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Klimaanlage im Auto richtig einstellenDPA-Datum: 2004-07-13 10:25:47

Jena/Stuttgart (dpa/gms) - Klimaanlagen können an heißen Tagen nicht nur für einen kühlen Kopf sorgen: Mit dem Komfort verbessern sie auch die Sicherheit. Vorausetzung ist, dass die Temperatur und der Luftstrom richtig eingestellt werden.

Jena/Stuttgart (dpa/gms) - Klimaanlagen können an heißen Tagen nicht nur für einen kühlen Kopf sorgen: Mit dem Komfort verbessern sie auch die Sicherheit. Vorausetzung ist, dass die Temperatur und der Luftstrom richtig eingestellt werden.

Den positiven Einfluss der Klimaanlage auf Wohlbefinden, Kondition und Konzentration belegten zum Beispiel medizinisch begleitete Tests des tschechischen Autoherstellers Skoda im amerikanischen Death Valley. «Selbst bei Außentemperaturen von bis zu 50 Grad sind die Fahrer buchstäblich "cool" geblieben», sagt Skoda-Sprecher Christoph Ludewig. Ohne Klimaanlage lasse sich schon nach wenigen Kilometern eine deutlich Verschlechterung der Gesamtkondition nachweisen, fasst Verkehrsmediziner Markus Schmitt aus Bodolz (Bayern) die Messergebnisse zusammen: «Die Herzfrequenz geht zurück, die Körpertemperatur steigt, und die Auffassungsgabe wird schlechter.»

Dies führe zu Ermüdung, nachlassender Aufmerksamkeit und verminderter Reaktionsfähigkeit. «Hohe Temperaturen ohne Klimaanlage sind damit ähnlich gefährlich wie Fahrten unter Alkoholeinfluss», sagt Schmitt und verweist auf eine Statistik der Gesamthochschule Wuppertal. Danach steigt die Unfallhäufigkeit um bis zu einem Drittel an, wenn die Fahrzeuginnentemperatur auf 37 Grad klettert.

Ein weiteres Indiz für die Beanspruchung des Fahrers liefern Bewegungsmessungen der Wirbelsäule. Bei schlecht eingestellten Sitzen und bei hoher Innenraumtemperatur ermüdeten die Fahrer schneller, sagt Steffen Adler vom Biotec-Unternehmen «friendly sensors» in Jena, das unter anderem die Muskelaktivitäten der MIR-Astronauten aufzeichnete. Vor allem am Kopf würden weniger Bewegungen registriert. «Die Fahrer haben sich unmerklich einer typischen Schlafhaltung genähert, den Kopf immer weiter nach hinten gelegt und kaum mehr in die Spiegel oder gar über die Schulter geschaut.»

Vermeiden oder zumindest hinauszögern lasse sich diese Reaktion mit sorgfältig eingestellten Sitzen sowie gelegentlicher Rückengymnastik während der Fahrt und bei Pausen: «Die Ermüdung des Rückens kommt schleichend, unbewusst und ist der erste Schritt zum unsicheren Fahrverhalten», so Adler.

Verschärft wird die Belastung des Fahrers laut Verkehrsmediziner Markus Schmitt unabhängig von der Klimatisierung durch einen zunehmenden Sauerstoffmangel. «Die Konzentration im Blut geht auf langen Strecken im geschlossenen Auto zurück und trägt damit ebenfalls zur Ermüdung bei.» Deshalb rät er Autofahrern, selbst bei drückender Hitze regelmäßig den Wagen kräftig durchzulüften.

Aber der Fahrer wird bei steigenden Temperaturen nicht nur unaufmerksam, er wird auch aggressiver, wie Untersuchungen des Zulieferers Behr aus Stuttgart ergaben: Sie attestierten «überhitzten» Fahren weniger Geduld und schnelleren Hang zum Hupen.

Offenbar kennen viele Autofahrer die Vorteile eines gekühlten Fahrzeuginnenraums. Nach Angaben von Behr hat sich die Klimaanlage in den vergangenen Jahren zur Wunschausstattung Nummer ein gewandelt. «In drei bis vier Jahren wird die Klimaanlage im Großteil der angebotenen Modelle serienmäßig sein», schätzt auch Bernd Dienhart, der beim Zulieferer Visteon in Kerpen die Sparte «Klimaanlagen» verantwortet. Selbst der Anteil der Klimaautomatik, die heute meist nur gegen Aufpreis zu haben sei, werde weiter steigen.

Aber Klimaanlagen bieten nicht nur Vorteile: Wer nicht aufpasst, riskiert sogar gesundheitliche Schäden: So klagen in Umfragen der AOK über 40 Prozent der Autofahrer über eine körperliche Beeinträchtigung und monieren neben Kälte und Zugluft vor allem trockene Schleimhäute.

Mediziner Markus Schmitt rät daher, generell eine Temperatur von 22 Grad einzustellen. Vor dem Einsteigen sollte das heiße Auto gut gelüftet, danach die Klimaanlage für einige Minuten auf niedrigste Temperaturen und auf Umluft eingestellt werden. Allerdings sollte man den kalten Luftstrom nicht direkt auf den Kopf, sondern indirekt entlang der Seitenfenster lenken. Kurz vor dem Aussteigen empfiehlt der Experte, die Temperatur wieder ein wenig anzuheben, damit der Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur nicht zu groß ist. So könne sich der Körper wieder auf die Hitze des Sommers einstellen.

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