Kleincomputer mit Windows CE laut Gartner auf dem Vormarsch
Compaq treibt Palm in die Enge

Der bisherige Marktführer für Kleincomputer, Palm, gerät in Bedrängnis. Compaq erzielt mit seiner Modell-Reihe Ipaq bereits mehr Umsatz. Zugleich spitzt sich der Wettbewerb der Betriebssysteme weiter zu: Das von Microsoft entwickelte Pocket-PC-Konzept nimmt Palm OS kräftig Marktanteile ab. Völlig an den Rand gedrängt worden ist mittlerweile die Epoc-Software von Psion.

dpa/ap SAN JOSE. Über Jahre hinweg war Palm unumstritten Marktführer bei Kleincomputern. Nun muss sich der Hersteller nach Berechnung der Marktforscher von Gartner Dataquest auf den Verlust seiner Marktführerschaft einstellen. Seine Spitzenposition im Markt der so genannten Handheld-PC werde das Unternehmen im zweiten Quartal 2001 zumindest gemessen am Umsatz an den Konkurrenten Compaq und seinen "iPAQ" verlieren, prognostizierte die Marktforschungsgesellschaft in San Jose (Kalifornien). Eine starke Marktführerschaft des kalifornischen Unternehmens erwarten die Analysten hingegen weiter bei der Stückzahl der verkauften Kleinstrechner.

Die Modelle von Compaq basieren auf dem Pocket-PC-Konzept, einer speziellen Version des Microsoft Betriebssystems Windows. Palm hingegen setzt das selbst entwickelte Palm OS ein, das auch von Unternehmen wie Handspring und Sony in Lizenz für eigene Geräte genutzt wird.



Noch ist Palm bei den Stückzahlen der Marktführer im Verkauf der "Personal Digital Assistents" (PDA). In dem Ende dieses Monats ausklingenden zweiten Quartal wird Palm nach Schätzungen des Marktforschungsinstituts weltweit etwa 700 000 Geräte ausliefern. Mit 500 000 Geräten folgte auf Platz zwei Compaq, dessen iPAQ mit einem Microsoft-System läuft. Weil der iPAQ aber doppelt so teuer ist wie der Durchschnittspreis für die Geräte der Palm-Palette, wird Compaq zumindest beim Umsatz Palm überholen: Für das PDA-Geschäft von Compaq wird im zweiten Quartal ein Umsatz von mehr als 200 Mill. Dollar erwartet, während das im vergangenen Jahr von 3COM ausgegliederte Unternehmen Palm nur Erlöse von 130 bis 135 Mill. $ einfährt. Auf Platz drei folgt schon Handspring mit 330 000 Stück und geschätzten 62 Mill. $.

Als Gründe nannten die Analysten die starke Marktstellung von Compaq im Unternehmensbereich. Das Betriebssystem Microsoft Windows CE ließe sich zum Beispiel leichter in die Unternehmenskommunikation mit der Office-Software Outlook integrieren. "Palm muss ein Gerät im High-End-Bereich anbieten, das sich mit dem von Compaq vergleichen lässt", sagte Ken Dulaney, Vizepräsident von Dataquest. Vor allem müssten die drahtlose Internet-Anbindung und das Betriebssystem verbessert werden.

Quartalsverlust von Palm könnte bis zu 190 Millionen Dollar erreichen

Zudem leidet Palm derzeit unter einem hohen Druck an Lagerbeständen: Wegen der schwachen Konjunktur, aber auch wegen des verzögerten Übergangs zur neuen Modellreihe m500/m505 blieb der Verkauf hinter den Erwartungen zurück. "Unsere neue m500-Familie von Handheld-Computern wird später ausgeliefert, als wir gehofft haben", räumt Palm-Vorstandschef Carl Yankowski am Firmensitz im kalifornischen Santa Clara ein. "Diese Verzögerung trägt die Hauptverantwortung für unsere nach unten korrigierten Gewinnaussichten und wird von der Wirtschaftsflaute noch verschärft, die sich offenbar auch auf Regionen außerhalb der USA ausweitet." Für das am 30. Juni endende Quartal, das Schlussquartal des Palm-Geschäftsjahrs, wird jetzt ein Betriebsverlust von 170 bis 190 Mill. Dollar erwartet.

Microsoft-Produkte schieben sich auch in Europa nach vorn

Allein in Europa ist der Marktanteil von Palm im ersten Quartal dieses Jahres auf 41,3 % gesunken - verglichen mit 52,1 % ein Jahr zuvor. Auf Platz zwei in Europa preschte Compaq vor. Mit seinen neuen Pocket-PCs kam das texanische Unternehmen nach einer Erhebung des britischen Instituts Canalys auf einen Marktanteil von 11,9 %. Platz drei in Europa wird ebenfalls von dem Windows-Lager belegt und mit 9,5 % von Casio und seinem Modell Cassiopeia eingenommen. Der dritte große Pocket-PC-Anbieter ist Hewlett-Packard und liegt in Europa derzeit auf Platz sieben.

Der britische Hersteller Psion, dessen Geräte im Unterschied zur Konkurrenz mit einer eigenen Kleintastatur bedient werden, gerät unterdessen zunehmend in die Rolle eines Zuschauers, der nicht mehr entscheidend in den Wettbewerb der großen Anbieter eingreifen kann. Während sich die Zahl der im vergangenen Jahr in Westeuropa verkauften PDAs auf 1,97 Mill. verdoppelte, konnte Psion seinen Absatz nur um 5,9 % steigern. Der europäische Marktanteil dieser wegen der Tastaturbedienung etwas größeren Computer sank binnen Jahresfrist von 19,1 auf 8,9 %, was nur noch für Platz fünf reichte - hinter Nokia mit seinem PDA-Handy Communicator. Dabei werden die mit dem Betriebssystem Epoc ausgestatteten Psion-Geräte vor allem von professionellen Anwendern geschätzt, die auch einmal mit größeren Daten als Terminen und Adressen umgehen müssen. Die Zukunft von Psion hängt jetzt vor allem von ersten konkreten Ergebnissen der Symbian-Allianz ab, die Epoc zu einem System für das Kombigerät aus PDA und Mobiltelefon machen will. Mit einer Produkteinführung ist aber erst im nächsten Jahr zu rechnen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%