Kleine Unternehmen sind Übernahmekandidaten
Analysten erwarten leichte Erholung bei IT-Werten

Die am Neuen Markt notierten Werte von Dienstleistungsunternehmen der Informationstechnologie (IT Service Provider) werden sich nach Analysteneinschätzung 2001 wieder erholen. Experten verschiedener Banken räumten bei einer Umfrage den Unternehmen mit einem hohen Beratungsanteil und dem Angebot von Komplettlösungen die größten Wachstumschancen ein.

Reuters FRANKFURT. Systemintegratoren, die fremde Software-Produkte und eigene Komponenten in ein offenes EDV-System installieren, und Hardware-Händler dürften es auch 2001 schwer haben. Der Neue Markt Index für IT-Dienstleister, der Nemax-IT-Services, werde sich jedoch bestenfalls im Gleichschritt mit dem alle Werte des Neuen Marktes umfassenden Nemal-All-Share nach oben entwickeln. Mit größeren Gewinnwarnungen rechnen die Analysten nicht, sie erwarten aber Konzentrationsprozesse.

Die gute Geschäftsentwicklung der Branche Ende 1998 und Anfang 1999 sei von vielen Unternehmen zu optimistisch in die Folgejahre fortgeschrieben worden, sagte BW-Bank-Analyst Helmut Bartsch. Viele Investitionen in die IT-Infrastruktur seien wegen des Jahr-2000-Problems vorgezogen und die Nachfrage deshalb insbesondere im ersten Halbjahr 2000 schwächer ausgefallen als in den Vorjahren.

Adrian Pehl, Analyst der DG-Bank, zählt insbesondere hardware-lastige Systemhäuser wie M+S Elektronik oder Systematics zu den Betroffenen. Markus Golinski, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim, fügte hinzu, auch bei verschiedenen Dienstleistungshäusern seien Zahlen für 2001 und 2002 zurückgenommen worden. Trotz des allgemein negativen Trends in der Branche sei das Beratungsgeschäft (Consulting) ganz gut gelaufen, sagte Pehl. Zu den Nutznießern zählten Unternehmen wie IDS Scheer oder Emprise mit einem hohen Consultinganteil.

Der Nemax-IT-Services erreichte Mitte Mai sein bisheriges Jahreshoch mit 156,88 Punkten. Am 4. Dezember notierte der Index auf seinem vorläufigen Jahrestief mit 54,52 Zählern und erholte sich bis Mitte Dezember wieder auf rund 58 Punkte. Die Analysten rechnen damit, dass die Unternehmen für 2001 und 2002 vorsichtiger prognostizieren. "Viele haben den Planungsprozess noch nicht abgeschlossen", sagte Bartsch.

Der Markt für betriebswirtschaftliche Standardsoftwaresysteme (ERP - Enterprise Resource Planning) sei weitgehend gesättigt, sagte Knut Woller, Analyst bei der Bayerischen HypoVereinsbank. Auch Golinski sieht die Margen für Systemintegratoren schwinden. "Der Kunde möchte alles aus einer Hand haben." Die Unternehmen stellten sich dem Trend und erweiterten ihre Wertschöpfungskette. Einige große Häuser verstärkten sich auf der Multimediaseite, sagte Golinski. Es gebe sehr viele Unternehmen, die Partner oder Übernahmekandidaten suchten. Stark nachgefragt würden derzeit Lösungen für das elektronische Geschäft, sagte Bartsch. Gerade hier sei die Konkurrenz sehr groß.

Egal ob Systemhaus, Internet-Agentur oder Web-Designer, alle hätten sich E-Commerce auf ihren Banner geschrieben. Fraglich sei, ob die avisierten Wachstumsraten eingehalten werden könnten. Nicht nur Bartsch sieht Konsolidierungsbedarf. Pehl sagte, Wachstum sei nur als Nischenplayer oder als Anbieter eines Komplettservice möglich. Im letzteren Geschäftsfeld könnte es langfristig zu Preiskämpfen und Übernahmen kommen. Woller sieht gerade kleine Unternehmen mit einem Umsatz nicht über 100 Mill. Euro als Übernahmekandidaten.

Pehl geht davon aus, dass sich das IT-Geschäft 2001 wieder normalisiert. Hohe Wachstumsraten sieht der Analyst jedoch nicht, dazu fehlten derzeit wesentliche technische Innovationen in Hard- und Software. Der Branchenindex werde sich im Wesentlichen mit dem Markt entwickeln. Auch Bartsch sieht gute Chancen, dass der IT-Index konform mit einem steigenden Nemax wachse. Einen eher verhaltenen Ausblick gab Woller. Er erwartet, dass der IT-Index eher hinter der Marktentwicklung zurückbleibt. Golinski sieht einen positiven Trend der Branche, erwartet aber keine großen Sprünge. Ein Gesamturteil des Index sei schwierig, da es mehr auf die Auswahl einzelner Werte ankomme. Viele Unternehmen seien derzeit recht günstig bewertet.

Bartsch sieht keinen Titel im IT-Index, der sich im kommenden Jahr deutlich über allen anderen entwickeln könnte, schränkte aber ein, dass er nicht alle Werte betreue und deshalb gut kenne. DG-Bank-Analyst Pehl hingegen zählt die IT-Aktien Haitec oder M+S zu interessanten Titeln. Woller bewertet derzeit Cenit, PSB und Orbis mit überdurchschnittlich, Bechtle mit unterdurchschnittlich. Golinski sieht Heyde und IDS Scheer recht gut positioniert.

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