Kleiner und billiger: US-Militär: Keine Streichliste für deutsche Stützpunkte

Kleiner und billiger
US-Militär: Keine Streichliste für deutsche Stützpunkte

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben noch keine Streichliste für deutsche Stützpunkte, falls künftig Truppen verstärkt nach Osteuropa verlegt werden sollten. "Es gibt keine Liste, welche Stützpunkte geschlossen werden könnten", sagte der Kommandant der US-Streitkräfte in Europa, General James Jones, am Montag in Stuttgart. Erst in etwa einem Jahr werde ein Konzept vorliegen, wie die Umstrukturierung der US-Streitkräfte konkret ablaufen werde.

Reuters STUTTGART. Klar sei bisher nur, dass für die Aufgaben des Militärs im 21. Jahrhundert kleinere, billigere und vorgeschobene Stützpunkte nötig seien, um Truppen schneller und flexibler in Krisengebiete verlegen zu können. Die Umstrukturierung habe rein militärische Gründe und nichts mit den Differenzen zwischen Deutschland und den USA über einen Irakkrieg zu tun.

Marines mit abgespeckten Basen erfolgreich

Die Stützpunkte der Zukunft würden voraussichtlich eher Materiallager mit niedriger Truppenpräsenz sein, die im Falle einer Krise dann rasch mit Soldaten aus anderen Regionen aufgestockt werden könnten, sagte Jones. Die Infrastruktur werde sich auf das Nötigste reduzieren, da Truppen künftig vermutlich nur für kürzere Zeit auf solchen kleineren Stützpunkten stationiert sein würden. Dadurch würden Schulen und ausgedehnte Wohngebiete für die Soldatenfamilien auf den Basen überflüssig.

Das Marine Corps, dessen Kommandant er bis Januar 2003 war, arbeite bereits erfolgreich mit solchen abgespeckten Stützpunkten, sagte Jones. Möglicherweise würden US-Soldaten aus Deutschland künftig nur zeitweise auf neue Basen etwa in Osteuropa verlegt werden. Auch Angehörige der geplanten Nato-Eingreiftruppe sollten nach seiner Einschätzung die neuen Stützpunkte nutzen können.

Demnächst Gespräche mit Nato-Kandidaten

Mit den bisherigen Nato-Staaten und Russland habe er bereits Gespräche über die Umstrukturierung aufgenommen, sagte Jones. Die Diskussionen seien aber noch in einem sehr frühen Stadium, Einzelheiten könne er daher nicht nennen. Demnächst werde es auch Treffen mit Vertretern der Nato-Beitrittskandidaten geben. Dies alles bedeute allerdings nicht, dass Osteuropa ähnlich militärisch aufgebaut werden solle wie Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg.

In Deutschland sind derzeit rund 60 000 US-Soldaten stationiert. Einige der wichtigsten Basen der US-Streitkräfte liegen in strukturschwachen Gebieten, die auf die Einnahmen durch die Kaufkraft der Soldaten angewiesen sind. Der größte US-Stützpunkt außerhalb der USA ist die Luftwaffenbasis im pfälzischen Ramstein mit dem Lazarett im benachbarten Landstuhl, dem größten US-Militärhospital außerhalb der USA. In den vergangenen Wochen hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, die USA würden aus Verärgerung über die deutsche Ablehnung eines Irakkrieges dauerhaft Truppen aus Deutschland abziehen und auf neue Stützpunkte in Osteuropa verlegen.

Tausende Soldaten mit Marschbefehl zum Golf

Zur Entscheidung des türkischen Parlaments gegen eine Stationierung von US-Truppen in der Türkei im Zusammenhang mit der Irakkrise sagte Jones, die US-Streitkräfte hätten mehrere Optionen und der Erfolg eines Einsatzes hänge nicht von der Türkei ab. In den nächsten Tagen werde die Diskussion zwischen den USA und der Türkei auf diplomatischer Ebene weiter gehen. "Wir warten ab und sehen, was herauskommt", sagte Jones.

Derzeit haben nach Angaben des Europa-Kommandos der US-Streitkräfte in Stuttgart-Vaihingen, US-Eucom, bereits mehrere tausend Soldaten aus Deutschland ihren Marschbefehl in die Golfregion erhalten. Im Golfkrieg 1991 hatte das US-Eucom mehrere Zehntausend Soldaten in die Region entsandt. Wichtige Drehscheiben für den Transport von Truppen und Material waren damals die Rhein-Main-Air-Base am Frankfurter Flughafen und der Fliegerhorst Ramstein.

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