Klamauk in allen Pavillons
Erichs Goldgrube

Ist Erich von Däniken, 68, noch normal? Der Schweizer raucht bis zu 80 Zigaretten pro Tag. Außerdem erhält er 800 Fan-Mails pro Tag und meint: "Das ist doch irre."

INTERLAKEN. Er will für die Jugend seines Dorfes eine "Disco einrichten" - weil Beatenberg "ziemlich tot ist". Seine Anhänger nennen ihr Idol liebevoll "EvD" oder "Erich" und stellen seine Biografie ins Internet: "11.02.1943: Zusammenstoß mit einem Fiat-Topolino: Erich verliert alle Zähne im Oberkiefer und trägt seitdem ein Gebiss."

Später, 1970/71, sitzt "Erich" 666 Tage als Häftling Nr. 52 wegen Betrugs in der schweizerischen Strafanstalt Regensdorf. Trotz Knast verkauft er 65 Millionen Sachbücher. Weltrekord.

Im Hochland Boliviens, in der Nubischen Wüste, in den zentralamerikanischen Dschungeln: überall hat der gelernte Restaurationskellner Hinweise auf Besucher aus anderen Galaxien entdeckt - und mit seinen kruden Theorien "pro Jahr vielleicht drei-, vier-, fünfhunderttausend Franken" verdient. Aber: "Das Geld kam rein und ging wieder raus. Multimillionär? Schön wär?s!"

Jetzt jedoch könnte EvD endlich richtig Kasse machen

Mitten im Berner Oberland baute der Ufo-Guru den "Mystery-Park" - und seine Anhänger sind nicht zu halten. In den ersten 33 Tagen nach der Eröffnung kamen 60 000 Besucher; 750 000 sollen es im ersten Jahr werden. Damit zog das esoterische Ungetüm weit mehr Publikum an als erhofft. "Däniken hat hier einen Superjob gemacht", bedankt sich der Aufsichtsratschef der Mystery AG, -Park Oskar Schärz. Und auch die restlichen 12 000 Aktionäre dürften sich einig sein: Aus dem Mystery-Park wird niemals ein Misery-Park. Der Aktienkurs jedenfalls hat sich seit der Börseneinführung Ende 1999 in etwa gehalten.

In gebührendem Abstand zu Dänikens "wetterunabhängiger Ganzjahresattraktion für Jung und Alt" erheben sich Eiger, Mönch und Jungfrau. Daneben grasen fette Kühe. Nur ein paar Industriebrachen trüben das Bild. Wie eine Raumstation hat von Däniken seinen Freizeitpark auf die Wiese bauen lassen: eine silberne, ringförmige Konstruktion; vier Achsen führen in das Zentrum, aus dem ein Turm mit einem glitzernden Fantasy-Ball aufragt. Darunter erstreckt sich eine Shopping-, Restaurant-, und Spaßzone: Hamburger, Fritten, Cola, Bier, das U-Boot Nautilus, Von-Däniken-Devotionalien. Und natürlich alle Werke des Meisters. Abgerundet wird das Sortiment mit Swatch-Uhren und ägyptischem Nippes: eine Sphinx, vielleicht so groß wie eine Hauskatze, für 3650 Franken.

Außerhalb der Mall liegen die "Sieben Pavillons zum Staunen". Zum Beispiel der Maya-Pavillon: Zwischen Plastikpalmen stehen ein paar Schaufenster-Puppen. Sie tragen schwarze Schnäuzer, große Sombreros und haben Gitarren umgehängt. Aus den Boxen rieseln Latinoschnulzen. Der Aufgang zur Pyramide besteht aus Hartstyropor. Dann näselt die Stimme des Mystery-Park-Begleiters: "Die Kalenderwissenschaft der Maya war unglaublich entwickelt. Sie kannten - zu welchen Zwecken? - das synodische, das heißt von der Erde aus betrachtete, Venusjahr mit 584 Tagen und gaben das Erdenjahr mit 365,2421 Tagen an."

Der gleiche Klamauk im Mega-Stones-Pavillon. Übersteuerte Sphärenmusik. Eine wilde Laser-Show. Immer wieder Pyro-Nebel. Dann wieder die Näselstimme aus den Ohrmuscheln: "Wer waren sie, diese Planer in der Jungsteinzeit? Weshalb taten sie, was sie getan haben? Botschaften aus der Vorzeit - gedacht für wen?"

Nach zwölf Minuten ist die Zeitraffer-Pädagogik am Ende. Im Pavillon Orient will die Stimme aus dem Off wissen: "Kannten, eine andere provozierende Frage, die Ägypter schon Elektrizität oder Kernbohrungen?"

EvD versichert: "Wir zeigen verschiedene Möglichkeiten aus der Wissenschaft. Aber wir beantworten keine Fragen, sondern werfen sie auf." Der Mann hat Recht. Beim Verlassen des Kommerz-Tempels schütteln Besucher den Kopf. Was hat uns von Däniken gesagt? Warum kostet der Eintritt satte 48 Franken?

Immerhin: Die Kleinsten finden alles toll. Beat, ein 12-jähriger Junge aus Luzern, schwärmt: "Finde ich echt gut hier, die Laser-Show und so." Sein Bruder nickt.

Auch die Fremdenverkehrsmanager wie Oliver Kerstholz von Schweiz-Tourismus sind entzückt. Das Däniken-Areal zeige die Eidgenossenschaft von der "innovativen Seite". Das Ganze sei eine schöne Erweiterung des klassischen Schweizimages als "Schoggi-Land".

Erich von Däniken bleibt bei den Komplimenten gelassen. Für ihn zählt sowieso nur eins: EvD. Anders formuliert: "Die einen kennen mich, die anderen können mich."

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