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Klein aber fein

Smax-Werte mischen das Depot auf. Anleger haben die Wahl zwischen Einzeltiteln, Fonds oder Zertifikaten auf das Nebenwertesegment.

23.5.2001 Ein relativ stabiles Börsensegment mit zahlreichen kleineren, soliden Firmen rückt zunehmend in den Blickpunkt der Anleger: der Smax. Interessant ist er insbesondere für Investoren, die sich am Neuen Markt die Finger verbrannt haben. Schließlich zeichnen sich viele der Unternehmen aus der so genannten dritten Reihe durch Beständigkeit aus. Ihr Management hat sich bereits bewährt, in guten wie in schlechten Zeiten. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass der SDax allein in den vergangenen zwei Jahren um 33,38 Prozent zulegen konnte. Im SDax sind die 100 größten und umsatzstärksten Unternehmen der insgesamt 122 Smax-Werte zusammengefasst.

Auch Kursturbulenzen können den SDax nicht so leicht aus der Bahn werfen: Fiel der Dax von Ostern vergangenen Jahres bis April um fast 24 Prozent, gab der SDax nur um 13 Prozent nach. Bei Experten gilt der Smax mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10 auf Basis der Gewinnschätzungen für 2002 zudem als unterbewertet. Zum Vergleich: Der Dax weist ein KGV von 18 auf.

"Konservativere Anleger sollten sich den Smax unbedingt anschauen, schließlich sind seine Aktien auch unter Dividendengesichtspunkten interessant", rät Reinhild Keitel von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre in Frankfurt. Einige Anleger könnten mit Dividenden sogar ihre Miete zahlen. Ihr gefallen vor allem der Modehersteller Gerry Weber oder der Automobilzulieferer Beru, bei dem Übernahmephantasien Schwung in die Aktie bringen könnten. "Auf Beru lauern strategische Kapitalinvestoren, die den Titel offenbar für unterbewertet halten und ihn übernehmen möchten", sagt auch Jochen Mathée, der für Invesco den Small Caps plus Smax-Fonds managt. "Vor diesem Hintergrund ist es für Anleger immer gut, dabei zu sein." Neben Beru gehören Takkt, der Anlagenbauer Rohwedder und Loewe, ein Anbieter von Unterhaltungselektronik, wegen ihrer verhältnismäßig günstigen Bewertungen zu seinen Favoriten. Insgesamt rechnet Mathée in diesem Jahr mit einem Wertzuwachs von bis zu 15 Prozent im Smax.

Zwar ist auch Karl Fickel, Fondsmanager bei Lupus Alpha, positiv für das Nischensegment gestimmt. "Ich warne aber vor überzogenen Erwartungen. Eine Wachstumsstory wie einst am Neuen Markt wird es nicht geben, schließlich beackern viele Smax-Unternehmen traditionelle Geschäftsfelder mit eher moderaten Wachstumsaussichten." Mögliche Risiken sieht Fickel in der geringen Marktkapitalisierung, die für den Smax zusammengenommen nicht größer als bei der Commerzbank alleine sei. Das berge die Gefahr, dass Anleger nicht immer zu dem Preis kaufen oder verkaufen könnten, zu dem sie wollten. Sein Kollege Frank Hansen, Fondsmanager bei DIT, rät Anlegern daher, sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf Limite zu setzen

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Für Anleger, die am Erfolg des SDax-Index teilhaben wollen, ohne in einen Fonds zu investieren oder sich selbst Titel auszusuchen, bieten sich das Deutsche Small Cap Zertifikat von Lehman (WKN 658677) oder das Smax Dynamic Favourites Basket von Goldman Sachs (WKN 536992) an. Das Lehman-Zertifikat enthält die 30 größten Werte, die zusammen etwa 70 Prozent der Marktkapitalisierung des SDax abdecken, bei Goldman sind es die ersten zwölf. "Die größten Werte sind nicht immer die interessantesten", gibt Philip Piltz, Experte für Indexzertifikate bei Société Générale, zu bedenken.

"Für einen marktbreiten Ansatz sind die Unternehmen im Smax eigentlich zu verschieden, da sie aus den unterschiedlichsten Branchen kommen", ergänzt Stefan Gresse, zuständig für strukturierte Aktienprodukte bei ABN Amro. Seiner Meinung nach macht daher Stock-Picking, also die Auswahl einzelner Aktien, im Smax mehr Sinn. Solch eine Auswahl hat Sal. Oppenheim mit seinem SDax-Perlen-Zertifikat (WKN 761611) bereits getroffen. Enthalten sind neun Werte (Beru, Gerry Weber, Biotest, Stada, Salzgitter, Pfleiderer, Gildemeister, Zapf und Takkt), die die hauseigene Analyseabteilung für besonders aussichtsreich hält. Fünf der Titel befinden sich übrigens auch im Goldman-Produkt. "Beide nehmen sich nicht so viel", urteilt Gresse. Die Werteauswahl sei gut, positiv sieht er zudem die enge Spanne zwischen An- und Verkaufskursen von einem Euro bei beiden Zertifikaten.

Alle Experten sind sich allerdings darin einig, dass der Smax nur zur Depotbeimischung geeignet ist. Nachhaltig steigende Kurse im Dax oder am Neuen Markt könnten die Smax-Werte wieder auf die hinteren Plätze verweisen.

Quelle: Heike Herbertz
Petra Hoffknecht
Handelsblatt / Redakteurin
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