Kleinere Banken fühlen sich benachteiligt
Heftiges Gerangel am Pfandbriefmarkt

Die Marktmacher von Groß-Pfandbriefen stehen in der Kritik. Die Klagen: Einige Jumbos seien faktisch illiquide. Vor allem Aktionen der Market Maker und nicht die Nachfrage der Investoren bestimmten die Kurse. Außerdem stöhnen kleinere Institute, sie würden von den Großen über den Tisch gezogen.

FRANKFURT/M. Am Markt für Jumbo-Pfandbriefe wird die Kritik am Market Making immer lauter. Jumbo-Pfandbriefe sind die einzigen Rentenpapiere, bei denen sich mindestens drei Banken als Marktmacher verpflichten, regelmäßig An- und Verkaufskurse in engen Spannen zu stellen. Dadurch soll der Handel von Anleihen im Gesamtvolumen von mehr als 400 Mrd. Euro gesichert werden.

Die Verpflichtung zum Market Making gilt nicht nur gegenüber den Investoren, sondern auch gegenüber anderen Marktmachern. Letzeres ist aus zwei Gründen problematisch: Kleinere Banken fühlen sich benachteiligt, und einige Jumbos sind nicht liquide, so dass vor allem die Banken die Kurse bestimmen.

Wenn ein Papier großteils fest in Investorenhänden liegt und nur die Marktmacher sich gegenseitig die wenigen umlaufenden Papiere abkaufen, wird der Kurs künstlich hoch- oder heruntergetrieben, lautet eine häufige Kritik. Mit Investorennachfrage habe dies nichts zu tun. Dabei sind die Banken offiziell nur zum Market Making verpflichtet, wenn die Jumbos genügend liquide sind. Was das genau heißt, ist jedoch nirgends festgeschrieben. "Market Maker und Emittenten müssten sich zusammensetzen und konkrete Kriterien für illiquide Jumbos festlegen", fordert Christian Reusch, Leiter des Bondsyndikats bei der Hypo-Vereinsbank.

Bei bislang nur zwei Fällen - einem Jumbo der Deutschen Hypo Hannover und einem der Hypothekenbank in Essen - ist das Market Making unter den Banken auf Grund von Illiquidität offiziell eingestellt worden. Für Investoren werden weiter Kurse gestellt. Einige Market Maker - vor allem angelsächsische - heißt es, würden bei illiquiden Jumbos allerdings inoffiziell das Market Making aussetzen. Die Ausreden: Der zuständige Händler sei krank oder das System defekt.

Früher wurden illiquide Jumbos oft aufgestockt. Das ist bei Anleihen, die vor dem 1. März 2001 begeben wurden, auf Grund der geplanten Zinsbesteuerung der Europäischen Union inzwischen rechtlich nicht ganz unproblematisch, auch wenn sie wohl gar nicht kommen wird. Bislang haben nur die Eurohypo, die Düsseldorfer Hypo und in dieser Woche auch die Westfälische Landschaft Bodenkreditbank ältere Jumbos aufgestockt.

Neben der teils mangelnden Liquidität beklagen die Banken, die nicht vorne in den Rennlisten der Konsortialführer für Neuemissionen liegen (s. Tabelle), dass die Großen einen Wissensvorsprung haben und ihn nutzen. "Diese Probleme gibt es tatsächlich", sagt Fokke-Tann Paradies, Leiter des Bondhandels und der Kundenbetreuung bei der WGZ-Bank. Die WGZ Bank hat sich aus dem Market Making gegenüber anderen Marktmachern zurückgezogen, stellt aber weiter Preise für Investoren.

Mit konkreten Beispielen, in denen sich kleinere Banken von den Großen über den Tisch gezogen fühlen, halten sich alle zurück. Sie fürchten, bei Mandaten für Neuemissionen nicht mehr berücksichtigt zu werden. Gewisse Praktiken sind aber bekannt. Beispiel: Mehrere große Häuser wissen, dass eine Hypobank einen neuen Jumbo plant. Sie lassen sich von einem anderen Marktmacher, der von der bevorstehenden Emission nichts weiß, einen Preis nennen und verkaufen ihm einen Jumbo des entsprechenden Emittenten. Kurze Zeit später wird die Emission offiziell angekündigt, und der Kurs des Jumbos fällt.

"Die Großen haben den Kleinen gelegentlich etwas voraus", meint Martin Wilhelm, Direktor Global Financial Markets bei der West LB dagegen. Das Market Making unter den Banken aufzugeben und nur noch Kurse für die Investoren zu stellen, sei keine Alternative. "Nur wenn die Banken wissen, dass sie etwa auch große Aufträge über 100 Mill. wieder verkaufen können, sind sie bereit solche Summen auf die Bücher zu nehmen", sagt er. Auch der Verband deutscher Hypothekenbanken betont, dass das Market Making für die Transparenz und Liquidität des Marktes unverzichtbar sei. "Dennoch sind wir für Diskussionen über mögliche Weiterentwicklungen offen", sagt Hauptgeschäftsführer Louis Hagen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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