Klaus Landowsky
Dem Berliner Strippenzieher entgleiten die Fäden

Seit mehr als 20 Jahren zieht der Christdemokrat Klaus Landowsky die Strippen in Berlin. Seine Spitzenämter in der Bankenbranche und der Politik ließen ihn zu einem der einflussreichsten Männer in der Hauptstadt aufsteigen. Die Öffentlichkeit sprach von "Pate" oder "grauer Eminenz". Nun neigt sich die Karriere des 58-Jährigen dem Ende zu. Ihm gleiten die Fäden aus der Hand.

ddp BERLIN. Verwickelt in eine Spendenaffäre seiner Partei und die Berliner Bankenkrise verlor Landowsky bereits seinen Posten als Bankenchef. Nunmehr legt er auch sein Amt als Fraktionsvorsitzender im Berliner Abgeordnetenhaus nieder. Der gewiefte Stratege, der einst mit Mill. operierte, stolperte über eine nicht ordnungsgemäß verbuchte Barspende von 40 000 DM und den Verdacht, das Geld sei ihm für einen 600-Millionen-Kredit von Parteifreunden in die Hand gedrückt worden. Zudem muss er sich Vorwürfen erwehren, für Milliardenverluste der mehrheitlich landeseigenen Bankgesellschaft mitverantwortlich zu sein.

Mit seinem Rückzug aus der vordersten Politikfront erweist Landowsky vielleicht ein letztes Mal seinem Weggefährten Eberhard Diepgen einen großen Dienst. Berlins Regierender Bürgermeister und CDU-Landeschef musste befürchten, dass die Sozialdemokraten ihre Drohung wahr machen und die Koalition platzen lassen. Am politischen Untergang seines Freundes und dem "Horror" einer SPD/PDS-Allianz in der Hauptstadt will Landowsky aber nicht Schuld sein. Schließlich gelten Klaus und Eberhard als Markenzeichen für Wahlerfolge.

An Landowskys Seite beim Aufstieg in die Etagen der Macht stand von Anfang an Eberhard Diepgen. In den sechziger Jahre studierten beide an der Freien Universität (FU) Berlin Rechtswissenschaften. Wie Diepgen stammt auch Landowsky aus bescheidenen Verhältnissen. 1942 in Berlin geboren, wuchs er bis zu seinem 13. Lebensjahr in Franken auf. Seine sozialdemokratisch orientierten Eltern ließen sich scheiden, das Leben im Internat war kein Zuckerschlecken. Der Mauerbau im August 1961 prägte Klaus Landowsky, er trat ebenso wie Diepgen in die CDU ein.

Karriere auch im Beruf

Auf der Universität kämpften sie als Verbindungsstudenten "erfolgreich gegen die revolutionäre Umbildung der Universität", wie es Landowsky formulierte. Beide einte später das utopisch anmutende Ziel, in der sozialdemokratischen Frontstadt Westberlin die Macht zu übernehmen. "Der Eberhard und ich sind zusammen unschlagbar", lautete der Slogan von Landowsky, und er hatte Recht. Beide eilten von Sieg zu Sieg. Nur ausgerechnet den Fall der Berliner Mauer verfolgte das Duo von der Oppositionsbank aus. Die rot-grüne Koalition 1989/90 unter Walter Momper (SPD) stellte für Landowsky bis heute die größte politische Enttäuschung seines Lebens dar. Die gescheiterte Fusion der Länder Berlin und Brandenburg 1996 konnte er wohl verschmerzen.

Um so energischer kämpfte Landowsky in Berlin um Mehrheiten für die Union. "In einer strukturell linken Stadt", wie er sagte, sei das ein schwieriges Unterfangen. In der Partei hielt er Diepgen den Rücken frei und stellte dem Staatsmann die Bataillone auf, 1971 bis 1975 als Landesvorsitzender der Jungen Union, 1985 bis 1991 als CDU-Generalsekretär und seit 1990 als Fraktionschef.

Und Landowsky machte beruflich Karriere. 1973 fing er bei der Berliner Pfandbriefbank als Vorstandsassistent an. Sein Weg führte ihn 1994 schließlich in den Vorstand der Bankgesellschaft Berlin. Seine Kontakte im Immobilienbereich wusste er politisch gut zu nutzen. Hinzu kamen öffentlichkeitswirksame Sitze im SFB-Rundfunkrat und im Stiftungsrat der Stiftung Deutsche Klassenlotterie.

Sehr zum Ärger des Dauerkoalitionspartners SPD und der Opposition. Ihnen war der "Erfolgsschlager" Landowsky seit langem ein Dorn im Auge. Sie werfen dem CDU-Fraktionschef Ämterhäufung und eine Verquickung beruflicher und politischer Interessen vor. Insofern können die Gegner von Landowsky nun feiern. Doch noch muss es sich erweisen, dass es sich nicht nur um einen Pyrrhus-Sieg handelt. Denn künftig will Landowsky als stellvertretender CDU-Landeschef der Union die Mehrheiten in der Stadt sichern. Und wer den 58-Jährigen kennt, der weiß, dass er dies ernst meint.

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