Kleinstadt in Japan
Wen Obama richtig nervt

Obama ist nicht nur der Familienname des designierten US-Präsidenten. Dahinter verbirgt sich auch eine Kleinstadt an Japans Westküste. Die fieberte offiziell ganz besonders bei den Wahlen in den Vereinigten Staaten mit und sonnte sich im Medieninteresse – ist aber langsam auch genervt.

OBAMA. Der Student lehnt ziemlich deutlich ab. „Bleiben Sie mir doch damit vom Leib“, sagt der etwa 20-Jährige. Er heißt Nomura mit Nachnamen, seinen Vornamen will er nicht verraten. „Wer in Amerika Präsident wird, interessiert mich nicht, und ich glaube auch nicht, dass das Auswirkungen auf mein Leben haben wird.“ Er wohnt in Obama, einer Kleinstadt an der Westküste Japans, die in diesen Tagen von Fernsehteams aus den Vereinigten Staaten überfallen wird.

„Jetzt kamen ständig westliche Besucher durch, sowas hatten wir noch nie“, sagt die Wirtin der Kneipe „Nakai“ am Bahnhofsvorplatz. Hier treffen sich echte Bewohner von Obama zum Reisbranntwein – die eigene Flasche bleibt im Laden, der Name des Kunden steht mit Edding drauf. „Aber vielleicht bringt das mit diesem Obama dem Fremdenverkehr ja wirklich was“, sagt ihre Tochter, während sie hauchdünne Fische für den Gast brät. Eine Spezialität der Region. Obama hat einen Fischreihafen.

Das Städtchen Obama hat offiziell ganz besonders bei der US-Wahl mitgefiebert, andererseits sind die Bewohner von dem ganzen Rummel genervt. „Der Typ in Amerika hat mit unserer Stadt nichts zu tun. Nicht das Geringste“, sagt ein Familienvater in dem Restaurant „Tomato & Onion“ westlich vom Zentrum am Stadtrand. Sein 21-jähriger Sohn Daiki Yoshioka widerspricht politisch korrekt: „Die Wahl in Amerika ist wichtig für die ganze Welt. Herr Obama sendet eine Nachricht der Versöhnung.“ Die ganze Familie freue sich über den Wahlsieg, sagt er mit einem Seitenblick zum Vater. „Das hat doch alles mit uns hier nichts zu tun“, widerspricht der jedoch noch einmal. Die vier kleineren Kinder und Enkelkinder umringen derweil mit großen Augen den westlichen Journalisten.

Sowas wie am Mittwoch hat Obama mit seinen 30 000 Einwohnern tatsächlich noch nie erlebt. Die Stadt liegt knapp fünf Zugstunden entfernt von Tokio abseits aller großen Verkehrswege. Am frühen Nachmittag dieses Tages, im Kulturzentrum „Zur Meerjungfrau“ direkt an der Küste des japanischen Meeres: Party zum Wahltag. Als ein Moderator die Nachricht vom Wahlsieg Obamas gegen ein Uhr japanischer Zeit verkündet, jubeln alle und stoßen mit Bier oder Sake an – wie erwartet, und wie für diese Party geplant. Im Hintergrund des Raumes sammeln sich jedoch fast so viele Journalisten und Kameraleute von CNN und anderen westlichen Medien wie vorne echte Teilnehmer feiern.

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