Kleinanleger wütend
Den Haffas ist das Lachen vergangen

Das Lachen ist Thomas Haffa vergangen. Mit versteinerter Miene betrat der einstige Strahlemann und Gründer des Medienunternehmens EM.TV am Montag den Saal 101 des Münchner Landgerichts.

HB/dpa MÜNCHEN. Zusammen mit seinem Bruder Florian muss sich Haffa als erster Manager eines Unternehmens des Neuen Marktes wegen Kursbetrugs vor Gericht verantworten. Das Blitzlichtgewitter der Fotografen ließen die Brüder, die sich früher gerne in Siegerpose vor Luxusyachten oder auf Promi-Partys ablichten ließen, reglos über sich ergehen. In einer persönlichen Erklärung beteuerte Haffa seine Unschuld: "Es war niemals meine Absicht, die Aktionäre zu täuschen."

Zahlreiche Kleinaktionäre, die durch den Kursverfall der EM.TV-Aktie ein Vermögen verloren haben, standen vor dem Gerichtssaal Schlange, um die Haffas zu sehen. "Mein Wunsch wäre, dass man diesen Herrn Haffa hinter Schloss und Riegel bringt", sagt der Optiker Otto Uebelhör, der durch seine EM.TV-Aktien mehr als 35 000 Euro verloren hat. Auch der Rentner Helmut Wolf hat sein Vertrauen in die Versprechen der Haffas bitter bereut. Für fast 100 Euro hat er seine Aktien im Jahr 2000 gekauft, heute sind sie weniger als einen Euro wert. "Man sollte Thomas Haffa nicht ermöglichen, in die Karibik zu entschwinden", forderte er am Montag.

Schuld an dem massiven Kursverfall haben nach Ansicht der Staatsanwaltschaft die überzogenen Versprechungen der Haffa-Brüder. Sie hätten mit falschen Zahlen und Prognosen den Kurs noch in die Höhe getrieben, als ihnen die Krise der Medienfirma schon längst bewusst gewesen sei.

Was viele Kleinaktionäre besonders ärgert: Während sie teils ihren letzten Spargroschen bei der Spekulation mit dem vermeintlich todsicheren Tipp EM.TV verloren haben, sind die Haffas reich geworden. Zwar betonte Thomas Haffa, er gehöre als einstiger Mehrheitsaktionär zu den größten Verlierern. Doch ließen er und Bruder Florian zugleich einräumen, ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse seien "geordnet und gut". Zum Prozess erschienen die beiden wie gewohnt im feinen Zwirn. Nach Branchenschätzungen hat Thomas Haffa ein Vermögen in dreistelliger Millionenhöhe gemacht. Er betonte, er habe schon vor dem Börsengang von EM.TV mit erfolgreicher Arbeit den Grundstein für sein Vermögen gelegt.

Während er die Verlesung der Anklage fast reglos verfolgte, gewann Haffa schon bald sein berühmtes Selbstbewusstsein zurück. Er habe schon, als er noch bei Leo Kirch unter Vertrag stand, große unternehmerische Erfolge errungen. Auch die einst winzige Medienfirma EM.TV sei unter seiner Regie gewachsen und gewachsen, weil er früh das Potenzial des Geschäfts mit dem Merchandising erkannt habe.

Den Wortschatz aus alten Zeiten hat Haffa nicht verlernt. Fast wie früher schwärmte er von "Meilensteinen in der Unternehmensgeschichte", "attraktiven Akquisitionen", "weltbekannten Marken" und der "internationalen Spitze", in die sich EM.TV aufgeschwungen habe. "Das Unternehmen entwickelte sich in allen Bereichen extrem positiv." Warum die Erfolgsstory EM.TV im Jahr 2000 ein jähes Ende fand, kann Haffa noch immer nicht verstehen. "Für mich ist bis heute unverständlich, warum die EM.TV-Aktie drastisch an Wert verloren hat." EM.TV habe aller Voraussetzungen gehabt, weiter zu wachsen. Selbst den Kauf des "Muppetshow"-Produzenten Jim Henson und der Formel 1 für nach Einschätzung fast aller Experten viel zu hohe Preise verteidigte er uneingeschränkt.

An den kommenden Prozesstagen wird es darum gehen, von welchem Zeitpunkt an die Haffas wussten, dass es mit ihrer Firma den Bach runter geht. Thomas Haffa und sein Bruder bestreiten, dass sie jemals bewusst falsche Angaben gemacht haben. Ihre Anwälte betonten zugleich, dass ihnen nach neuer Rechtslage dann auch noch nachgewiesen werden müsse, dass sie den Kurs mit vermeintlich falschen Nachrichten auch tatsächlich beeinflusst haben.

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