Kleine Gruppe von Soldaten
US-Elitesoldaten in Afghanistan im Einsatz

Nach fast zwei fast zwei Wochen Luftkrieg sind US-Elitesoldaten in Afghanistan im Einsatz, wie am Freitag aus dem Verteidigungsministerium in Washington verlautete. Dabei handele es sich aber lediglich um eine geringe Zahl von Soldaten.

rtr KABUL/WASHINGTON. Trotz unverminderter Bombardements der US-Luftwaffe hielt die radikal-islamische Talibanregierung in Afghanistan an ihrer Weigerung fest, den moslemischen Extremisten Osama bin Laden an die USA auszuliefern. Bei ihren Gipfeltreffen in Belgien bezeichneten die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union (EU) in einem Entwurf der Abschlusserklärung einen Sturz der Taliban als "legitimes Ziel".

Es befinde sich derzeit eine geringe Anzahl von Soldaten im Süden Afghanistans, verlautete in Washington. Das könnte aber die erste Phase einer größeren militärischen Operation sein. "Das ist das sehr, sehr, sehr frühe Stadium." Es wurden keine Angaben dazu gemacht, wie lange sich die Soldaten schon in Afghanistan aufhalten. Nach Angaben der Taliban-Opposition sind acht US-Spezialisten zusammen mit General Abdul Raschid Dostum im Norden des Landes aktiv. Die Männer gehörten offenbar der Aufklärung oder dem Geheimdienst an und seien keine regulären Soldaten, sagte Ustad Attah Mohammad, einer der Kommandeure der oppositionellen Nordallianz.

Aus den US-Verteidigungskreisen verlautete weiter, die Zahl der Elite-Soldaten in Afghanistan könnte in den kommenden Wochen steigen. Die "Washington Post" berichtete unter Berufung auf die Verteidigungskreise, es sei unwahrscheinlich, dass ihre Zahl an die Zehntausenden heranreichen werde, die während des Golf-Kriegs 1991 zum Einsatz kamen.

Die Taliban erklärten, sie wüssten nichts von US-Sondereinheiten in den von ihnen kontrollierten Gebieten. Der Pakistan-Botschafter der Taliban, Mullah Abdul Salam Saeef, sagte, die Taliban hätten ihre militärische Schlagkraft nicht verloren. Sie seien darauf vorbereitet, gegen US-Bodentruppen vorzugehen. Sie hätten zwar einige Verluste hinnehmen müssen, blieben jedoch stark. Saeef fügte hinzu, dass sich an dem Standpunkt zu Bin Laden nicht geändert habe. Dies sei eine Sache des Glaubens.

Bei den US-Luftangriffen wurden nach Taliban-Angaben bislang bis zu 900 Menschen getötet oder werden vermisst. US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, die Zahl der Opfer sei nicht einmal annähernd so hoch. Unabhängige Angaben über Opfer und Schäden gibt es nicht.

Auch am Freitag, dem wöchentlichen Gebetstag der Moslems, flogen die USA wieder Angriffe auf die Hauptstadt Kabul und die Taliban-Hochburg Kandahar. Dabei seien in Kandahar sieben Menschen getötet worden, meldete die afghanische Nachrichtenagentur AIP. Die Taliban teilten mit, in Kandahar seien mehrere Basare getroffen worden.

Auf diplomatischer Ebene gingen die Bemühungen zur Festigung der von den USA geschmiedeten Koalition weiter. US-Präsident George W. Bush sagte in Schanghai, China stehe "Seite an Seite" mit den USA im Kampf gegen den Terrorismus. In Pakistan kam Bundesaußenminister Joschka Fischer mit Präsident Pervez Musharraf zusammen. Fischer sprach sich für eine rasche politische Lösung für Afghanistan aus. Ein Vakuum würde die Lage der Bevölkerung weiter verschlechtern, sagte Fischer.

In dem Entwurf der EU in Gent wurde ein Sturz der Taliban als rechtmäßiges Ziel bezeichnet, da diese die Auslieferung Bin Ladens verweigerten. Die Staats- und Regierungschefs der EU wollten dem Entwurf zufolge weiter Fortschritte bei der Umsetzung des Anti-Terror-Pakets fordern.

Die USA fliegen seit dem 7. Oktober mit britischer Unterstützung Luftangriffe gegen Ziele in Afghanistan, nachdem Taliban eine Auslieferung Bin Ladens abgelehnt hatten. Bin Laden wird von den USA für die Anschläge vom 11. September in New York und Washington verantwortlich gemacht, bei denen vermutlich fast 5400 Menschen getötet wurden.

Auch am Freitag tauchten weltweit neue Postsendungen mit Substanzen auf, die im Verdacht standen, Milzbranderreger zu enthalten. Im Bundeskanzleramt und im Büro des niederländischen Ministerpräsidenten Wim Kok gingen Briefe mit verdächtigem Pulver ein, die zur Untersuchung weitergeleitet wurden. Der Brief im Kanzleramt erwies sich als harmlos. In Argentinien tauchte ein in den USA abgeschickter Brief auf, der nach Angaben der Gesundheitsbehörden mit hoher Wahrscheinlichkeit mit Milzbranderreger verseucht war. Bereits am Donnerstag hatte ein Geschäftsmann in Kenia einen Brief aus den USA bekommen, der Milzbranderreger aufwies. In den USA wurden bislang sieben Milzbrandinfektionen festgestellt, eine davon verlief tödlich. Unbekannte dort Briefe mit Erregern an Politiker und Medienunternehmen geschickt.

Taliban-Botschafter Saeef wies einen Zusammenhang zwischen den Fällen von Milzbrand und Bin Laden und der Taliban zurück. "Wir wissen noch nicht einmal, was Milzbrand ist", sagte Saeef.

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