Protesthaltung auch gar nicht zu seinem Charakter. Bei seinen eigenen Geschäften geht der Investor nämlich wenig zimperlich vor, was ihm unter anderem den Spitznamen "Terminator" einbrachte. Der Enkel armenischer Emigranten arbeitete zunächst als Boxer, Auto-Mechaniker und Pilot, bevor er sein heutiges Vermögen ausgerechnet mit dem An- und Verkauf von Firmen verdiente. Show gehört zu seinem Stil, Zentrum der Unternehmensgruppe ist Las Vegas. Das Hollywood-Studio Metro Goldwyn Mayer ("James Bond") erstand und verkaufte er gleich ein paar Mal.

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