Kleinanleger muss Rating-Kriterien seiner Bank genau nachfragen
Ratings der Analysten können Anleger verwirren

Analysten sind ins Gerede gekommen. "Kaufen", "Outperformer" oder "Übergewichten" lauteten die Ratings der Research-Spezialisten zu vielen Aktienwerten häufig auch dann, als die Kurse der Titel bereits in den Keller rauschten. Viele Anleger vertrauten auf die positiven Schlagwörter und wurden enttäuscht.

ddp.vwd BERLIN. Was die Anleger meist nicht wissen: Auch wenn sich die Begriffe gleichen, können zwei Bankhäuser etwas Verschiedenes darunter verstehen - und auch bei Kursverlusten mit einer positiven Einschätzung noch richtig liegen.

Grundsätzlich gibt es den Unterschied zwischen absoluten und relativen Einschätzungen. Bei einem absoluten Rating wird die erwartete Kursentwicklung unabhängig von einem Index genannt. Bei einem "Kauf" rechnet das Haus demnach mit einem Kursanstieg. Ein relatives Rating orientiert sich hingegen an einem Vergleichsindex. Es gibt an, ob ein Analyst mit einer besseren oder schlechteren Entwicklung als der Vergleichsmaßstab, etwa der Deutsche Aktienindex (Dax), rechnet. So ist etwa IDS Scheer aus relativer Sicht ein klarer "Outperformer" am Neuen Markt, obwohl der Aktienkurs seit April vergangenen Jahres um knapp 40 % gesunken ist. Den Vergleichsmaßstab Nemax-50 hatte es hingegen mit einem Sturz um 80 % deutlich kräftiger erwischt.

"Kauf" hat je nach Bankhaus unterschiedliche Bedeutung

"Kauf" und "Kauf" sind somit zwei verschiedene Paar Schuhe. Die West-LB Panmure erwartet etwa von einem "Kauf", dass sich die Aktie im Vergleich zum Index um über 20 % besser entwickeln wird. Das Bankhaus Merck Finck & Co. hingegen rechnet bei einem "Kauf" mit einem Anstieg des Kurses, unabhängig vom Index. Allerdings ist dort zu beachten: Während man bei den Standardwerten ein relatives Rating benutzt, favorisieren die Münchner beim Neuen Markt ein absolutes Rating.

Warum nutzen die Banken nicht ein einheitliches System? Ein Grund sei, dass einige Häuser an Großkunden orientiert seien, die ein bestimmtes Schema verfolgten, sagt Erhard Schmitt von Helaba Trust. Die Research-Tochter der Landesbank Hessen-Thüringen verfolgt selbst eine relative Einstufung und rät bei guten Werten zum "Übergewichten". Generell seien die Bankhäuser zunehmend zu einer relativen Einstufung übergegangen, meint der Helaba-Analyst. Dies entspricht dem Interesse der Investmentgesellschaften, da diese sich zum Ziel setzen, die Gelder besser als der Markt und somit der Vergleichsindex anzulegen. Im Sinne der Transparenz sei eine Vereinheitlichung sicher ein richtiger Schritt, meint Schmitt. Er weiß aber auch: "Dies wird wohl kaum passieren." Dem Kleinanleger bleibt da nur der Rat, die Kriterien seiner Bank genau nachzufragen.

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