Kleinkraftwerke liefern Wärme, Dampf, Kälte und Strom
Energie wird in Deutschland zunehmend vor Ort erzeugt

Die dezentrale Energieerzeugung gilt als Wachstumsmarkt - wegen der staatlichen Förderung besonders in Deutschland.

DÜSSELDORF. Die Universitätsklinik Heidelberg zieht ihre Energie aus eigener Kraft. Eine Gasturbinenanlage auf dem Klinik-Gelände erzeugt Wärme, Strom, Dampf und Kälte. Die einzelnen Gebäude auf dem Campus werden über Versorgungsgänge mit Wärme und Warmwasser versorgt. Der Dampf wird zur Sterilisation des Operationsbestecks, für den Küchenbetrieb und die Wäscherei genutzt. Die Kälte wird in die Klimaanlagen geleitet. Der elektrische Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist, aber mit dem Klinikverbrauch verrechnet.

Dezentrale Energieerzeugung ist im Kommen

Öffentliche Gebäude, Fabriken und Wohnsiedlungen mit eigenen Kraftwerken - die dezentrale Energieerzeugung ist im Kommen. "Die Energieerzeugung verlagert sich zunehmend an den Ort des Energieverbrauchs", lautet das Fazit einer Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan. Europaweit werde sich der Umsatz in der Sparte von knapp 5,4 Mrd. Euro im vergangenen Jahr auf 8,7 Mrd. Euro im Jahr 2006 erhöhen. Schließlich böten die Systeme zur dezentralen Energieerzeugung zahlreiche Vorteile: Sie seien zuverlässiger, effizienter und umweltfreundlicher als herkömmliche Kraftwerke. Die Betreiber setzten meist sauberere Brennstoffe ein, und Übertragungsverluste fielen weg.

Besonders lukrativ sind so genannte Contracting-Modelle: Der Kunde vereinbart mit dem Spezialisten für dezentrale Energieerzeugung die Lieferung von Wärme, Kälte, Strom oder Dampf über eine bestimmte - längere - Periode. Der Lieferant übernimmt das Risiko für Bau und Betrieb des Kleinkraftwerkes und rechnet mit dem Kunden monatlich die gelieferte Mengen und seine Dienste ab.

Jeder große Versorgungskonzern hat den Zukunftsmarkt inzwischen für sich entdeckt: Die RWE AG hat das Geschäft in der börsennotierten Tochter Harpen AG gebündelt, die Eon AG in der Eon Energy Projects GmBH und die Energie Baden-Württemberg AG in der EnBW Contracting GmbH (EnBW). Hinzu kommen Spezialisten wie die RAG-Tochter Saarberg GmBH-Fernwärme und die Magdeburger Getec AG.

Unternehmen müssen Finanzkraft mitbringen

Neben dem nötigen Know-how müssen die Unternehmen vor allem Finanzkraft mitbringen. Immerhin haben die meisten Projekte einen Investitionsaufwand im zweistelligen Millionenbereich, und das Risiko ist beträchtlich.

"Der Europamarkt für Contract Energy Management boomt", schreiben die Unternehmensberatung von Frost & Sullivan. In diesem Bereich werde sich der Umsatz von 2,9 Mrd. Euro im Jahr 2001 auf 6,7 Mrd. Euro im Jahr 2007 erhöhen. Die jährliche Wachstsumsrate liegt bei rund 15 %. Die besten Perspektiven bietet nach Einschätzung der Analysten eindeutig der deutsche Markt. Der Marktanteil werde von 14,9 % auf 26,9 % im Jahr 2007 steigen.

Großes Potenzial im Markt

"Das Potenzial ist groß", sagt Harpen-Vorstandsmitglied Bernd Widera, "selbst wenn die gegenwärtigen Prognosen nur zum Teil eintreffen sollten." Sein Unternehmen, das zu den Marktführern gehört, wird allein im laufenden Jahr die angeschlossene Leistung um rund 500 000 Megawattstunden auf etwa 1,4 Mill. Megawattstunden ausbauen. Über Renditen schweigt man sich in der Branche dagegen aus - schließlich ergeben sie sich aus den langfristigen Verträgen.

"Die Margen sind sehr interessant", sagt aber Madjid Kübler, Energieexperte bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little. Die Marktteilnehmer verkauften schließlich Individuallösungen und kein direkt vergleichbares Produkt. Zudem seien die Investitionen verglichen mit denen, die die Versorger üblicherweise bei Großkraftwerken und Netzen tätigen müssen, gering.

Profitieren kann die Branche natürlich auch von den politischen Rahmenbedingungen:eil die Kraft-Wärme-Koppelung in Deutschland massiv gefördert wird, steigt die Rentabilität der Anlagen

.

Wärmeerzeugung steht im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt des Contracting steht fast immer die Wärmeerzeugung. "Es macht nur Sinn, wo man einen hohen Wärmebedarf hat", erläutert Harpen-Vorstand Widera. "Strom ist bei uns nur nur das Beiprodukt." Typische Kunden seien deshalb Unternehmen aus der Chemie- und Papierindustrie oder Brauereien, die die Wärme für die Produktion benötigten, aber auch Büroparks, in denen im Winter geheizt und im Sommer gekühlt werde. Bei Wohnsiedlungen lohne es sich erst ab einer gewissen Größe.

Aber gerade Ostdeutschland bietet mit großen Wohnsiedlungen einen lukrativ Markt. Bereits zu DDR-Zeiten wurden viele Wohnsiedlungen direkt von Kraftwerken über Rohrleitungssysteme mit Wärme versorgt. Nach der Wende wurden die Systeme kommunalisiert. Jetzt gibt es einen hohen Modernisierungsbedarf - bei gleichzeitig klammer Finanzlage der Städte ein enormes Potenzial für die Contracting-Firmen.

Typische Kraftwerkstypen im Contracting sind Gasturbinen und Biomasse - also die Verfeuerung von Altholz. Weniger geeignet sei dagegen Windkraft, sagt Harpen-Vorstand Widera. Zum einen lieferten die Windräder eben nur Strom, zum anderen sei es schwer, Erzeugung und Abnahme vor Ort in Einklang zu bekommen - zumal die Windkraft witterungsbedingt stark schwanke. Ein Schub könnte die Markteinführung der Brennstoffzelle bieten. Widera bezeichnet sie als "als Zukunftsvision für dezentrale Energieerzeugung".

Quelle: Handelsblatt

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