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«Klang der Farbe»: Der frühe Kandinsky in Wuppertal

Wuppertal (dpa) - Über 60 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus dem Frühwerk Wassily Kandinskys (1866-1944) führen im Wuppertaler Von der Heydt Museum durch eines der spannendsten Kapitel der Kunst.

Wuppertal (dpa) - Über 60 Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen aus dem Frühwerk Wassily Kandinskys (1866-1944) führen im Wuppertaler Von der Heydt Museum durch eines der spannendsten Kapitel der Kunst.

Die bisher außerhalb Russlands kaum präsentierten Arbeiten aus den Jahren 1900 bis 1921 dokumentieren erstmals in diesem Umfang die Entwicklung des weltbedeutenden Künstlers zum Wegbereiter der Abstraktion. Die Ausstellung «Der Klang der Farbe» ist nach Wien nur in Wuppertal als einziger deutscher Station bis zum 19. September zu besichtigen. Besonders reizvoll: Zahlreiche Leihgaben stammen nicht nur aus den großen Museen in Moskau und Petersburg, sondern auch aus hier unbekannten Provinz-Sammlungen Russlands und sogar Armeniens.

Die Wuppertaler Bilderschau nimmt den Betrachter mit zu einem Abenteuer der europäischen Kulturgeschichte: Nachdem die französischen Maler der Fauves energisch die Farbe von der Nachahmung der Wirklichkeit befreit haben, wird der Teehändler-Sohn aus Moskau und studierte Jurist Kandinsky um 1910 zum furiosen Befreier der Form. Russisch-folkloristisch geprägte Holzschnitte oder ein impressionistischer «Hafen von Odessa» (1899) repräsentieren die ganz frühe Schaffensperiode Kandinskys, der seit 1908 im bayerischen Murnau lebte, und dörfliche Straßen, Wiesen und Felder zu einem zunehmend abstrakteren Mosaik aus Grün, Blau, Geld oder Rot fügt. Kandinsky als «Bilderkomponist meditativer Klänge», so Wuppertals Museumsdirektorin Sabine Fehlemann, ist nicht zufällig seit dieser Zeit mit dem Zwölfton-Pionier Arnold Schönberg befreundet.

Wie eng Kandinskys Emotion dennoch mit künstlerischer Kalkulation verwoben ist, zeigt das in Farben und Linien wirbelnde Riesenformat «Komposition VII» (1913). Historische Fotos der Lebensgefährtin Gabriele Münter vom November 1913 dokumentieren die Vollendung des atemberaubenden Werkes in genau vier Tagen - nach präzis angelegten Vorzeichnungen. Das «Graue Oval» von 1917 aus dem Kunstmuseum Jekaterinenburg, die Erschaffung trüber Farbarrangements aus grafitgrauer Bildfläche, steht in eindrucksvollem Kontrast zu luftigen Motiven wie «Auf Weiß» (1920), in denen sich der spätere Lehrer am Bauhaus Weimar ankündigt. Winzige Tuschzeichnungen der Jahre 1915 bis 1918 scheinen eher von der Hand informell-abstrakter Künstler nach 1945 wie Wols zu stammen, deren Werk ohne den Wegbereiter aus Russland undenkbar wäre.

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