Kleinbetriebe tun sich mit pfiffigen Innovationen oft leichter als Industriebetriebe
Handwerker entdecken den Sport

Franz Beckenbauer, Reiner Calmund und Wolfgang Clement haben eines gemeinsam: Sie trommeln für Sportereignisse der Megaklasse. Von der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland hofft die Wirtschaft mit Milliardenbeträgen profitieren zu können. Der Markt rund um den Breiten- und Spitzensport floriert - das erkennen auch immer mehr Handwerksunternehmen.

DÜSSELDORF. Hartmut Semsch, Geschäftsführer der Ortema GmbH, kennt die Bedürfnisse von Sportlern ganz genau: Den früheren Ski-Leistungssportler hatte ein Kreuzbandriss lahmgelegt. "Ich wollte aber weiter Ski fahren, also nutzte ich meine Erfahrungen als Orthopädiemechaniker und schaute, welche Hilfsmittel es auf dem Markt gibt." Doch die Auswahl war aus Sicht des kantigen Süddeutschen eher dürftig. Seine Analyse: Die Hilfsmittel waren zu leicht, zu wackelig oder sie rutschten. Zusammen mit einem Kniechirurgen experimentierte Semsch so lange, bis der passende Prototyp aus Kohlefaser gebastelt war: die Knieorthese.

Für Semsch war das Thema Spitzensport zwar passé, doch konnte er zumindest wieder auf seinen geliebten "Brettern" stehen. Unter seinen Kollegen erregte er mit der Innovation viel Aufsehen.Der österreichische Skiverband reagierte am schnellsten und gab Semsch den ersten größeren Auftrag. Weitere folgten. Mittlerweile arbeitet die Firma Ortema im baden-württembergischen Markgröningen für fast alle Eishockey-Spitzenmannschaften, die besten Motocrossfahrer zählen zu ihrer Klientel. Spezialknieschutz, Rückenprotektoren, Fingerschutz und viele Spezialanfertigungen hat Ortema im Sortiment.

Weitere Zuwachsraten im Sportbereich

Rund 40 % ihres Umsatzes von über 4 Mill. Euro machen die sechs Handwerksmeister und ihre 36 Mitarbeiter fernab des typischen Klinikgeschäfts, davon die Hälfte nur mit Sportlern. Dabei schwört Semsch auf die Güte des Meisterbriefes, da nur auf Grundlage einer fundierten medizinischen Ausbildung die Möglichkeit bestehe, solche Entwicklungen auf den Weg zu bringen. Die Ski-Springer Sven Hannawald und Martin Schmitt gehören mittlerweile zur Kundschaft und greifen ebenfalls auf Ski-Helme und andere Ausrüstungsstücke von Ortema zurück.

Die Firma passt ins Bild. Die Sportwirtschaft erzielt ein Umsatzvolumen von jährlich rund 30 Mrd. Euro. Und obwohl die Gesamtwirtschaft lahmt, erwarten die Experten der Wirtschaftsinstitute im Sportbereich weitere Zuwachsraten. Impulsgeber sind Freizeit- und Spitzensport gleichermaßen: Vom Bau der Sportstätten profitieren die Bau- und Ausbaugewerke, wie etwa die 30 Mann starke Firma Covertex aus dem Chiemgau. Für die neue "Allianz Arena" in München baut Covertex die beleuchtbaren Hüllen des Daches, 2 800 Luftkissen werden aus Folien zusammengeschweißt und zu einer 60 000 qm großen Hülle zusammengefügt.

Auch mit einem gelungenen Marketing lassen sich Geschäfte machen. So bieten sich Sportler beispielsweise auch für die Nahrungsmittelgewerke als ideale Imageträger an. Die Fußballweltmeisterschaft 1994 in den USA war zwar für die deutschen Fußballer nicht unbedingt ein Erfolg. Die Werbekampagne des Fußballweltmeisters und gelernten Bäckers Jürgen Klinsmann für den Bäckerverband ist aber noch in guter Erinnerung.

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