Kleinkinder und Teenager als weitere Zielgruppen
Ravensburger spielt wieder höheren Gewinn ein

Die Ravensburger AG kann wieder mitspielen: Der schwäbische Spielehersteller hat 2002 seine Umstrukturierung abgeschlossen und ist zur alten Ertragsstärke zurückgekehrt. Firmenchef Karsten Schmidt will jetzt "kontrolliert neue Märkte angehen", sagte er bei der Bilanzpressekonferenz.

STUTTGART. Schmidt will Spiele auch außerhalb des deutschsprachigen Raums, insbesondere in Großbritannien und Italien, verkaufen. Ravensburger besitzt das Vertriebsnetz dafür, da Puzzles europaweit vermarktet werden. Außerdem dehnen die Ravensburger in diesem Jahr das Spieleangebot auf Kleinkinder und auf Teenager aus. "Bisher haben wir uns auf Kinder und Jugendliche zwischen vier und zwölf Jahren konzentriert," sagt Schmidt. Die Teenagern sollen mit Trendprodukten, darunter Sammelspielkarten, unter dem Markennamen Fishtank angesprochen werden. Spät reagiert der Ravensburger Spielehersteller damit auf den Trend der Sammelspielkarten.

Im vergangenen Jahr hat Ravensburger mit knapp 5 % Umsatzwachstum im Spielebereich überdurchschnittlich auf 210 Mill. Euro zugelegt. Die Branche schrumpfte bei der Sparte Spiele um 9,7 %. Die Umsätze im Buchbereich stiegen um 3% auf 38 Mill. Euro. Die Ravensburger sehen sich jetzt wieder bei Kinder- und Jugendbücher als Marktführer und Harry-Potter-Verleger Carlsen als die Nummer zwei. Der Umsatz von Ravensburger fiel dennoch von 288 Mill. auf 254 Mill. Euro, da die Spielkartenfabrik Altenburg verkauft und die Ravensburger Interactive Media GmbH eingestellt wurde. Damit hat sich das Unternehmen von den Verlustbringern wie CD-Rom und Lerncomputer getrennt.

"Das ist keine isolierte Entwicklung von Ravensburger", sagt Volker Schmid, Geschäftsführer des Deutschen Verbands der Spielwaren-Industrie. Ziemlich zeitgleich seien die Spielehersteller Ravensburger, Matell, Haspro und Lego in die Elektronik ein- und nun wieder ausgestiegen. "Jeder hat mit Problemen gekämpft", sagt Schmidt. Für ihn ist das ein Indiz, dass sich Hersteller von klassischen Spielwaren sehr schwer tun, in ganz andere Gebiete einzusteigen.

Auch beim Ergebnis hat Ravensburger einen Wandel vollzogen. Vor zwei Jahren haben hohe Verluste das Unternehmen auf einen strengen Konsolidierungskurs gezwungen. Im vergangenen Jahr konnte das Familienunternehmen das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 23,2 Mill. Euro verdreifachen. Die Rettung der börsennotierten Kinderfilm-Tochter RTV Family kostete das Unternehmen allerdings 10,7 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss stieg so nur um 78 % auf 9,6 Mill. Euro.

Die Tochter Ravensburger Spieleland AG schrieb auch im 5. Jahr ihres Bestehens rote Zahlen. "Der Umsatz ging von 6,1 auf 5,5 Mill. Euro zurück, der Verlust betrug 1,2 Mill. Euro", sagte Frank Mallet, Finanzchef des Spieleherstellers. Ravensburger ist mit rund 40 % an der Spieleland-Tochter, einem Freizeitparkt für Kinder nahe Ravensburg, beteiligt. Firmenchef Schmidt hofft jetzt auf den neuen Partner Minimundus aus Österreich. Er wird neben dem Spieleland einen weiteren Freizeitpark für Erwachsene bauen. Ähnlich dem Minimundus Freizeitpark in Kärnten sollen auch dort weltberühmte Gebäude im verkleinerten Maßstab entstehen. Schmidt erhofft sich dadurch zusätzliche Besucher für das Spieleland und günstigere Kosten. Beide Partner wollen gemeinsam werben.

Mit Prognosen für 2003 ist Schmidt vorsichtig: "Wir glauben, beim Umsatz und Ertrag weiter wachsen zu können", sagt er. Die Marktsituation sei aber nicht einfach. Die Filmtochter RTV soll in diesem Jahr das Ergebnis nicht mehr belasten."RTV hat das stark zurückgefahren", sagt Mallet. Das Unternehmen stecke in einer Überwinterungsposition und warte auf eine Belebung innerhalb der nächsten zwei Jahre. "Insgesamt steht die Spielwarenbranche erneut vor einem schwierigen Jahr", sagt auch Verbandsgeschäftsführer Schmid. Die Trendspiele Jugi-Oh und Bay Blades belebten derzeit das Geschäft im Spielwarenhandel, was zu höheren Bestellungen auch bei anderen Spielwarenprodukten führe.

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