Kleinere Unternehmen könnten profitieren
Zentrales Ausschreibungsportal gefordert

Der vierte und letzte Baustein der Initiative des Deutschen Multimedia Verbandes e.V. (dmmv) zur Stärkung der Digitalen Wirtschaft ist die Forderung nach einem Aufbau eines zentralen Online-Portals für Ausschreibungen. Worum geht es? 30 000 öffentliche Auftraggeber aus Bund, Ländern und Gemeinden vergeben pro Jahr insgesamt Aufträge in Höhe von rund 250 Mrd. Euro; dies entspricht etwa 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Damit ist die öffentliche Beschaffung solcher Ressorts wie öffentliche Verwaltung, Gesundheit, Bildung, Verteidigung, Justiz und Verkehr von erheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung. Ausschreibungen, Angebote und Aufträge könnten über das Ausschreibungsportal rechtsverbindlich, das heißt mit digitaler Signatur, allein über das Internet ohne Medienbruch abgewickelt werden. Das Einsparpotential, das für die öffentliche Hand mit dieser Form von E-Procurement erzielt werden könnte, liegt nach Schätzungen bei etwa zehn Prozent. Darüber hinaus würden sich wegen der größeren Transparenz beim Wettbewerb um öffentliche Aufträge damit gerade für den Mittelstand neue Chancen eröffnen.

In ersten Ansätzen gibt es bereits Bemühungen der Bundesregierung: In einem Pilotprojekt wurde am 3. Mai 2002 der Startschuss für die elektronische Beschaffung des Bundes über das Internet gegeben. Das sogenannte Leitprojekt E-Vergabe ist in die Initiative "Bund Online 2005" der Bundesregierung eingebunden. Als erste Bestellung wurden 50 persönliche Organizer (PDA) elektronisch ausgeschrieben.

Warum bemüht sich der dmmv um eine Beschleunigung des Vorhabens? Der Verband vertritt die Interessen von rund 1 700 Unternehmen und versteht sich als Wegbereiter und Interessenvertreter der digitalen Wirtschaft. Behörden sind ein lukrativer Markt gerade auch für diese IT-/E-Business-/Internet-Unternehmen, da nicht nur Computer und Software in den Amtsstuben meist veraltet sind. Laut Forrester geben europäische Regierungen in diesem Jahr 39 Mrd. Euro allein für Ihren IT-Bedarf aus. Um einen fairen Wettbewerb um die Vergabe der Kuchenstücke anzustoßen, bedarf es effizienter Prozesse. Große Unternehmen haben bereits eigene Vertriebsmannschaften für den Government-Bereich etabliert.

Der Aufwand für eine positive Zuschlagsentscheidung ist enorm: von der anfänglichen Recherche im europäischen oder Bundesausschreibungsblatt - durchaus auch online - über die Anfangsausschreibung und einen eventuellen Teilnehmerwettbewerb bis hin zur Vergabe von einzelnen Losen der gesamten Ausschreibung und einem drohenden Einspruch der Firmen ohne Zuschlag. Während dieses langwierigen Prozesses ist zudem noch ein permanentes Relationship-Management auf allen Ebenen und über alle Beteiligte hinweg essentiell. Worldcom hat in einem Referenzprojekt auf diese traditionelle Weise die öffentliche Ausschreibung der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) für ein IP-VPN mit 63 Standorten gewonnen - zugegebenermaßen eine gelungene Kombination, die allen Unternehmen der digitalen Wirtschaft Mut machen sollte.

Aber nicht jedes Unternehmen kann sich den Einsatz einer speziellen Vertriebsmannschaft für den Government-Bereich leisten. Gerade im Mittelstand sind Bietergemeinschaften der Schlüssel zum Erfolg. Diese können effizient und transparent über das oben genannte Ausschreibungsportal tätig werden - zumal gesetzlich vorgesehen ist, dass bei der Vergabe mittelständische Interessen zu wahren sind, zum Beispiel durch Teilung und Losvergabe.

Der dmmv mehr Pragmatismus in der Umsetzung und ein Benchmarking an den schon erfolgreichen Online-Auktionshäusern der privaten Wirtschaft. Das Ausschreibungsportal sollte sich in puncto Gestaltung, Funktionalität und Kundenakzeptanz an Ebay und in puncto Effizienz und Potentialausschöpfung an Covisint, der E-Procurement Plattform von mehreren Automobilherstellern (u.a. Daimler-Chrysler, GM, Ford), orientieren - über Letztere wurden immerhin in den vergangenen zwölf Monaten für über zehn Mrd. Euro Transaktionen abgewickelt. Die Suchfunktionalität sollte sich an der äußerst erfolgreichen Suchmaschine Google orientieren, da es ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg ist, sich schnell einen Überblick über interessante Ausschreibungen verschaffen zu können. Die Plattform muß eine Art zentrales Meta-Portal sein, über die das interessierte Unternehmen Zugriff auf alle Ausschreibungen über alle Behörden hinweg hat.

Der Hype um E-Goverment in den letzten Monaten erinnert an den Hype um E-Business in den letzten Jahren. Die konkrete und erfolgreiche Umsetzung von Konzepten ist jetzt von zentraler Bedeutung. Die Akzeptanz gerade auch innerhalb der Behörden, alle relevanten Verwaltungsabläufe in das Netz zu verlagern, muss energisch vorangetrieben werden. Da einerseits die Bürokratie einer der wichtigsten Gründe für die Wachstums- und Wettbewerbsschwäche des Wirtschaftsstandorts Deutschland ist und andererseits eGovernment zunehmend zu einem Standortfaktor im globalen Wettbewerb wird, sind konkrete und messbare Erfolge notwendig. Haushaltssperren sind in diesem Zusammenhang sicherlich das falsche Signal.

"Bund Online 2005" ist die größte E-Government-Initiative in Europa. Das gesamte Verwaltungshandeln und die Kommunikation von Behörden und Unternehmen ("G2B", Government-to-Business) über die Plattform Internet führt zu enormen Effizienz- und Effektivitätsgewinnen auf beiden Seiten. Ein beschleunigtes und am Bedarf der Unternehmen ausgerichtetes Leitprojekt "E-Vergabe" sollte auf die gerade skizzierte Akzeptanz treffen. Der dmmv fordert und unterstützt den schon eingeschlagenen Weg zu einem zentralen Ausschreibungsportal der öffentlichen Hand. Diese moderne Art der öffentlichen Auftragsvergabe schafft gesunden Wettbewerb bei gleichzeitiger Chancengleichheit und Neutralität unter den Anbietern. Die Hoffnung besteht, dass schon bald nicht mehr in die passenden Schreibmaschinen investiert werden muss, um die Ausschreibungsbögen adäquat ausfüllen zu können.

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