Klassische Ziele könnten als Gewinner aus der Krise hervorgehen
Terror in USA wirft Reisebranche zurück

Die Terroranschläge in den USA bedeuten einen schweren Rückschlag für die weltweite Reisebranche. Die Tourismuswirtschaft werde sich davon aber rasch wieder erholen, teilte die Welttourismus-Organisation (WTO) am Montag in Madrid mit.

dpa MADRID/DÜSSELDORF/FRANKFURT. Das Ausmaß der Tourismuskrise werde stark davon abhängen, wie die USA und ihre Verbündeten in den nächsten Wochen auf die Anschläge reagierten, sagte WTO-Generalsekretär Francesco Frangialli. Das Reiseverhalten der Deutschen wird sich aus Expertensicht verändern. Gefährliche Ziele wie Afghanistan oder Irak würden nicht mehr gebucht.

"Wenn die kommenden (Vergeltungs-)Aktionen auf eine bestimmte Weltregion begrenzt bleiben, werden die Auswirkungen auf den Tourismus geringer sein", sagte Frangialli. In den ersten acht Monaten dieses Jahres habe sich im weltweiten Tourismus eine Wachstumsrate von 2,5 bis 3,0 Prozent abgezeichnet. Nun werde das Wachstum im Jahr 2001 wohl nur 1,5 bis 2,0 Prozent betragen.

Deutsche und Japaner verzichten nicht auf Auslandsreisen

Viele US-Amerikaner haben jetzt Angst vor Auslandsreisen. Von der Gesamtzahl der Touristen machten sie aber nur 13 Prozent aus, betonte der WTO-Generalsekretär. "Die Erfahrung hat gezeigt, dass Urlauber aus anderen wichtigen Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder Japan auf Auslandsreisen nicht verzichten werden." Es werde aber eine Umverteilung bei den Zielen geben, sagte der Präsident des Deutschen Reisebüro- und Reiseveranstalterverbandes, Klaus Laepple.

Gewinner der unklaren Situation könnten klassische Ziele in Spanien, wie die Balearen oder die kanarischen Inseln sein, meinte Laepple. "Die Kanarischen Inseln waren ja schon beim Golfkrieg die Gewinner." Damals habe man gesehen, dass der Tourismus sich von einer solchen Krise rasch erhole, betonte der WTO-Generalsekretär. Obwohl die Zahl der Flugreisenden zurückgegangen war, stiegen die Einnahmen der Branche.

Reisenden müssen mit steigenden Preise rechnen

In Deutschland sei die Rücktrittsquote bei allen Reisen nach den Anschlägen bislang im normalen Rahmen geblieben, sagte Laepple. "In den Großstädten bleibt sie auf dem normalen Niveau von rund einem Prozent. In den Reisebüros auf dem Land oder in Kleinstädten liegt sie zurzeit bei bis zu 3 Prozent." Beim USA-Spezialisten Dertour, bei Meier's Weltreisen und ADAC Reisen haben allerdings nach Auskunft einer Sprecherin rund 25 Prozent der Kunden USA-Reisen bis zum Samstag storniert oder umgebucht. Den drei Unternehmen seien bisher Kosten in Höhe eines zweistelligen DM-Millionen-Betrages entstanden.

Die Reisenden müssten sich für das kommende Jahr auf steigende Preise einstellen - auch wegen der nach dem Anschlag höheren Versicherungsgebühren für die Flugzeuge, sagte Laepple. Vor allem liege der zu erwartende Anstieg aber an den angezogenen Kerosin- Kosten. Der Verbandspräsident schloss nicht aus, dass einige Reiseziele um bis zu 10 Prozent teurer werden könnten.

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