Klage wegen Patentverstoßes
Schwarz Pharma geht gegen Mylan in die Offensive

Der Arzneimittelhersteller Schwarz Pharma ist nach der überraschend aufgekommenen Konkurrenz in den USA für sein umsatzstarkes Magenmittel Omeprazol in die Offensive gegangen.

Reuters FRANKFURT/M. Gegen den US-Wettbewerber Mylan Laboratories habe die Schwarz-Pharma-Tochter Kudco am Bundesbezirksgericht in Washington Klage wegen Patentverletzungen eingereicht, teilte das Unternehmen in der Nacht zum Freitag mit. Kudco beanspruche das rechtmäßige Eigentum an dem von Mylan verwendeten Patent.

Außerdem werde ein Verbot beantragt, das Mylan untersagen solle, dieses Patent zu nutzen, darunter Produkte herzustellen oder sie zu vertreiben. Analysten bewerteten das Vorgehen unterschiedlich. Mit dem Schritt halte sich Schwarz Pharma Möglichkeiten für eventuellen Schadenersatz offen. Bis zu einer Entscheidung könnten allerdings mehrere Monate vergehen, sagte eine Schwarz-Pharma-Sprecherin am Freitag.

Mylan überraschte mit Omeprazol-Verkauf in den USA

Mylan hatte Schwarz Pharma und die Branche am Montag mit der Nachricht überrascht, mit dem Verkauf von Omeprazol trotz eines schwebenden Verfahrens mit dem Hersteller des Originalprodukts, Astra Zeneca, begonnen zu haben. Schwarz Pharma, die bislang als einzige in den USA ein Nachahmerprodukt vertreiben darf, hatte daraufhin angekündigt, das Gewinnziel für 2003 möglicherweise nicht halten zu können. Dank Omeprazol hatte das Monheimer Unternehmen im ersten Halbjahr 2003 einen kräftigen Gewinnsprung verzeichnet.

Bereits im September 2000 hatte Astra Zeneca gegen Mylan wegen Verletzungen des Patentschutzes für das Originalprodukt Prilosec geklagt. Das Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Das schwedisch-britische Unternehmen kündigte am Freitag an, Mylan wegen willkürlicher und vorsätzlicher Patentverletzung auf dreifachen Schadenersatz verklagen zu wollen. Bislang hatte Astra Zeneca betont, zunächst auf die noch ausstehende Gerichtsentscheidung zu warten.

Branchenkreise bewerteten den überraschenden Verkaufstart als Versuch von Mylan, vollendete Tatsachen schaffen zu wollen und somit eine schnelle Gerichtsentscheidung zu erzwingen. Dafür spräche, dass Mylan nur rund 12 000 Packungen Omeprazol auf den Markt gebracht habe. Im Fall von Schadenersatzzahlungen an Astra Zeneca etwa wäre die Summe somit überschaubar. Mit einer Entscheidung zum Patentstreit zwischen Mylan und AstraZeneca rechneten Experten bislang erst Ende 2004.

Auch Schwarz Pharma hatte mit Astra Zeneca im Patentstreit gelegen. Der Monheimer Konzern war jedoch vergangenes Jahr als Sieger aus dem Streit hervorgegangen. Im Zuge der Markteinführung des Schwarz-Pharma-Generikums Omeprazol hatte das einst bestverkaufte Medikament Prilosec massiv an US-Marktanteilen verloren.

Klage logische Reaktion auf Mylan-Vorstoß

Die Klage sei eine logische und angemessene Reaktion auf Mylan, sagte Marcus Konstanti, Analyst bei Sal Oppenheim. "Damit hält sich Schwarz Pharma Möglichkeiten zur einstweiligen Verfügung und Sicherung von Schadenersatzansprüchen offen. Alexander Groschke, Analyst bei der Landesbank Rheinland Pfalz (LPR), sagte: "Der zentrale Punkt ist, kommt Mylan mit dem Produkt auf den Markt oder nicht und wieviel kostet es."

Mylan gehe offenbar davon aus, dass sein Produkt dem Präparat von Schwarz Pharma sehr ähnlich sei und deswegen den Patentschutz von Astra Zeneca nicht verletzte, heißt es in einem Kommentar des Bankhauses HSBC Trinkaus & Burkhardt. Das stecke vermutlich hinter dem überraschenden Markteintritt trotz des ungelösten Patentstreits mit Astra Zeneca.

Diese Einschätzung vertreten auch die Experten der Investmentbank Merck Finck & Co. Mit dem Schritt zur Klage habe sich Schwarz Pharma in eine bessere Position gebracht, da es Schadenersatz im Falle einer Patentverletzung durch Mylan fordern könne. "Das Gericht wird nun entscheiden müssen, wer der Besitzer des einzigen Formulierungspatents ist, das nicht den Patentschutz von Astra Zeneca verletzt." Mylan hatte seinerseits im November 2002 Klage gegen Kudco wegen Patentverletzungen bei Omeprazol in den USA eingereicht. Schwarz Pharma hält die Vorwürfe jedoch für gegenstandslos.

Die Aktie des Monheimer Unternehmens war zum Wochenanfang zeitweise über 30 Prozent ins Minus gerutscht. Im Laufe der Woche machte die Aktie aber einen kleinen Teil ihrer Verluste wieder wett. Am Freitag lag sie bei einem freundlichen Gesamtmarkt über sechs Prozent im Plus bei 30,00 Euro.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%