Kleinaktionäre können leer ausgehen
Machtwechsel bei Mobilcom

Bei Mobilcom steht ein Machtwechsel bevor: France Telecom will offenbar die Kontrolle erwerben. Vorstandschef Gerhard Schmid muss sein Amt räumen. Eine Abfindung an die freien Aktionäre ist offen.

HAMBURG. Bei der Mobilcom AG steht die Machtübernahme durch den Großaktionär France Télécom offenbar kurz bevor: Danach will der französische Konzern Ende dieser Woche die 40 %ige Beteiligung des Firmengründers Gerhard Schmid kaufen. Er und Finanzvorstand Thorsten Grenz sollen dann ihre Posten räumen, heißt es aus Unternehmenskreisen von Mobilcom.

Damit beugt sich der Vorstandschef nach seinem Fehlverhalten bei Aktiengeschäften mit seiner Frau Sybille Schmid-Sindram dem Druck der Franzosen. Der Aufsichtsrat muss dem Aktienverkauf von Schmid aber noch zustimmen, heißt es. "Es wird am Donnerstag oder Freitag eine Aufsichtsratsitzung geben. Die Agenda ist geheim", erklärte ein Mobilcom-Sprecher.

Ob France Télécom dann eine Lösung für die Umschuldung der 4,7 Mrd. Euro Verbindlichkeiten von Mobilcom präsentiert, ist offen. Eine Lösung muss bis Ende Juli gefunden werden, da dann die Zwischenfinanzierung für den Aufbau des UMTS-Netzes ausläuft. Der französische Konzern will angeblich die Kredite für das UMTS-Netz über eine Wandelanleihe mit eigenen Aktien zurückzahlen. Damit würden France Télécom den eigenen Schuldenberg von 60 Mrd. Euro nicht erhöhen.

In dem bevorstehenden Anteilswechsel könnten die Kleinaktionäre möglicherweise leer ausgehen. Denn Mobilcom hatte Anfang April in einer Pflichtmitteilung laut Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) erklärt, dass France Télécom bereits über 68,02 % der Stimmrechtsanteile an der Büdelsdorfer Firma verfügt und damit faktisch die Kontrolle besitzt. Bei diesen Angaben wurde der Optionsvertrag zwischen France Télécom und Mobilcom berücksichtigt und der Unternehmensanteil von Gerhard Schmid dem französischen Konzern zugerechnet. Schmid und France Télécom hatten vor knapp zwei Jahren einen Optionsvertrag abgeschlossen, wonach der Pariser Staatsriese ab 2003 das Aktienpaket des Firmengründers erwerben kann. Die Franzosen hatte bislang einen Aktienanteil von 28,5 % gemeldet.

Mit einem Anteil von 68,02 % an Mobilcom wäre France Télécom beim Erwerb des Aktienpakets von Gerhard Schmid offenbar nicht mehr verpflichtet, ein Pflichtangebot an die freien Aktionäre zu machen. Das seit 1. Januar 2002 gültige Übernahmegesetz sieht vor, dass erst ab diesem Jahr bei Überschreiten der Schwelle von 30 % des stimmberechtigten Kapitals ein Abfindungsangebot notwendig wird.

Eine Sprecherin des französischen Konzerns bestätigte, dass durch den Optionsvertrag die Anteile des Firmengründers France Télécom zugerechnet werden. Welche Auswirkungen dies für die freien Aktionäre hat, wollte sie nicht kommentieren. Eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) erklärte, die Inhalte des Optionsvertrages und die Auswirkungen würden weiterhin geprüft .

Mobilcom rechnet mit einem Pflichtangebot. Denn nach Angaben eines Investor-Relations-Managers des Unternehmens ist der Zeitpunkt der Optionsausübung entscheidend. "Sollte dies in diesem Jahr erfolgen, würde erst jetzt die 30-Prozent-Schwelle überschritten und damit ein Pflichtangebot fällig", so der Manager.

Unterdessen prüft die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, ob sie vor Gericht einen Antrag auf Sonderprüfung stellt. Sie will die Aktiengeschäfte der Ehefrau des Firmengründers unter die Lupe nehmen. Die Sonderprüfung hatte auf der Hauptversammlung nicht den nötigen Stimmenanteil von 10 % bekommen.

Quelle: Handelsblatt

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