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Kleine und große Koalitionen in Amerika

Vergangene Woche kam meine siebenjährige Tochter von der Schule nach Hause und sagte: Dad, ich werde Bürgermeisterin. Wow, dachte ich.

Vergangene Woche kam meine siebenjährige Tochter von der Schule nach Hause
und sagte: Dad, ich werde Bürgermeisterin. Wow, dachte ich. Nicht nur,
dass sie jeden Morgen zum Schulbeginn der US-Flagge ihre Treue schwört und
den amtierenden Präsidenten im Weißen Haus gegen allzu böse Kritik aus dem
alten Europa in Schutz nimmt jetzt will sie auch noch Bürgermeisterin
werden. Ein Campaign Team habe sie bereits zusammen, jetzt fehle nur noch
der richtige Slogan.

Was wie ein Kindermärchen klingt, steht in Wahrheit auf dem Lehrplan der
amerikanischen Schule, die meine Tochter besucht. Kurz vor den landesweiten
Wahlen am kommenden Dienstag beschäftigten sich die Zweitklässler mit der
Frage, wer regiert hier eigentlich und warum. Man mag das für etwas verfrüht
halten, aber so bekommen die Kinder eben einen schnellen Einblick, wie das
Gemeinwesen in den USA funktioniert.

Angesichts der politischen Chaostage in Berlin sollte man auch in
Deutschland überlegen, ob man die Einübung politischer Spielregeln nicht zum
Pflichtfach in der Grundschule macht. Mit dem politischen Kindergarten in
der deutschen Hauptstadt können die amerikanischen Zweitklässler jedenfalls
gut mithalten. So muss meine Tochter ihre Pläne als Bürgermeisterin in einer
Wahlrede vor der Klasse vortragen, um ihre Mitschüler zu überzeugen. Einen
Schachzug hat sie sich dafür schon überlegt: sie will ihren Kontrahenten zum
Stellvertreter machen. Große Koalitionen mit Frauen an der Spitze gibt es
eben auch in Amerika.


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