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Klein und wieder fein

"Westerwelle statt Pleitewelle" lautete einer der pfiffigen Wahlslogans der Liberalen. Nun ist der Traum von der 18-Prozent-Volkspartei ausgeträumt. Verantwortlich für die Westerwelle-Pleite ist nicht allein der Politharsadeur Möllemann, sondern auch der Parteichef selbst.

Jürgen W. Möllemann hat dem Druck der FDP-Spitze schnell nachgegeben und seinen Rücktritt vom Amt des Parteivize erklärt, aber zugleich die Alleinschuld an dem lauten Platzen der 18-Prozent-Blase bestritten. Sein Faltblatt, das die FDP erneut dem Zwielicht des Antisemitismus ausgesetzt hatte, erklärt in der Tat nicht, weshalb die Liberalen mit einem Stimmenplus von nur 1,2 Prozentpunkten ihr 18-Prozent-Ziel so stark verfehlt haben.

Hochmut kommt vor den Fall, nicht nur in Sprichworten. Hochfahrend waren die Liberalen nach ihren Wahlerfolgen in Nordrhein-Westfalen, Berlin und Sachsen-Anhalt geworden. Sie setzten auf das Projekt 18 noch den eigenen Kanzlerkandidaten auf, erklärten sich zur Volkspartei und reklamierten die Schlüsselrolle des Kanzlermachers für sich. Nun haben die Wähler die FDP wieder auf Normalmaß gestutzt. Die Partei ist ohne ihren Vize Möllemann wieder fein, aber auch klein. Kanzlerkandidat Westerwelle hat sich tief blamiert.

Für die Reformallianz in Deutschland ist das Westerwelle-Desaster ein herber Rückschlag. Keine Partei ist mit einem so klaren wirtschaftliberalen Reformprogramm in die Wahl gegangen wie die FDP. Sie hätte als Koalitionspartner den Reformstillstand überwinden können. Nun ist sie die Partei der verpassten Gelegenheiten, gestolpert über ihren Machtopportunismus. Der Verzicht auf eine klare Koalitionsaussage zugunsten der Union hat sich als ein schwerer Fehler erwiesen. Dafür trägt Guido Westerwelle ebenso die Verantwortung wie für ein wenig zu viel Spaß im Wahlkampf. Der Spaß ist vorbei. Es wird ernst für Guido. Die FDP-Personaldiskussion ist mit Möllemanns Rücktritt nicht beendet.

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