Kleine Hersteller können besser auf Kunden-Probleme eingehen
Software kurbelt Wissensmanagement kaum an

Alle Jahre wieder tummeln sich auf der Cebit die Anbieter von Wissensmanagement-Software. Doch die Verheißungen der Programmierer scheitern allzuoft an der Praxis im Unternehmen. Software allein genügt nicht, um vorhandenes Firmenwissen transparent zu machen und punktgenau zu verteilen.

HANNOVER. Die Zahl der vermeintlichen Softwarelösungen für Knowledge- oder Wissensmanagement ist auch auf der diesjährigen Cebit unüberschaubar: Programmierer von Dokumenten- oder Workflow-Management-Software tummeln sich neben Anbietern von Programmen zur Inhalte-Verwaltung oder von Browsern, mit denen nach Informationen im Firmennetz gefahndet wird - sie alle versprechen, vorhandene Daten schneller verfügbar zu machen.

Tatsächlich sind in Zeiten, in denen Firmen sparen, Techniken beliebt, mit denen Ressourcen besser genutzt werden könnten. So ist es kein Wunder, dass Softwarehersteller versuchen, das Interesse am Wissensmanagement wachzuhalten. Doch nach der Euphorie vergangener Jahre ist in der Praxis Ernüchterung eingekehrt. Oft war der Nutzen wissensbasierter Managementsysteme geringer als erhofft. "Kleinlaut räumen inzwischen viele Softwarehersteller ein, dass es mit der Installation ihrer Standard-Programme alleine nicht getan ist", weiß Klaus North, Professor an der Fachhochschule Wiesbaden.

Bislang sei es nicht im gewünschten Umfang gelungen, das Wissen aus Fachabteilungen, Projekten und Geschäftsprozessen systematisch aufzubereiten und zu teilen - geschweige denn über Grenzen von Organisationseinheiten hinaus transparent zu machen. Das hat eine Befragung der Wiesbadener Forscher unter Großunternehmen ergeben. Die Firmen hätten sich zu sehr auf die Technik konzentriert und die organisatorischen Abläufe vernachlässigt.

Die richtige Information zu richtigen Zeitpunkt

Ähnlich urteilen Dortmunder IT-Forscher, die sich im Rahmen des NRW-Projektes "Expect" mit der konkreten Umsetzung von Wissensmanagement befassen: "Der häufigste Fehler beim Aufbau von wissensbasierten Systemen besteht darin, dass sie zu wenig an den Abläufen im Unternehmen orientiert sind", resümiert Forscher Marcel Hoffmann. Es könne nicht nur darum gehen, Zugriffsrechte zu definieren. Wichtiger sei, das Wissen optimal aufzubereiten. So benötigten Vertriebsleute beispielsweise andere Informationen zum selben Thema als Entwickler.

Entscheidend sei auch, den Aufwand der Bereitstellung zu minimieren: "Das Wissensmanagement darf von den Mitarbeitern auf keinen Fall als zusätzliche Belastung empfunden werden", sagt der IT-Forscher. Ohne Bereitschaft der Mitarbeiter zur Kooperation geht gar nichts. Doch wer hat schon Zeit und Lust, nach Feierabend die Erkenntnisse des Tages für die Kollegen schriftlich zusammenzufassen?

Das Marktforschungsunternehmen Meta Group hat das Software-Angebot zum Thema Wissensmanagement unter die Lupe genommen. "Es hat sich gezeigt, dass nicht die großen Anbieter die besten Lösungen bieten, sondern oftmals die kleinen, die individuell auf die Bedürfnisse der Anwender eingehen können", sagt Marc Tenbieg, Projektleiter bei Meta Group. Positiv aufgefallen seien Produkte von Semantic-Edge, Insides Information Management und Ceyoniq.

Zwar könnten Firmen wie IBM mit Lotus Notes oder Microsoft mit ihrer Schnittstelle "webdav" wegen ihrer Marktmacht de facto Standards setzen. "Aber wenn es darum geht, die im Unternehmen vorhandene Technik miteinander zu verknüpfen, sind kleine Anbieter leistungsfähiger", so Tenbieg. Vor allem kleineren Firmen, die nicht das Geld für den "großen Wurf" haben, sollten laut Tenbieg nach Lösungen suchen, die auf die Wissensanforderungen einzelner Abteilungen zugeschnitten sind - das sei nicht nur übersichtlicher, sondern auch billiger.

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