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Klauenseuche: Alarmzustand nach Ausbruch in Frankreich

dpa BERLIN. Nach dem Übergreifen der Maul- und Klauenseuche von Großbritannien auf Frankreich herrscht jetzt auch in Deutschland Alarmzustand. Das Verbraucherschutzministerium in Berlin forderte am Dienstag von der EU strenge Maßnahmen, um ein weiteres Ausbreiten der hochinfektiösen Tierkrankheit auf dem europäischen Festland zu verhindern.

Staatssekretär Alexander Müller (Grüne) sprach von einer "dramatischen Situation" und appellierte an alle Behörden, die schon geltenden Schutzmaßnahmen "penibel einzuhalten". Besonders die an Frankreich grenzenden Bundesländer verschärften aus Angst vor einem Übergreifen der Maul- und Klauenseuche (MKS) ihre Kontrollen drastisch. Unterdessen gab es Entwarnung in Niedersachsen: Ein erster Seuchen-Verdachtsfall dort bestätigte sich nicht.

Müller sagte, die Lage sei "sehr, sehr ernst". Die Bundesregierung erwarte ein Export-Verbot der EU für Klauentiere aus den betroffenen Regionen Frankreichs, wie es bereits für Großbritannien gelte. Dort war die Seuche Ende Februar ausgebrochen. Einen nationalen Alleingang, wie ihn die belgische Regierung beschlossen hat, schloss Müller jedoch aus. Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) wollte nach Angaben Müllers noch am Dienstag nach Frankreich zu einem Treffen der Landwirtschafts- und Außenminister beider Länder reisen.

Die Landesbehörden prüften derzeit, welche Tiere seit Mitte Januar aus Frankreich geliefert worden seien. Nach Angaben der französischen Behörden seien seit dem 8. März keine Nutz- und Zuchttiere, sondern nur Schlachttiere aus Frankreich in die Bundesrepublik gekommen, sagte Müller. Im Februar und März seien keine Schafe aus Frankreich nach Deutschland geliefert worden.

Jedoch habe es in diesem Zeitraum insgesamt 19 Rinder-Transporte und 63 Schweine-Transporte gegeben. Nun müsse rekonstruiert werden, ob Tiere aus dem befallenen französischen Bestand oder Verdachts- Betrieben nach Deutschland gelangt seien. Schafe gelten nach den Worten Müllers als Hauptüberträger des MKS-Virus.

Sollte die EU ein Export-Verbot beschließen, werde Deutschland die Entscheidung sehr schnell umsetzen. Skeptisch äußerte sich Müller zu möglichen vorbeugenden Tier-Impfungen. Die höchst ansteckende Maul- und Klauenseuche (MKS) gilt als die am schwierigsten zu bekämpfende Seuche, die Tierärzte kennen. Für Menschen ist sie ungefährlich.

Der Ausbruch der Seuche in Frankreich stehe in "sehr direktem Zusammenhang" mit der Seuche in Großbritannien, sagte Müller. Der betroffene Betrieb liege in der Nähe eines Hofs, der im Februar Schafe aus einem Bestand in Großbritannien erhalten habe, in dem später die Seuche festgestellt wurde. Der Leiter des nationalen Krisenzentrums für Tierseuchenbekämpfung in Bonn, Bernd Ollenschläger, sagte: "Die Situation ist jetzt natürlich deutlich problematischer geworden."

Besonders die an Frankreich angrenzenden Länder verschärften aus Angst vor einem Übergreifen der Seuche ihre Vorsichtsmaßnahmen drastisch. Baden-Württemberg schloss praktisch die Grenze zu Frankreich für Importe von Klauentieren. Auch das rheinland- pfälzische Umweltministerium verstärkte im Grenzbereich die Kontrolle von Tiertransporten. Das Saarland ordnete die gleichen Vorsichtsmaßnahmen wie bisher für Fälle aus Großbritannien an.

Auch nach den negativen MKS-Testergebnissen in Niedersachsen gibt es nach Ansicht von Landesagrarminister Uwe Bartels (SPD) keinen Grund zur Entwarnung. Mecklenburg-Vorpommerns Agrarministerium kündigte an, aus Frankreich eingeführtes Fleisch sicherzustellen.

Auch Nordrhein-Westfalen und Hessen erweiterten die Schutzmaßnahmen. NRW-Agrarministerin Bärbel Höhn (Grüne) sagte "Radio NRW": "Das ist Alarmstufe 1." Die hessische Sozialministerin Marlies Mosiek-Urbahn (CDU) forderte eine Krisensitzung von Bund und Ländern. Der Umgang mit Tieren aus Frankreich müsse in einer bundesweiten Schutzverordnung geregelt werden. Die Kontrollstelle für Tiere am Frankfurter Flughafen wurde in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

Für den Fall eines Ausbruchs der Seuche in ganz Deutschland forderte die Gewerkschaft der Polizei im Radio "FAZ 93,6 Berlin", für die dann nötigen Absperrungen auch über einen Einsatz der Bundeswehr nachzudenken. Die Polizei könne das nicht alleine leisten. Maul- und Klauenseuche erreicht europäisches Festland
Ein Albtraum wird wahr

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