Klimakonferenz in Bali
Bejubelter bad guy, weinender good guy

Am Samstag ging eine der dramatischsten Runden in der Geschichte der Klimakonferenzen zu Ende: Ausgerechnet der "bad guy" der Verhandlungsrunde sorgte nach teils chaotischen Zuständen für einen versöhnlichen Schluss. Tagelang hatte es so ausgesehen, als könne die Konferenz scheitern - zu unterschiedlich waren die Positionen von USA und Europa.

NUSA DUA. Auch eine Frau kann ausnahmsweise ein "bad guy" sein. Wie etwa Paula Dobriansky, die Chefunterhändlerin der USA bei der Weltklimakonferenz auf Bali. Für knapp zwei Wochen steht sie in den Augen aller Klimaschützer als der Bösewicht da. Sie weist ab und blockiert, schüttelt den Kopf und gibt sich unnachgiebig. Doch von einer Sekunde zur anderen wird sie zum Star von Bali. Es ist Samstag, kurz nach 14 Uhr. Dobriansky sagt den entscheidenden Satz: "Lassen Sie mich sagen, dass wir mitgehen und uns der Einigung anschließen." Die Weltklimakonferenz ist gerettet. Dobriansky setzt mit diesem Bekenntnis den Schlusspunkt unter einen dreißigstündigen Verhandlungsendspurt und macht eine ganz neue Erfahrung: Ihr schlägt auf einer Weltklimakonferenz Begeisterung entgegen. Die Teilnehmer quittieren ihr Einlenken mit Jubel.

Tagelang hatte es so ausgesehen, als könne die Konferenz scheitern. Zu weit lagen die Positionen der USA und der Europäer auseinander. Zu oft hatten die Mitglieder der US-Delegation deutlich gemacht, dass sie jede Festlegung auf Minderungsziele für Treibhausgase ablehnen. Und dann noch das reine Chaos der letzten Stunden. Schon die Nacht von Freitag auf Samstag verläuft chaotisch. Auf den Gängen des Westin-Hotels in Nusa Dua verfolgen Journalisten, Delegationsmitglieder und Umweltschützer erstaunt die teils erratischen Prozesse. Per SMS erreichen einzelne Nachrichten aus den Verhandlungsrunden die Wartenden draußen auf den Fluren und in der Lobby. Um drei Uhr morgens werden die Gespräche unterbrochen, um acht Uhr am Samstagmorgen geht es weiter.

Christoph Bals, Klima-Experte der Umweltorganisation Germanwatch und einer der Veteranen des Klimaschutzthemas, wird nachher sagen, es sei eine der dramatischsten Runden in der Geschichte der Klimakonferenzen gewesen. Tatsächlich geraten die Dinge zwischendurch aus den Fugen. So etwa, als sich der Chef des Weltklimasekretariats, Yvo de Boer, dem Vorwurf der chinesischen Delegation ausgesetzt sieht, er habe das Geschehen nicht mehr im Griff. De Boer, einer der unumstrittenen "good guys" des Klimaschutzprozesses, verliert die Nerven, legt die Hände vors Gesicht, bricht in Tränen aus und verlässt das Podium. Später entschuldigen sich die Chinesen.

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