Klima, Energie, Wasser und nachhaltige Welthandelsregeln
Die Flut als Mahnung für den Umweltgipfel

Die Jahrhundertflut in Deutschland und die verheerenden Überschwemmungen in Asien sollen zum politischen Katalysator des Umweltgipfels von Johannesburg werden. Klimaschutz sowie nachhaltige Wasser- und Energieversorgung sind die Hauptziele der Bundesregierung und der Europäischen Union.

BERLIN. Mit Rückenwind fliegt Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) am Wochenende zum Weltgipfel für nachhaltige Entwicklung nach Johannisburg. Die Flut hat den Menschen in Deutschland und Europa die oft verdrängte Bedeutung der Themen Klimaveränderung, Landschaftsschutz und Bodenversiegelung in Erinnerung gerufen. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder wird trotz oder besser gesagt wegen des Wahlkampfs den weiten Weg nach Südafrika nicht scheuen und in der Endphase der Konferenz zum Treffen der rund 100 Regierungschefs kommen.

Flutkatastrophen sind aber nicht nur ein deutsches Thema: Riesige Überschwemmungen in Asien und verheerende Orkane in anderen Teilen der Welt nehmen die Vertreter der 186 Teilnehmerstaaten der zehntägigen Rio-Nachfolgekonferenz in Südafrika als deutliche Mahnung. "Man kann keinen gloablen Frieden erwarten, wenn sich die Schere zwischen armen und reichen Ländern weiter öffnet", mahnt Uno-Umweltdirektor Klaus Töpfer.

Die Ziele der Bundesregierung für den Erdgipfel sind vorher in Brüssel abgestimmt worden und werden in Johannesburg als EU-Position verhandelt. Orientierungspunkt ist dabei die Milleniumsdeklaration der Vereinten Nationen, wonach die Zahl der in absoluter Armut lebenden Menschen bis 2015 halbiert werden soll. Dieses Ziel soll nach dem Willen der Europäer beim Erdgipfel in Südafrika um folgende Punkte ergänzt werden: Der Anteil erneuerbarer Energien soll bis 2010 auf 15 % steigen, in OECD-Staaten um mindestens 2 %.

Die Bundesregierung sieht die Energiefrage als eines der wichtigsten Gipfelthemen. Rund 2 Mrd. Menschen leben ohne Energieversorgung und sind damit von jeglicher Wirtschaftsentwicklung abgeschnitten. Da der globale Energiebedarf steigen wird und aus Gründen der globalen Chancengleichheit auch steigen muss, ist zur Vermeidung exorbitanter Treibhausgasemmissionen ein wachsender Anteil erneuerbarer Energien unabdingbar. Ferner soll nach Auffassung der EU bis 2015 der Anteil der Weltbevölkerung halbiert werden, der noch nicht über den Zugang zu sanitärer Grundversorgung wie Trinkwasser und Abwasserreinigung verfügt.

Rund 1,2 Milliarden Menschen leben ohne sauberes Wasser. Schmutzwasser ist weltweit Krankheitsursache Nr. 1. "Auch der Klimawandel mit zunehmenden Überschwemmungen und Dürren trägt direkt zur Verschärfung der Wasserprobleme bei", betont Trittin. Mangelnde Wasserversorgung zemtiere Armut, was zu Spannung und Krieg führe.

Verhandelt wird ferner darüber, wie neben Nationalstaaten auch globale Konzerne künftig stärker zur Einhaltung ökologischer und sozialer Regeln für Handel und Investitionen verpflichtet werden können.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
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