"Klares Ja zu Gunsten von Forschern und Patienten": Pro: Import embryonaler Stammzellen

"Klares Ja zu Gunsten von Forschern und Patienten"
Pro: Import embryonaler Stammzellen

Der Import sei sachlich und moralisch geboten, findet Ulrike Flach, FDP, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

Der Import embryonaler Stammzellen ist erlaubt. Das Embryonenschutzgesetz von 1990 sieht keine Verbotsregelung vor. Eigentlich könnte man hier bereits die Diskussion beenden, denn nach vorherrschender Meinung ist dies die geltende Rechtslage. Wer, wie ich, den Import für richtig hält, hat also das Embryonenschutzgesetz auf seiner Seite. Wer ihn verbieten möchte, braucht gute Argumente, denn ein Importverbot würde einen Eingriff in die im Art. 5 Grundgesetz garantierte Forschungsfreiheit darstellen.

Aber der Import ist nicht nur rechtlich zulässig, er ist auch sachlich und moralisch geboten. In Deutschland geht es um die Grundlagenforschung an embryonalen Stammzellen, die dazu dienen soll, die Programmierung von Zellen zu verstehen. Warum entwickelt sich eine Stammzelle zu einer Herz-, Muskel-, Gehirn- oder Knochenmarkszelle, und wie kann ich diese Entwicklung so steuern, dass ich zum Beispiel Ersatzgewebe für Herzmuskel züchten kann, um kranken Menschen zu helfen? Die große Mehrheit der Wissenschaftler ist der Ansicht, dass zum Verständnis der Re-Programmierung von Zellen die Forschung an Stammzellen von Erwachsenen (adulten Stammzellen) nicht ausreicht. Embryonale Stammzellen haben ein höheres Potenzial und werden schon aus Gründen der Vergleichbarkeit benötigt.

Der Import embryonaler Stammzellen ist nur ein Minimalkonsens. Besser wäre es, in Deutschland die rechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, diejenigen embryonalen Stammzellen, die bei einer künstlichen Befruchtung (IVF) überzählig bleiben und heute eingefroren werden, für die Forschung zu nutzen. Diese IVF-Embryonen, die "verwaist" sind, weil die potenzielle Mutter zum Beispiel verstorben ist, werden heute kryokonserviert, das heißt auf Dauer im Eis eingelagert. Sie haben keine Chance mehr, sich zu Föten zu entwickeln. Da sie nicht ewig haltbar sind, sind sie zum Tode verurteilt. Diese Embryonen für ein hochstehendes Ziel, die Hilfe für kranke Menschen, zu nutzen, halte ich für richtig und gerechtfertigt. Zudem wäre es eine schlimme Doppelmoral, wenn wir die Nutzung von Stammzellen aus Deutschland für verwerflich erklärten, die Nutzung aus dem Ausland aber gern in Anspruch nähmen.

Keine Entscheidung über therapeutisches Klonen

Um Missverständnissen vorzubeugen: Bei den Forschungen, die deutsche Wissenschaftler unternehmen wollen, geht es nicht ums Klonen. Eine Entscheidung zum Beispiel über das therapeutische Klonen steht derzeit nicht an. Ich halte dieses Verfahren auch nur dann für gerechtfertigt, wenn überzeugende, durch gründliche Tierversuche erhärtete Belege dafür vorliegen, dass damit Therapien für schwere, lebensbedrohende Krankheiten entwickelt werden können, und zusätzlich keine anderen Therapiemöglichkeiten (z.B. mittels adulter Stammzellen) zur Verfügung stehen.

In diesem Fall würde ich mich auch für das therapeutische Klonen aussprechen. Das reproduktive Klonen, also der Versuch, einen kompletten Menschen zu "kopieren", ist wissenschaftlich nutzlos und ethisch nicht zu rechtfertigen. Dies wird aber auch - mit Ausnahme einiger wissenschaftlicher Scharlatane, die leider zu viel Medienaufmerksamkeit erhalten - von allen Forschern als unsinnig und verwerflich erachtet.

Obwohl die Rechtslage klar ist, sollte das Parlament Forschern und Patienten einen moralischen Rückhalt geben und noch einmal ausdrücklich bestätigen, dass der Import embryonaler Stammzellen legal und legitim ist. Diese Aufgabe kann weder der Nationale Ethikrat noch die Enquete-Kommission übernehmen. Am 30. Januar wird der Bundestag sich (endlich wieder) mit der Thematik befassen. Die FDP erwartet ein klares Votum für den Import und für die streng limitierte Forschung an embryonalen Stammzellen.

Ulrike Flach, FDP, ist Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung.

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