Kleinere Pensionsfonds ziehen sich zurück
US-Investoren sind enttäuscht von Europa

Bei einigen Investoren macht sich die Sorge breit, dass in Europa, und vor allem in Deutschland, japanische Zustände auftreten könnten.

LONDON. Amerika hatte am meisten unter den Terrorangriffen vom 11. September zu leiden. Und in den USA ist das Vertrauen der Anleger, durch Bilanzbetrügereien besonders geschädigt worden. Und doch sind europäische Aktien die größten Verlierer des letzten Jahres. Während der Dow Jones-Index für 30 führende US-Industrietitel in den vergangenen zwölf Monaten 11 % verlor, schrumpfte der Dow Jones Stoxx-Index für 50 europäische Standardwerte um 23 %.

Nun fragen sich einige US-Anleger, warum sie ihre Investitionen nach Ländern streuen sollten, um Risiken zu minimieren. Bei einigen Investoren macht sich die Sorge breit, dass in Europa, und vor allem in Deutschland, japanische Zustände auftreten könnten. Eine Umstrukturierung europäischer Unternehmen sei bisher nur leeres Gerede gewesen, argumentieren die Pessimisten aus Übersee. "Wenn die Kunden von ihren internationalen Investitionen enttäuscht sind, hat man nicht die leiseste Chance, sie eines Besseren zu belehren. Sie haben einfach genug", sagt Michael Schock, Leiter des Fondsmanagements von State Street Global Advisor. Seiner Meinung nach machen diese Anleger - oft kleine bis mittelgroße Pensionsfonds - einen Fehler. Die europäischen Märkte würden in den kommenden zehn Jahren besser abschneiden als die USA, so Schock. Der jüngste Anstieg des Euro gegenüber dem Dollar belege, dass bereits Bewegung in das Verhalten der Investoren gekommen sei.

Bis jetzt hält sich der Rückzug der US-Anleger aus Europa in Grenzen. Zwar haben amerikanische Anleger in den ersten drei Monaten 2002 zum ersten Mal seit dem zweiten Quartal 2001 mehr europäische Wertpapiere verkauft als gekauft, wie die Securities Industry Association berichtet. Aber etwa bei Barclays Global Investors hat man noch kein Nachlassen der US-Nachfrage nach internationalen Titeln festgestellt. Bereinigt um die Wechselkursentwicklung seien die Verluste in Europa kleiner gewesen als auf dem US-Markt, sagt Steven Schoenfeld, Leiter für internationale Wertpapierprodukte bei Barclays.

Ein langfristiges Umdenken der Amerikaner wäre ein Schlag für die Märkte in Europa. Es sei sehr schwer, eine Streuung im Portfolio zu erreichen, weil die europäischen und amerikanischen Märkte so eng verknüpft seien, meint ein Anlageprofi. Diversifikation könne man nur mit Titeln aus Japan und aus Schwellenländern erzielen.

Tatsächlich scheinen die europäischen Börsen - im letzten Jahr verstärkt - nur das Bild nachzuzeichnen, das die Wall Street vorgibt. Aber Europa schneidet schlechter ab: In den letzten zehn Jahren hat die kumulierte Jahresrendite des eruopäischen Dow Jones Stoxx 50-Index die der US-Industriewerte nur zweimal übertroffen, in den letzten fünf Jahren überhaupt nicht.

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