Kleinanleger verklagt Infomatec
Musterprozess über Schadenersatz für Neue-Markt-Aktionäre

In Augsburg hat am Montag ein Musterprozess über Schadenersatz-Ansprüche von Kleinaktionären gegen am Neuen Markt notierte Unternehmen begonnen. Eine auf Aktienrecht spezialisierte Münchner Rechtsanwalts-Kanzlei will erreichen, dass ein Metzgermeister aus dem Ruhrgebiet den Kaufpreis von rund 100 000 DM für Infomatec-Aktien zurück erhält, weil das Unternehmen falsche Ad-hoc-Mitteilungen verbreitet habe.

ap AUGSBURG. Das Augsburger Landgericht kündigte eine Entscheidung für den 24. September an. In der mündlichen Verhandlung ging es hauptsächlich um eine Ad-hoc-Mitteilung vom Mai 2000. Darin hatte es geheißen, Mobilcom habe von Infomatec vertraglich 100 000 Internetdecoder für Fernsehgeräte geordert. Ein Infomatec-Mitarbeiter bestätigte aber Vorwürfe des Klägers, dass nur 14 000 Stück vertraglich bestellt worden seien und für den Rest nur eine Absichtserklärung vorgelegen habe. Über diese Differenz seien sich auch die beiden Gründer und ehemaligen Chefs von Infomatec, Gerhard Harlos und Alexander Häfele, im Klaren gewesen.

Der Kläger gab vor Gericht an, er habe diese Ad-Hoc-Mitteilung als den Durchbruch des Unternehmens gewertet und daraufhin sein Aktienpaket gekauft. Die Klage richtet sich sowohl gegen Infomatec selbst, als auch gegen Harlos und Häfele persönlich, deren Vermögen von der Augsburger Staatsanwaltschaft gesperrt wurde.

Die Kanzlei des Münchner Anwalts Klaus Rotter vertritt nach eigenen Angaben rund 200 weitere Aktionäre des Augsburger Medienunternehmens. Kanzleisprecher Bernd Jochem sieht für die Kläger gute Chancen, da die Staatsanwaltschaft das Verfahren unterstütze: "Wir haben sehr gut zusammengearbeitet und sehr umfangreich Akteneinsicht bekommen", sagte Jochem.

Laufendes Insolvenzverfahren

Im Juni war ein anderes Schadenersatzverfahren gegen Infomatec vertagt worden, bis Klarheit über das Ermittlungsverfahren gegen Harlos und Häfele bestehe.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Harlos und Häfele wegen des Verdachts falscher Ad-hoc-Mitteilungen und verbotenem Insiderhandel. Unter anderem sollen die Firmengründer mit einer falschen Nachricht über einen angeblichen Großauftrag den Aktienkurs von Infomatec verdoppelt und anschließend eigene Aktien für 56 Mill. DM verkauft haben. Nach einem halben Jahr Untersuchungshaft waren Harlos und Häfele Anfang Mai gegen eine Kaution von je 750 000 DM freigelassen worden.

Infomatec war im Sommer 1998 an den Neuen Markt gegangen und befindet sich derzeit im Insolvenzverfahren. Ende April hatte das auf interaktives Fernsehen spezialisierte Unternehmen dramatische Einbrüche bei Umsatz und Gewinn bekannt geben müssen: Der Jahresfehlbetrag für das Geschäftsjahr 2000 versechsfachte sich auf 103,8 Mill. ? (rund 202 Mill. DM).

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