Kleinwertesegment
Auf Perlen unter den Nebenwerten setzen

Die Kleinen an der Börse haben in jüngster Zeit mit großem Streit für Schlagzeilen gesorgt: "Unternehmen verlassen in Scharen den Smax", "Beim SDax trügt der schöne Schein", lauteten die Schlagzeilen in der Presse.

Was ist los? Das vor drei Jahren mit viel Hoffnungen gestartete Kleinwertesegment hat einige Beteiligte enttäuscht. Seit März 2000 haben insgesamt 40 Unternehmen dem Smax wieder den Rücken gekehrt bzw. diesen Schritt angekündigt. "Zu hoher Aufwand im Vergleich zu den Vorteilen", wird der Abgang oft begründet. Denn für die Smax-Mitgliedschaft sind Bilanzierung nach internationalen Standards und die Bereitstellung eines Designated Sponsors, sprich eines kursstellenden Händlers, Pflicht. Und das kostet Geld.

Doch trotz der Unkenrufe sehen Fondsmanager und Analysten das Segment positiv. Ihrer Meinung nach finden Anleger dort solide Werte, die attraktive Dividenden und Kurspotenzial bieten und dabei ein vergleichsweise geringes Verlustrisiko aufweisen.

"Die Austrittswelle lässt sich auch als Bereinigungsprozess verstehen", meint Gabriele Schernikau, die bei der Fondsgesellschaft Lupus alpha den Smax Plus Fonds managt, einen der wenigen auf dieses Segment spezialisierten Fonds. "Außerdem wird gerne vergessen, dass im vergangenen Jahr auch 14 Unternehmen wie Autania, Stratec Biomedical oder TAG bewusst in den Smax eingetreten sind", ergänzt sie.

Zudem begrüßt sie den Beschluss der Deutschen Börse, den Kleinwerte-Index SDax von ehemals 100 auf 50 Werte zu begrenzen. "Damit wird die Differenz zwischen der Zahl der Werte im Segment Smax und denen im Index SDax wieder größer, und die SDax-Werte können mit mehr Aufmerksamkeit rechnen", sagt auch Frank Hansen, der beim Fondshaus Dit Nebenwertefonds managt.

Profis machen Bogen um die Kleinen

Denn bislang machen Profi-Anleger oft einen Bogen um die Kleinen an der Börse. Der Grund: Bei einigen erreichen die Börsenumsätze nur mit Mühe die Stückzahl 1 000 - zu wenig für einen Manager, der Millionen anlegen muss; er braucht einen liquiden Handel mit hohen Umsätzen. Was Institutionelle auch stört: Meist haben nur wenige Analysten die kleinen Titel im Blick, so dass es nicht einfach ist, sich anhand von Empfehlungen ein Bild zu machen. Damit dürften Werte, die demnächst aus dem SDax herausfallen, weiter in den Hintergrund rücken, ist Christoph Schlienkamp, Leiter der Researchabteilung des Bankhauses Lampe, überzeugt.

Indessen ist Invesco-Fondsmanager Jochen Mathée der Ansicht, die Zugehörigkeit zum SDax mache einen Wert nicht attraktiver für Investoren als einen Smax-Titel. "Im Gegensatz zu Aktien aus anderen Marktbarometern gibt es für SDax-Titel keine Derivateprodukte, mit denen sich institutionelle Anleger absichern können", sagt er.

Zudem sei der Berichtsstandard für alle Unternehmen derselbe. Manche kleinen Firmen höben sich sogar in puncto Informationspolitik positiv von Indexschwergewichten ab. "Bei SDax-Titeln kann es passieren, dass die Zentrale am Telefon erklärt, für Investor Relations sei kein spezieller Ansprechpartner zuständig", berichtet er. Dagegen seien manche kleinen Firmen gegenüber Anfragen von Investoren und Analysten offen; als Beispiel nennt er AS Creation Tapeten. Vorbildlich in Bezug auf Transparenz bei den SDax-Titeln sei etwa Takkt. Die Gruppe, die auf dem Gebiet Business-to-Business-Versandhandel engagiert ist, habe die Rechnungslegungsumstellung von HGB auf International Accounting Standards auf ihrer Homepage exzellent erklärt, "jeden Euro erläutert". Abgesehen davon sieht der Fondsmanager für das recht niedrig bewertete Unternehmen gute Expansionschancen, unter anderem in Japan.

Auch die - ohnehin auch bei den größeren Titeln aus dem Smax - vorhandene Marktenge sollte Privatanleger nicht abschrecken, bedeutet sie doch in bestimmten Situationen sogar einen Vorteil: "In einer Abschwungphase verlieren die Smax-Werte nicht so stark wie die höher kapitalisierten Aktien, weil das flexible Geld nicht in Smax-Aktien steckt", erklärt Dit-Fondsmanager Hansen. Im Gegenzug würden sie bei einem Aufschwung aber nicht so stark steigen. Diese Ansicht teilt Jens Jung von Independent Research nicht: Er glaubt vielmehr, dass Nebenwerte sogar deutlicher steigen dürften als Large Caps. Der Grund: Kleineren Unternehmen falle es im vorangegangenen Abschwung in der Regel leichter, Personal und Kosten zu senken, so dass sich danach ein höheres Potenzial biete. Jung erwartet für den SDax binnen Jahresfrist einen Anstieg von bis zu 15 Prozent.

Nicht auf Branchen setzen

Einig sind sich die Analysten jedenfalls : Bei den Small Caps sollten Anleger nicht auf Branchen setzten. "Hier ist Einzelanalyse angesagt, denn die Unternehmen hängen in höchst unterschiedlichem Maße am Konjunkturzyklus", meint Schernikau.

Bei der Titelauswahl im Smax raten die Experten grundsätzlich zu einem zweistufigen Prozess: Zunächst sollten Anleger die Aktien nach Bewertungskennziffern wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Wachstum des Gewinns vor Steuern und Zinsen (Ebit) und der Dividendenrendite aussuchen. Im zweiten Schritt sollten die interessantesten Kandidaten mit Prüfkriterien wie Marktstellung, Qualität des Geschäftsmodells, Eintrittsbarrieren für Wettbewerber und Leistung des Managements unter die Lupe genommen werden.

Gemessen an diesem Raster hält Lupus Alpha-Managerin Schernikau die Aktien des Autozulieferers Edscha, des Kondomproduzenten Condomi und des Personaldienstleisters Amadeus für interessant. Für diese Werte kann sich auch Dit-Mann Hansen erwärmen. Zu den darüber hinaus immer wieder genannten Favoriten - unter anderem, weil eine hohe Dividendenrendite geboten wird -, zählen der Weinhändler Hawesko und der Großküchen-Dienstleister Rational.

Bei Investments in SDax-Werte dürfen Anleger überdies nicht übersehen, dass aus klein auch einmal groß werden kann; sprich, der Aufstieg in den M-Dax. Als Paradebeispiel gilt hier der Generika-Hersteller Stada, der nach dem MDax-Aufstieg einen echten Schub erlebte. "Hier gibt es im SDax Titel mit interessantem Potenzial", meint Matthias Jörss, Analyst von Sal. Oppenheim. "Der Sprung in den MDax tut einer Aktie enorm gut, weil sie dann von mehr Investoren wahrgenommen wird." Den Aufstieg in die nächsthöhere Börsenliga trauen die Oppenheim-Experten der Aktie der Deutschen Beteiligungs AG zu.

Wichtig ist für alle Orders bei kleineren Aktien: Anleger sollten auf Grund der eingeschränkten Liquidität ihre Aufträge mit Limits versehen.

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