Kleingewerbe in Polen geraten unter Druck
Das traditionsreiche polnische Möbelhandwerk verschwindet

Die Möbelschreinerei hat in vielen Gebieten Polens eine reiche Tradition. Zu den bekanntesten Möbelregionen gehören: Swarzêdz, Dobrodzieñ, Kolbuszowa, Kalwaria Zebrzydowska, Kêpno und Twardogóra. Hunderte Möbelhersteller arbeiten in diesen Regionen überwiegend als kleine Familienbetriebe auf der Grundlage individueller Kundenwünsche.

In diesen Städten ist die Wirtschaft häufig mit der Möbelschreinerei nahezu gleichzustellen. Die Tradition wurde bisher von Generation zu Generation vererbt und beibehalten.Es zeichnet sich nun ab, dass das traditionelle Handwerk langsam aber sicher auch aus dem polnischen Markt verschwindet. Immer mehr Familienbetriebe müssen aufgeben. Große, günstige Möbelketten verdrängen die Jahrhunderte alte Tradition der Handwerker.

Tadeusz Witkowski hat eine kleine Schreinerwerkstatt in Swarzêdz. Er folgte der Familientradition und stieg in den Betrieb seines Vaters ein. Dieser hatte das Unternehmen im Jahre 1928 gegründet. Witkowski produziert sehr individuell, wie die Mehrheit der Kleinbetriebe in dieser Branche. "Schnelligkeit, Termintreue und hohe Qualität sind heutzutage ein absolutes Muss, um am Markt bestehen zu können," sagt der Schreiner. Leider reichten diese Kriterien nicht mehr aus, um im Wettbewerb mit der Großindustrie standzuhalten. "Es ist immer schwieriger geworden. Nur die Liebe zu der Schreinertradition hält mein Unternehmen noch aufrecht," sagt Witkowski.

In Swarzêdz und Umgebung arbeiten etwa 1 000 Tischler- und Polstererbetriebe gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern, wie z. B. etwa 200 Schlossern. Die meisen Unternehmen beschäftigen zwischen 5 und 10 Mitarbeitern, so wird deutlich, dass in dieser Gemeinde von rund 35.000 Einwohnern, jeder Vierte in der Möbelbranche tätig ist.

Aber nicht nur die kleinen Familienbetriebe haben sich im Verdrängungswettbewerb zu behaupten, auch die großen Möbelhersteller, die ebenfalls eine reiche Tradition haben, stehen vor enormen Herausforderungen. Zu den letztgenannten gehört auch die Swarzêdz Gruppe, die schon seit fast 100 Jahren auf dem polnischen Markt tätig ist und eine Führungsposition auf dem Möbelmarkt einnimmt.

Die Swarzêdz Meble S.A. hat ihre Produktion im Jahre 2000 einstellen müssen und konzentriert sich seitdem auf den Großhandel im In- und Ausland sowie auf die Forschung und Entwicklung neuer Produkte. Die ehemalige Produktion wurde von anderen Unternehmen dieser Gruppe übernommen.

Damit hat die Spezialisierung zur Effektivitätserhöhung Einzug gehalten. Aus dem handwerklichen Möbelbetrieb ist ein Dienstleister geworden, der zwar auf dem Markt erfolgreich ist, aber mit dem traditionellen Schreinerhandwerk nichts mehr gemeinsam hat.

Alina Träthner ist Projektleiterin im "Service Center Polen" bei der IHK Frankfurt/Oder

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