Kleinkrimineller konvertierte in Haft zum Islam
Attentäter hatte Kontakt zu radikalen Moslems

Vor dem versuchten Sprengstoffanschlag auf ein amerikanisches Passagierflugzeug hatte der Täter offenbar Kontakt zu radikalen Moslems.

ap LONDON/BOSTON. Vor dem versuchten Sprengstoffanschlag auf ein amerikanisches Passagierflugzeug hatte der Täter offenbar Kontakt zu radikalen Moslems. Richard Reid sei während der Verbüßung einer Haftstrafe zum Islam übergetreten und habe regelmäßig seine Moschee in London besucht, sagte der Vorsitzende der Moschee in Brixton, Abdul Haqq Baker am Mittwoch. Zur gleichen Zeit habe auch Zacarias Moussaoui dort gebetet, der in Zusammenhang mit den Terroranschlägen vom 11. September wegen Verschwörung in den USA angeklagt wurde.

Die Identität des Attentäters stand unterdessen fest. Die französische Polizei erklärte, bei dem Täter handele es sich um den Briten Richard C. Reid, einen Kleinkriminellen, der der britischen Polizei bekannt sei. Der britische Generalkonsul in Boston, George Fergusson, sagte am Mittwoch, der britische Pass, den Reid bei seiner Festnahme bei sich gehabt habe, sei offenbar echt. Die Londoner Zeitung «Times» berichtete, Reid sei 1973 geboren; seine Mutter stamme aus Großbritannien, sein Vater aus Jamaika. Er habe regelmäßig die Moschee Brixton in Südlondon besucht. Die Regierung in Sri Lanka hatte am Dienstag Mutmaßungen der französischen Behörden zurückgewiesen, wonach Reid aus Sri Lanka stamme und eigentlich Tariq Raja heiße. Die Außenministerium in Colombo erklärte, dafür gebe es keine Beweise.

Baker sagte, der Franzose Moussaoui sei in seinen Ansichten weitaus radikaler gewesen als Reid. Dieser habe seinen Glauben zunächst nicht verbreiten wollen, sondern viele Fragen gestellt. Reid, der auch den Namen Abdel Rahim getragen habe, habe jedoch später radikalere Einstellungen entwickelt. Moussaoui wurde in den USA angeklagt und von den französischen Behörden ausgeliefert. Er gilt als möglicher «20. Mann» der Anschläge in den Vereinigten Staaten.

Ein französischer Polizist bestätigte am Dienstag, dass Reid die Nacht vor seinem Flug von Paris nach Miami auf Kosten der American Airlines in einem Hotel am Flughafen verbrachte. Er hatte seinen Flug verpasst, weil er wegen seines offenbar verdächtigen Verhaltens von der französischen Grenzpolizei befragt worden war. Die amerikanischen Behörden teilten mit, der in Reids Schuhen versteckte Sprengsatz hätte ausreichen können, eine Katastrophe anzurichten. Der 28-Jährige wurde am Montag einem Haftrichter vorgeführt. Auf die Frage, ob er den Vorwurf - Einschüchterung der Flugzeugbesatzung - verstehe, antwortete Reid kurz mit «Ja». Zudem bat er darum, vom Gericht einen Verteidiger zugewiesen zu bekommen. Im Falle einer Verurteilung drohen ihm 20 Jahre Haft. Die US-Bundespolizei FBI erklärte, der Vorwurf werde wahrscheinlich um weitere Punkte erweitert. Über die Art des verwendeten Sprengstoffs sowie dessen Herkunft wurde nichts bekannt.

Fluggäste und Besatzung des amerikanischen Passagierflugzeugs hatten den Mann am Samstag überwältigt, als er laut Augenzeugen den Sprengsatz zünden wollte. Die Maschine der American Airlines wurde von Kampfjets nach Boston umgeleitet. Alle 185 Passagiere und zwölf Besatzungsmitglieder blieben unverletzt.

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