Kleines Helferlein am PC
Die Maus ist noch gut im Rennen

Ohne die Maus hätte es den Siegeszug des PC nicht gegeben. Immer neue Mäuse sorgen für bequeme Bedienung. Bald auch an Waschmaschinen.

Meistens ist sie beige oder grau und liegt unauffällig neben der Tastatur des PC. Weich und rund geformt, schmiegt sich die Maus in die Hand ihres Nutzers. Ein leichter Fingerdruck öffnet Programme, Dokumente oder erlaubt, stundenlang im Internet zu surfen. Ohne die Maus hätte es wohl kaum den Siegeszug des PC auf die Schreibtische dieser Welt gegeben.

Der Zugang zu Computern und Internet wäre wahrscheinlich nur Fachleuten und Technik-Freaks möglich, die eine Vielzahl komplizierter Befehle beherrschen. Der US-Wissenschaftler Douglas Carl Engelbart hat aber die Weiche anders gestellt, als er vor gut dreißig Jahren die Maus entwickelte.

Inzwischen sorgen viele Hersteller für ein Riesenangebot von Computer-Mäusen: Je nach Geldbeutel und Anspruch an die Technik entscheidet sich der PC-Besitzer zwischen einfachen Eingabegeräten und High-Tech- Varianten, schnurlos und per Funk aktiv.

Auch beim Design gibt?s die Qual der Wahl: große und kleine Mäuse, runde und ovale, schlichte und poppige. Verspielte Naturen und Designliebhaber dagegen finden Modelle im Tigerfell-Look oder silbern glänzend aus kühlem Aluminium.

"Neue Werkstoffe sollen es demnächst auch möglich machen, dass sich die Maus der Hand ihres Nutzers anpasst und so eine ganz individuelle Form erhält", lüftet Georg Bieler, Geschäftsführer der Logitech GmbH den Deckel über dem Forschungslabor des Unternehmens. Für ihn ist die Maus "ein ganz persönlicher Gebrauchsgegenstand wie der eigene Füllfederhalter".

Die Idee zu einer engen Beziehung zwischen Mensch und Technik hatte der Visionär Engelbart bereits in den fünfziger Jahren. Er wollte helfen, mit dem allgemeinen Zugang zu Computern die immer komplexer werdenden Probleme der Menschheit zu lösen. Er musste sich jedoch noch gut 20 Jahre gedulden, ehe er seine Ideen umsetzen konnte. Die Gelegenheit kam erst in den sechziger Jahren: In den Forschungslabors des Stanford Research Institute in Kalifornien (SRI) hatten sich Wissenschaftler die Aufgabe gestellt, die Schnittstelle zwischen Nutzer und Computer zu verbessern. Bis dahin wurden Rechner mit komplizierten Befehlsketten in eigens dafür entwickelten Sprachen wie Cobol bedient oder gar noch mit Lochkarten.

Ergebnis am SRI war ein kleines Holzkästchen mit zwei Tasten. Damit konnte auf dem Bildschirm ein Pfeil gesteuert werden. Mobil wurde diese erste Maus durch eine Kugel, die sich - sogar über eine glatte Fläche geschoben - bewegen ließ und je nach Bewegungsrichtung den Pfeil am Bildschirm lenkt. Das Prinzip der Maus war geboren.

In diesen Jahren des Aufbruchs der Computerindustrie sorgten die Hardware-Lieferanten mit immer kleineren Chips dafür, dass der Bau erschwinglicher PC möglich wurde. Als dann die Xerox-Labors ihre grafischen Oberflächen präsentierten, fand sich in Steve Jobs, dem Gründer von Apple-Computer, ein geschäftstüchtiger Kopf, der die neuen Technologien in einem marktfähigen Produkt zusammenfügte.

Der Apple "Lisa", benannt nach der Tochter des Firmengründers, wurde 1982 mit dem üblichen Marketinggetöse der staunenden Öffentlichkeit vorgestellt. Als erster PC war er mit grafischer Oberfläche und Maus ausgestattet. Die Maus-Lizenz hatte Apple für 40 000 $ vom SRI erworben, das damals mit dem Tier so recht nichts anfangen konnte. Allen hoch gespannten Erwartungen zum Trotz war der Rechner wirtschaftlich ein Flop. Gleichwohl zeigte "Lisa" der Computerwelt den Weg in die Zukunft.

Grafische Oberflächen mit Bildsymbolen sind inzwischen eine Selbstverständlichkeit. Sie werden heute sogar von den Profis in der EDV eingefordert, die sich noch vor Jahren gegen solchen "Kinderkram" ausgesprochen hatten. Die Administratoren in den Rechenzentren wollen heute den Mausklick nicht mehr missen.

Über eine halbe Milliarde Mäuse wurde bisher weltweit verkauft, und mit jedem neuen Computer werden es mehr. Das Eingabegerät aus Holz haben die Anbieter wie Marktführer Logitech, dessen Gründer als Studenten im Team von Engelbart arbeiteten, zum Hightech-Instrument mit einer Vielzahl von Funktionen weiterentwickelt.

Im Trend sind vor allem die drahtlosen Mäuse. Sie befreien vom lästigen Kabelgewirr auf dem Schreibtisch und geben dem Nutzer die größtmögliche Bewegungsfreiheit. Über ein Funkmodul, das am USB-Port des Rechners angeschlossen wird, werden Signale zwischen PC und Peripherie ein- und ausgesendet. Bis zu einer Entfernung von etwa fünf Metern können Maus und Keyboard beliebig positioniert werden. Die digitale Funktechnik nutzt mehrere Frequenzen und ermöglicht es, dass viele drahtlose Geräte störungsfrei nebeneinander einzusetzen sind.

Neueste Entwicklung in der Mausbranche ist die optische Maus, ohne Kugel an der Unterseite. Optische Sensoren schauen ständig auf den Untergrund und werten Bild-Veränderungen aus. Je nach Bewegung der Hand lassen sich die horizontale und die vertikale Bewegung der Maus errechnen. Die oft verdreckte Kugel ist damit nicht mehr nötig. Die neue Apple Pro Maus, die auf einem äußerst präzisen optischen Mechanismus für die Zeigersteuerung basiert, soll auf fast jeder beliebigen Oberfläche funktionieren, verspricht der Hersteller. Die gesamte Oberfläche der Apple Pro Maus dient als sensible Maustaste - der ganze Körper der Maus bewegt sich nach oben und unten, um den Klickmechanismus auszulösen.

Die Karriere der Maus geht weiter: Bei Logitech arbeiten Entwickler bereits an der Universal-Maus. Die soll als integriertes Stückchen Software dafür sorgen, erklärt Maus-Experte Bieler, "dass künftig auch Hausgeräte, wie Waschmaschine, Fernseher oder sogar das Auto, über eine Eingabefläche gesteuert werden können".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%