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"Klickblick": Blinde kaufen mit Netzhilfe ein

Die Düsseldorfer Rentnerin Renate (65) ist blind und hat ein Problem: "Meine Einkäufe sind in der Tasche durcheinander geraten. Ich weiß nicht, in welcher Dose das Hundefutter und in welcher die Erbsen sind." Sie hält beide Dosen vor eine Webkamera.

dpa DÜSSELDORF. "In der linken Hand haben Sie die Erbsen", erwidert der zwölfjährige Tom am anderen Ende der Leitung. Renate bedankt sich und verabschiedet sich von ihrem Helfer aus dem Internet.

Der neue Dienst heißt "Klickblick - leih' mir Deine Augen!" und kann Blinden mit Hilfe der Internet-Gemeinschaft den Alltag erheblich erleichtern. Die ersten Test-Anwender sind begeistert.

Die Idee für den Service hatte der sehbehinderte Joachim Frank aus Oberhausen bei Karlsruhe. Er betreibt bereits die Firma Frank Audiodata mit Hilfsmitteln für Behinderte. "Klickblick" gilt als eine der besonderen Attraktionen unter den Messe-Neuheiten bei der REHACare International, bei der vom 2. bis 5. Oktober in Düsseldorf über 900 Aussteller aus 26 Ländern ihre Produkte und Dienste präsentieren.

"Ohne eigene Sehbehinderung wäre ich wohl nicht auf die Idee gekommen", berichtet Frank. Seit 1983 produzieren er und seine 55 Beschäftigten - darunter sieben Blinde - Geräte und Software für Sehbehinderte. Allerdings: "Keine noch so intelligente Software kann auf absehbare Zeit Bilder erkennen und beschreiben oder Handschriften entziffern. Zur Bewältigung dieser Aufgabe ist nach wie vor menschliche Hilfe notwendig", betont Frank. Bei "Klickblick" können sich Blinde daher jeder Zeit den helfenden Blick gesunder Augen in die eigene Wohnung holen.

"Die Blicker brauchen außer der Software nur ein billiges Mikrofon für die Sprachverbindung. Die Frager bekommen ein Mikrofon, die Software, eine Webkamera, einen Scanner und den Internet-Zugang installiert", erläutert die blinde EDV-Fachfrau Marita Keßler. "Wichtig ist, die blinden Frager brauchen keinerlei Internet- Kenntnisse", betont sie. In zwei bis drei Jahren soll das System sogar mobil werden, wenn Handys mit eingebauter Videokamera auf den Markt kommen. Dann können Blinde überall Hilfe in Anspruch nehmen.

Zur Unterstützung von "Klickblick" und Entwicklung weiterer Dienste haben Vertreter der deutschen Blinden-Selbsthilfeverbände bereits den gemeinnützigen Verein "Klickblick plus" gegründet. "Während der REHACare International in Düsseldorf wollen wir so viele Menschen wie möglich für den "Klickblick' begeistern", sagt Betriebswirtin Karin Cana vom Vorstand des Vereins.

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