Klaus Schöniger und Raoul Wild als Vorstände berufen
Sparkassen-Broker will Marktführer werden

Angesichts der Börsenflaute ist das Geschäft für Direktbroker derzeit schwierig. Dies zeigt nicht zuletzt das Scheitern des Brokers Systracom. In diesem Marktumfeld wollen die Sparkassen nach der Übernahme des Anbieters Pulsiv auf Dauer im Direkt-Brokerage Marktführer werden. Daran lässt Klaus Schöniger im Gespräch mit dem Handelsblatt keinen Zweifel.

ali/cd/HB BERLIN/DÜSSELDORF. Klaus Schöniger ist der neue Vorstandssprecher des S-Brokers. Als weiterer Vorstand wurde Raoul G. Wild berufen. Zuvor hatte Schöniger Easytrade aufgebaut, den Direktbroker der Postbank. Ende Juli soll der S-Broker starten und bis Ende nächsten Jahres 150 000 Depots einsammeln, bis zum Jahr 2010 sollen es eine Million sein. Zum Vergleich: Marktführer Comdirect führt 565 000 Depots in Deutschland. Pulsiv hat erst gut 20 000 Depots.

In viereinhalb Jahren soll der Broker der Sparkassen schwarze Zahlen schreiben. Erreichen will dies die größte Kreditinstitutsgruppe in Deutschland, indem sie ihre breite Kundenbasis ausschöpft. Außerdem sollen Kunden von Consors & Co. zurück gewonnen werden. Dorthin seien in den vergangenen Jahren rund 600 000 gewechselt, sagte Thomas Mang, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV).

Optimistisch stimmt ihn, dass in einer Befragung mehr als die Hälfte dieser ehemaligen Kunden signalisiert hätten, sie könnten sich gut vorstellen zu einem zentralen Broker der Sparkassen zurück zu kehren. Ins Visier nehmen soll der S-Broker vor allem die Kunden der zweiten Welle. Sie gelten im Gegensatz zu den Kunden der ersten Welle als eher technikunerfahren und haben Beratungsbedarf. Mang sieht keinen Widerspruch darin, einen Teil dieser Kundengruppe mit einem Onlinebroker ohne Beratungsangebot erreichen zu wollen. "Meiner Meinung nach gibt es in den Kundendateien der Sparkassen noch genügend Kandidaten, die noch kein Online-Depot haben und die mit einem einfachen, aber qualitativ hochwertigen Info-Angebot auskommen", erläuterte Mang und ergänzte: "Das unterscheidet uns von den Konkurrenten."

Der S-Broker soll hinsichtlich Angebots- und Preisgestaltung "in jedem Fall mit den Hauptkonkurrenten mithalten können", sagte Schöniger. Einen Schwerpunkt soll das Fondsangebot bilden. Kunden werden sich beim S-Broker branchenüblich aus rund 4 000 Fonds bedienen, die zum Teil mit reduziertem Ausgabeaufschlag verkauft werden. Ob auch die Fonds der Sparkgassen-Fondsgesellschaft DGZ-Deka vergünstigt verkauft werden, ist noch nicht geklärt. Bislang gibt es die Deka-Fonds nur bei Sparkassen-Filialen mit vollen Ausgabeaufschlag.

Der Kaufpreis von Pulsiv sei mit weniger als 50 Mill. Euro "günstig und fair" gewesen, sagte Mang. Bisher hatten Branchenkenner den Preis auf 50 bis 100 Mill. Euro geschätzt. Insgesamt hat die Sparkassengruppe ein Budget von knapp 300 Mill. DM für den S-Broker bereit gestellt. Der Name des Sparkassen-Brokers steht allerdings noch nicht fest. "Das Sparkassen-S soll auf jeden Fall im Namen enthalten sein", sagte Mang. Dagegen hatte es in Teilen der Sparkassenorganisation, vor allem in Baden-Württemberg, Widerstand gegeben. Die Grundzüge der Sparkassen-Strategie erscheinen Ralf Dibbern, Finanz-Analyst bei M.M. Warburg, schlüssig zu sein: "Der kritische Punkt ist aber, wie gut der zentrale Broker in den Sparkassen-Filialen vor Ort vermarktet und beworben wird, um dieses Reservoir auszuschöpfen."

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