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Klares Votum der Belegschaft: Wilder Streik im Opel-Werk beendet

Das Votum der Belegschaft für die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit im Bochumer Opel-Werk fiel deutlich aus: Knapp 80 Prozent der beteiligten gut 8 000 Mitarbeiter stimmten dafür, die Produktionsbänder sofort wieder zu starten.

dpa-afx BOCHUM. Das Votum der Belegschaft für die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit im Bochumer Opel-Werk fiel deutlich aus: Knapp 80 Prozent der beteiligten gut 8 000 Mitarbeiter stimmten dafür, die Produktionsbänder sofort wieder zu starten. Außerdem beauftragten sie den Betriebsrat, weiter mit dem Management zu verhandeln. Die Befürworter eines weiteren wilden Streiks, dies zeigte das Abstimmungs-Ergebnis, waren eine - wenn auch an den Werkstoren lautstarke - Minderheit mit 1 700 Stimmen. Rund 9 600 Mitbeiter hat Opel Bochum insgesamt.

Die Streikbefürworter übten auch nach der Abstimmung wieder harte Kritik an Betriebsrat und Gewerkschaften. Denn diese hatten bei der Abstimmung die Frage nach einer Wiederaufnahme der Arbeit mit dem Auftrag für weitere Verhandlungen mit dem Management verbunden. "Soll der Betriebsrat die Verhandlung mit der Geschäftsführung weiterführen und die Arbeit wieder aufgenommen werden?", lautete die Frage, die mit Ja oder Nein beantwortet werden konnte. "Wer den Streik fortsetzen wollte und trotzdem weitere Verhandlungen wollte, war bei diesem Verfahren chancenlos", klagten die Streikbefürworter.

Geschickte Fragestellung

Bei der geschickten Fragestellung konnte sich der Betriebsrat aber im Gegensatz zu den Streikenden immerhin auf das Betriebsverfassungsgesetz berufen. Denn das schreibt für die Zeit von Verhandlungen zwischen den Tarifparteien eine Friedenspflicht vor. Erst wenn die Verhandlungen für gescheitert erklärt wurden, kann eine Urabstimmung zu einem Streik eingeleitet worden. Dagegen agierten die Bochumer Arbeiter mit ihrem wilden Streik im rechtsfreien Raum: Auch die Betriebsversammlung zur Abstimmung über ein Ende des Streiks war nur nach den eigenen Regeln der Opel-Belegschaft legitimiert.

Die Wende im wilden Streik der Bochumer Opelaner hatte bereits am Dienstag der Auftritt von Betriebsratschef Dietmar Hahn auf dem Werksgelände eingeläutet. Überraschend sprach er von einer "guten Basis" für die Verhandlungen mit dem Management über die Sparpläne, nachdem zuvor nur von einer ergebnislosen ersten Runde die Rede gewesen war. Die Verhandlungen hätten das Ziel, die Opel-Standorte zu sichern und notwendige Kündigungen sozialverträglich zu gestalten, versicherte Hahn.

Schritt IN DIE Richtige Richtung

Wenig später sprach auch der nordrhein-westfälische IG-Metall-Chef Detlef Wetzel von einem Schritt in die richtige Richtung. "Durch die gestern getroffene Verständigung werden betriebsbedingte Kündigungen erschwert und Massenentlassungen verhindert", meinte Wetzel. Das Opel-Management versicherte zudem in einem Brief an IG-Metall-Chef Jürgen Peters, man sei um eine Lösung bemüht, die die gefährdeten Standorte über 2010 hinaus sichert.

Damit sind die Grundforderungen der Bochumer Opelaner, die auf Standortsicherung und Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bestanden hatten, zumindest Gegenstand der Verhandlungen. Oder: Aus einem Standort-Vernichtungskonzept sei ein Standort-Erhaltungskonzept geworden, heißt es. Und vielen Opelanern wird auch der griffige Satz des Automarktexperten Ferdinand Dudenhöffer bei der Abstimmung in den Ohren geklungen haben. "Je länger der Streik dauert, desto kürzer ist die Perspektive für den Opel-Standort Bochum", hatte der Gelsenkirchener Professor betont./

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