Klares Ultimatum für Saddam
USA und Briten arbeiten an „Abrüstungsliste“

Großbritannien und die USA wollen dem Irak eine "endgültige und nicht verhandelbare Liste" über die Abrüstung von Waffen vorlegen. Wie der "Observer" am Sonntag berichtete, wird die Zerstörung dieser Waffen innerhalb der "nächsten sechs Tage" verlangt, wenn ein Krieg noch verhindert werden soll. Derweil ignoriert Bagdad das angekündigte Ultimatum, über das nach dem Willen der USA und Großbritanniens der Weltsicherheitsrat in den nächsten Tagen abstimmen soll.

HB/dpa LONDON. Laut "Observer" ist der jüngste Bericht von Chef-Waffeninspekteur Hans Blix Grundlage der "spezifischen Abrüstungsforderungen".

"Wir wollen Saddam Hussein ein klares Ultimatum geben. Wir wollen ihm deutlich sagen, was er zu tun hat", sagte ein Sprecher der britischen Regierung dem "Observer". Damit solle unterstrichen werden, dass es immer noch die Chance einer friedlichen Abrüstung gebe. Einzelheiten der Liste wurden in dem "Observer"-Bericht nicht genannt.

Während die irakischen Sicherheitskräfte schon in Bagdad Gräben ausheben und Sandsackwälle für den Straßenkampf errichten, üben sich Präsident Saddam Hussein und seine Getreuen in diesen Tagen trotz der Ankündigung eines Ultimatums in der üblichen "Blut und Ehre"-Rhetorik. Auch die irakische Presse erwähnt die Frist bis zum 17. März am Sonntag mit keiner Silbe.

Stattdessen betont die irakische Führung jeden positiven Aspekt aus den Berichten der Chef-Waffeninspekteure Hans Blix und Mohammed el Baradei. Die von den beiden vorgetragenen bisherigen Ergebnisse der Inspektionen seien der "Beweis, dass die USA und Großbritannien gelogen haben", im Bezug auf angebliche Massenvernichtungswaffen im Irak, triumphierte Bagdad.

So als ginge es jetzt nicht vorrangig darum, die rund um das Land stationierten 280 000 amerikanischen und britischen Soldaten am Einmarsch zu hindern, wird bei einer von Saddam Hussein geleiteten Sitzung der Führung von Partei und Staat an diesem Wochenende die Forderung nach der Aufhebung der vor zwölf Jahren gegen den Irak verhängten Sanktionen erhoben. Die Anwesenden loben außerdem "die Vertreter der friedliebenden Nationen, Bewegungen und Völker, die ihre Stimmen erheben gegen die Ungerechtigkeit und Tyrannei der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und derjenigen, die angelockt werden, sie zu unterstützen".

Mit anderen Worten: Während die Einwohner von Bagdad Wasser- und Lebensmittelvorräte anlegen, sieht es so aus, als hoffe die irakische Führung, dass Frankreich oder Russland die Resolution und damit die Kriegspläne Washingtons doch noch zu Fall bringen. Doch glaubt Saddam Hussein wirklich, dass US-Präsident George W. Bush seine Soldaten unverrichteter Dinge nach Hause zurückkehren lässt, weil er im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen keine Mehrheit bekommt oder mit einem Veto konfrontiert wird?

Westliche Beobachter in der Region glauben nicht, dass Saddam Hussein ernsthaft denkt, die deutsch-französisch-russische Anti- Kriegs-Front könne einen Krieg verhindern, vor allem da die US- Regierung bereits angekündigt hat, sie wolle ihre Irak-Pläne notfalls auch ohne Billigung der Vereinten Nationen verwirklichen. Allerdings könnte er darauf setzen, dass eine große Zahl ziviler Opfer und die Bilder getöteter US-Soldaten ein rasches Kriegsende herbeiführen könnten, bevor es ihm selbst an den Kragen geht.

Die libanesische Tageszeitung "Daily Star" warnt die irakische Führung in ihrer Ausgabe vom Sonntag dringend davor, sich derartigen Gedankenspielen hinzugeben. "Diejenigen im Irak und anderswo, die glauben, dass die irakische Führung und das Regime den bevorstehenden britisch-amerikanischen Angriff überleben werden, geben sich entweder romantischem Selbstbetrug hin oder sie sind dickköpfig bis zur Selbstzerstörung", schreibt die Zeitung.

Auch wer auf die russisch-französisch-deutsche Karte setze, sei naiv. Denn die transatlantische Auseinandersetzung sei nicht mehr als ein "Familienstreit", der bald wieder vergessen sein werde. Der Rat an Saddam Hussein laute deshalb: "Nur eine mutige, vernünftige, historische und opferbereite Entscheidung des Iraks für die von den Vereinten Nationen verlangte vollständige Offenlegung (der irakischen Rüstungsprogramme) kann den Vormarsch der Kriegsmaschinerie jetzt noch stoppen."

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