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Kleine Differenzen bei Pauschalen und Freibeträgen

Bei der Umrechnung von D-Mark in Euro rundet der Fiskus großzügig. Nicht immer fällt das Ergebnis zu Gunsten der Steuerzahler aus.

DÜSSELDORF. Eigentlich klingt die Anweisung unmissverständlich. "Bei Umrechnungen von DM in Euro sind die jeweiligen Ergebnisse auf den nächstliegenden Cent auf- oder abzurunden" - so steht es im Euro-Einführungsschreiben des Bundesministeriums der Finanzen.

Wahrscheinlich muss Finanzminister Hans Eichel seine Fachreferenten noch einmal zur Nachschulung laden, denn irgendwie scheint sich das Rechenprocedere im eigenen Haus noch nicht herumgesprochen zu haben: Bei der Umrechnung wichtiger Steuerpauschalen und Freibeträge in die neue Gemeinschaftswährung zum 1. 1. 2002 wird mathematisch gesehen eher großzügig gearbeitet.

>>So rechnet der Fiskus in Euro um

Zum Beispiel wird die zu Jahresanfang eingeführte Entfernungspauschale für Fernpendler von 80 Pfennig in 40 Cent umgerechnet. Rein rechnerisch entspricht das nur dem Gegenwert von 78,2 Pfennig (siehe Kasten unten). Im Klartext: Wer einen weiten Weg zu seiner Arbeitsstelle hat, legt bei der Euroeinführung steuerlich drauf.

Doch das sei eine der wenigen Ausnahmen, betont Thomas Gerhardt, Sprecher des Bundesfinanzministeriums. Tatsächlich lässt sich der Finanzminister die Einführung des Euros im Rahmen seiner Möglichkeiten durchaus etwas kosten. "Insgesamt kommt es im Rahmen der Umstellung zu einer Besserstellung der Bürger um rund 360 Millionen Mark", verteidigt Gerhardt die Regelung bei der Entfernungspauschale, die allerdings mehr oder weniger bereits mit der Verabschiedung der Steuerreform im Bundesrat beschlossen wurde. "In den meisten Fällen wird dagegen zu Gunsten der Steuerzahler aufgerundet", betont der Sprecher.

Das stimmt. Bereits die Nahpendler profitieren von der Euroumstellung. Ihr Pauschbetrag wird von 70 Pfennig (35,79 Cent) auf 36 Cent nach oben aufgerundet. Noch deutlicher fällt der Vorteil beim Sparerfreibetrag aus, den jeder Steuerzahler von seinen Einkünften aus Kapital und Vermögen abziehen kann. Er beträgt bei Ledigen 3 000 Mark (1 534 Euro), Verheiratete können in diesem Jahr 6 000 Mark (3 068 Euro) an Zinsen und Dividenden steuerfrei vereinnahmen. Mit Beginn des Jahres 2002 sind es 1 550 beziehungsweise 3 100 Euro - die Anleger wird es freuen.

Auch beim Arbeitnehmerpauschbetrag von derzeit 2 000 Mark (1 023 Euro) fällt die Umrechnung mit 1 044 Euro eher großzügig aus. Allerdings werden die Fahrt- oder anderen Werbungskosten der meisten Arbeitnehmer diesen Wert ohnehin überschreiten. Zu Lasten des Arbeitnehmerpauschbetrages wurde allerdings der Sonderausgabenpauschbetrag von 108 Mark auf 36 Euro deutlich nach unten angepasst.

Ansonsten verfährt der Finanzminister bei vielen Freibeträgen und Einkommensgrenzen bei der Umstellung eher unsystematisch. Die Einkommensgrenzen bei der Arbeitnehmersparzulage werden beipielsweise bei Ledigen von rechnerischen 17 895 Euro auf 17 900 Euro großzügig aufgerundet. Dagegen halten sich die Steuerhüter bei den Einkommensgrenzen, die für den Erhalt der Eigenheimzulage gelten, ziemlich genau an die Anweisung ihres Dienstherren. Aus 160 000 beziehungsweise 320 000 Mark (Ledige/Verheiratete) werden 81 807 und 163 614 Euro (genaue Umrechnung: 81 806,70 und 163 613,40 Euro).

Profitieren werden vom Euro auch Familien mit Kindern - so will es allerdings nicht der Finanzminister, sondern die Regierungskoalition. Sie hat sich darauf geeinigt, dass das Kindergeld zum 1. 1. 2002 um 30 Mark auf 300 Mark erhöht wird. Mit 154 Euro (= 301,20 Mark) werden bei der Umrechnung in die neue Währung sogar noch ein paar Cent draufgelegt.

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