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Klauenseuche auch in Irland ausgebrochen

Als vierter Staat der Europäischen Union (EU) hat Irland am Donnerstag den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche bestätigt. Ministerpräsident Bertie Ahern sagte im Parlament in Dublin, zwei Verdachtsfälle in einer Schafherde in der Grafschaft Louth hätten sich bestätigt.

rtr DUBLIN. Das Landwirtschaftsministerium verhängte umgehend ein Exportverbot. Der betroffene Betrieb liegt innerhalb MKS-Sperrbezirkes, der in der angrenzenden britischen Provinz Nordirland errichtet wurde.

Rund einen Monat nach dem MKS-Ausbruch in Großbritannien ist die Seuche dort nach Einschätzung eines Experten nicht unter Kontrolle. Nach dem Übergreifen der Seuche auf die Niederlande am Mittwoch rechnet der niedersächsische Landwirtschaftsminister Uwe Bartels (SPD) auch in Deutschland mit einem MKS-Ausbruch. Irland hatte nach dem Ausbruch der Seuche in Nordirland die Grenzkontrollen verstärkt und Beschränkungen gegen etwa 850 Betriebe im eigenen Land erlassen. In Nordirland ist bislang ein MKS-Fall bestätigt worden. Um den Betrieb war danach in einem Umkreis von zehn Kilometern ein Sperrbezirk gezogen worden, der auch den nun in Irland betroffenen Betrieb einschließt. Der irische Landwirtschaftsminister Joe Walsh ordnete ein Exportverbot für Lebendvieh, Fleisch- und Fleischprodukte an. Der Nahrungssektor der Landwirtschaft macht im Handel Irlands 27 Prozent der Nettoeinnahmen aus.

In Großbritannien wird die Seuche nach Einschätzung des wissenschaftlichen Beraters des Agrarministeriums Roy Anderson noch Monate grassieren. Anderson sagte im Fernsehsender BBC, die Ausrottung von MKS werde wahrscheinlich noch bis August dauern. Er denke, die Regierung, die Landwirtschaft und unabhängige wissenschaftliche Berater teilten die Einschätzung, dass MKS gegenwärtig noch nicht unter Kontrolle sei. Die Seuche könne damit in Großbritannien den Ausbruch von 1967 noch übertreffen und schlimmere Folgen als jemals zuvor haben. Nach seiner Einschätzung waren 1967 rund 2000 Betriebe in Großbritannien betroffen. Am Mittwoch waren es in Großbritannien 435.

Die britische Regierung hatte in den vergangenen Tagen immer wieder behauptet, die Seuche sei unter Kontrolle. Die Zahl der betroffenen Betriebe stieg jedoch weiter an. Allein am Mittwoch meldeten 40 weitere Betriebe MKS. Die Opposition wirft der Regierung schlechtes Krisenmanagement vor. Bei der Verbrennung der Kadaver kommt es zu tagelangen Verzögerungen. Mehr als 270 000 Tiere wurden bislang getötet, weil sie infiziert oder gefährdet waren. Weitere 130 000 Tiere sollen folgen.

Die Seuche, die für den Menschen ungefährlich ist, kann vom Wind übertragen werden. Betroffen sind Klauentiere wie Schweine, Schafe und Rinder. Die britische Regierung lässt inzwischen alle im Umkreis von drei Kilometern zu einem infizierten Betrieb lebenden Klauentiere keulen. Die Seuche hat auch den Tourismus auf der Insel stark beeinträchtigt. Nach Schätzungen entstehen der Tourismusindustrie durch MKS pro Woche Verluste in Höhe von rund 400 Mill. DM.

Nach Großbritannien und Frankreich war die Seuche am Mittwoch in drei Betrieben der niederländischen Provinz Geldern bestätigt worden. Mit den Fällen in den Ortschaften Olst, Oene und Welsum rückte MKS damit auf rund 50 Kilometer an Deutschland heran. Die Veterinäre der EU verboten umgehend den Export gefährdeter Tiere. Das niederländische Agrarministerium verbot für drei Tage außerdem alle Transporte von Futtermitteln und Milch im Land.

In Deutschland wurde der Bundesgrenzschutz angewiesen, den Grenzverkehr zu den Niederlanden zu überwachen. Nach Angaben Bartels' wurden mehrere Grenzübergänge gesperrt. Dennoch rechnet er damit, dass ein Übergreifen der Seuche nicht mehr verhindert werden kann. "Ich glaube, wir können es (MKS) nicht mehr fern halten", sagte er im NDR.

Die nordrhein-westfälische Umweltministerin Bärbel Höhn (Grüne) erneuerte ihre Forderung nach flächendeckenden Schutzimpfungen. Es mache wenig Sinn, die Tiere zu töten, um sie vor der Krankheit zu bewahren, sagte sie im WDR. Die Wahrscheinlichkeit werde immer größer, dass es auch auf dem europäischen Festland zahlreiche Seuchenfälle geben werde. Über einen Strategiewechsel beim Verbot flächendeckender Impfungen müsse schnell nachgedacht werden. "Irgendwann ist es auch zu spät für die Entscheidung."

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