Klaus Lederer kündigt den Rückzug bei Babcock Borsig an
Babcock verkauft Anteile an HDW-Werft

Der Anlagenbau- und Werften-Konzern Babcock Borsig ändert seine Strategie. Statt die Kooperation mit Thyssen-Krupp im Schiffsbau voranzutreiben, verkauft Babcock die Kieler Werft HDW an einen US-Investor.

beu/wt HAMBURG/DÜSSELDORF. Der von der Bundesregierung gewünschte Verbund der beiden Thyssen-Werften mit der Kieler Howaldtswerke Werft-Deutsche AG (HDW) könnte doch noch zu Stande kommen. Die US-Fondsgesellschaft One Equity Partners hat nach Übernahme der Mehrheit an HDW den beiden Konzernen Thyssen Krupp Industries AG, Muttergesellschaft der Werften Blohm+Voss, Hamburg, und Thyssen Nordseewerke (TNSW), Emden, sowie der Ferrostaal AG, Essen, einen Anteil von jeweils 15 % an HDW angeboten.

Thyssen Krupp Industries-Sprecher Alfred Wewers bestätigte das Angebot. Zugleich hätten Thyssen Krupp und HDW die von Jahresanfang bis Ende Februar unterbrochenen Gespräche über die Kooperation bei Marineexporten wieder aufgenommen. Wewers: "Wir betrachten die Gespräche über die Zusammenarbeit und über einen Werftenverbund als Einheit."

Babcock-Borsig verkauft 25 % seiner HDW-Anteile an One Equity, die Tochter des US-Kreditinstituts Bank One in Chicago. Preussag und der Finanzinvestor BayernFinanz veräußern insgesamt 50 % minus eine HDW-Aktie an den US-Investor. So wird One Equity mit 75 % minus eine Aktie Großaktionär der weltweit führenden U-Bootwerft HDW. Babcock behält 25 % plus eine Aktie. Der Deal wurde am Montag auf einer Sitzung des Babcock-Aufsichtsrats genehmigt.

Babcock-Vorstandschef Klaus Lederer bleibt in Personalunion weiter HDW-Vorstandsvorsitzender. Lederer, wird sich aber nach eigenen Angaben aus dem Babcock-Vorsitz zurückziehen. Den Zeitpunkt hat er jedoch offen gelassen. "Um die Unabhängigkeit der HDW auch persönlich zu gewährleisten und die bisher erreichten Fortschritte beim Aufbau des europäischen Werftenverbundes zu sichern, habe ich mich entschieden, zu gegebener Zeit den Vorstandsvorsitz der Babcock Borsig AG niederzulegen", wurde Lederer zitiert.

Er habe nicht den HDW-Deal mit One Equity eingefädelt, erklärte US-Investor Guy Wyser-Pratte gegenüber dem Handelsblatt. Das sei allein das Werk von Babcock-Chef Lederer. Der Amerikaner begrüßte aber den Einstieg der US-Fondsgesellschaft als "einen ersten Schritt, damit HDW Zeit gewinnen und sich von verschiedenen Altgesellschaftern trennen kann". Wyser-Pratte, der inzwischen 5,5 Prozent an Babcock Borsig hält, deutete aber an, dass die beiden US-Rüstungskonzerne General Dynamics und Northrop Grumman hinter der US-Investmentfirma stecken könnten.

In Marinekreisen wird Northrop als Interessent genannt. Der Grund: Northrop ist sehr an dem von HDW speziell für U-Boote entwickelten, weltweit einmaligen Brennstoffzellenantrieb interessiert. Bei jeden Manöver ärgerten sich die Amerikaner darüber, dass sie die HDW-U-Boote nicht aufspüren könnten, weiß der HDW-Betriebsrat.

Zur HDW-Gruppe gehören die HDW-Werft in Kiel, die Reparaturwerft HDW-Nobiskrug in Rendsburg, HDW-Hagenuk in Kiel, sowie die Kockums Werft im schwedischen Karlskrona. Für die Übernahme der Hellenic Shipyards in Griechenland durch HDW fehlt noch die Zustimmung der Kartellbehörden. Kooperationsverträge hat HDW mit der italienischen Werft Fincantieri sowie der spanischen Werftengruppe IZAR.

HDW beschäftigt in Deutschland 4 100 und in der Gruppe 5 300 Mitarbeiter. In den Auftragsbüchern stehen derzeit keine Handelsschiffsneubauten mehr, aber 19 U-Boote imWert von 5,2 Mrd. Euro. Darüber hinaus laufen Verhandlungen über U-Boote-Aufträge im Wert von 1 bis 2 Mrd. Euro. Aus den bestehenden Aufträgen erwartet HDW einen Gewinn von rund 600 Mill. Euro.

Für Babcock-Borsig bedeutet der Verkauf des HDW-Pakets das Ende der hochfliegenden Pläne, im Alleingang einen europäischen Werftenverbund zu schmieden. So hatte Lederer immer wieder angekündigt, dass er die Kieler Großwerft ganz übernehmen wolle, zugleich aber offen gelassen, wie er den Deal finanzieren will. Allein im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (30.9.) hatte Babcock Borsig einen Verlust von 76 Mill. Euro melden müssen. Vor diesem Hintergrund hat die Warburg Bank Babcock von Halten auf "Unter Beobachtung" zurückgestuft. Die restlichen Babcock-Aktivitäten seien wenig attraktiv und stark risikobehaftet.

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