Kleinert-Schmitt holt Silber - Drechsler verletzt - Starker Schultz
Jubel und Trauer im deutschen Team

Dem Entsetzen über die Verletzung von Heike Drechsler folgte der Jubel nach dem ersten Medaillengewinn durch Nadine Kleinert-Schmitt: Das deutsche Team erlebte am dritten Tag der 8. Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Edmonton ein Wechselbad der Gefühle.

dpa EDMONTON. Nachdem die Weitsprung-Olympiasiegerin aus Karlsruhe wegen einer Adduktorenzerrung passen musste, bescherte die Magdeburgerin dem DLV mit Silber im Kugelstoßen das erhoffte erste Edelmetall.

Hammerwurf- Olympiasieger Szymon Ziolkowski aus Polen holte sich mit 83,38 m auch den WM-Titel. Weltmeisterin im Siebenkampf wurde die Russin Jelena Prochorowa (6694 Punkte). Karin Ertl (Fürth/München) belegte mit 6283 Zählern Platz fünf.

«Die Verletzung von Heike ist tragisch und tut uns weh. Den Kopf jetzt in den Sand zu stecken, wäre aber der falsche Weg», meinte Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV), kämpferisch. «Das war ein Albtraum», gestand die zweimalige Olympiasiegerin, «Weltmeisterschaften sind wohl nicht mein Ding.» Vor zwei Jahren musste sie wegen einer Wadenverletzung vorzeitig aus Sevilla abreisen, dieses Mal waren es die Adduktoren. Das unglückliche Ausscheiden nahm Heike Drechsler als Motivation. «Man soll mich nicht abschreiben. Ich bin alt genug, um das zu verarbeiten», kündigte sie ihre Rückkehr im nächsten Jahr an.

Das vom DLV-Chef ausgegebene Motto «Jetzt erst recht» setzte Nadine Kleinert-Schmitt sofort um. Mit 19,86 m wurde sie hinter Olympiasiegerin Janina Koroltschik aus Weißrussland (20,61) wie schon vor zwei Jahren Vize-Weltmeisterin. «Das war ein perfekter Tag für mich, eine Medaille mit Bestleistung und das deutsche Duell gewonnen. Nur die 20 Meter fehlen noch, die kommen aber auch», freute sich die Magdeburgerin. Titelverteidigerin Astrid Kumbernuss ging als Sechste mit 19,25 leer aus. «Ich bin maßlos enttäuscht», meinte die 31-jährige Neubrandenburgerin. Mit Ausnahme von 1998, als sie Mutter wurde, hatte sie seit 1994 stets eine Medaille bei internationalen Titelkämpfen gewinnen können. «Der Gedanke, als Sechste nicht mehr dazu zu gehören, ist wie ein Schlag auf den Kopf.»

Nils Schumann genügte im Halbfinale ein dritter Platz zum Erreichen des 800-m-Endlaufs. Danach verfolgte der Neu-Berliner den Lauf des Top-Favoriten Andre Bucher aus der Schweiz. «Andre ist in einer super Form. Es wird schwer, da überhaupt eine Chance zu haben. Ich hoffe auf eine Medaille und habe auch die goldene noch nicht aufgegeben», sagte der Olympiasieger.

Von Edelmetall kann auch Ingo Schultz nach seiner Glanzvorstellung im Halbfinale über 400 m träumen. Der Dortmunder unterbot bei seinem Sieg als erster Deutscher seit zwölf Jahren die 45-Sekunden-Grenze. Mit der persönlichen Bestzeit von 44,66 Sekunden setzte er sich in der ewigen deutschen Bestenliste auf Rang drei hinter Thomas Schönlebe (44,33) und Erwin Skamrahl (44,50). «Das ist fantastisch. Ein absoluter Traum», jubelte der 26-Jährige, der erst seit drei Jahren die Stadionrunde läuft.

Grund zur Freude hatte auch Sprinterin Gabi Rockmeier (Dortmund), die über 100 m das Halbfinale erreichte. Marion Jones unterstrich mit zwei Läufen unter elf Sekunden ihre Favoritenrolle. Martin Buss (Leverkusen) steht im Hochsprung-Finale. Pech hatte die Chemnitzerin Kathleen Friedrich, die durch einen Sturz im 1500-m-Halbfinale ihre Endlauf-Chance einbüßte.

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