Klimaschutz und Wahlkampf
Gore plant Energie-Revolution in USA

Al Gore will eine Revolution in den USA anzetteln. Der Friedensnobelpreisträger und ehemalige US-Vizepräsident stellte jetzt in einer Rede vor, wie er sich die Energiepolitik der Zukunft vorstellt. Die Pläne bergen reichlich Zündstoff. Auch Präsidentschaftskandidat Obama dürfte aus einem ganz bestimmten Grund die Ohren spitzen.

HB/cot WASHINGTON. Der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore hat eine gewaltige Kraftanstrengung gefordert, um in zehn Jahren die gesamte in den USA verbrauchte Energie aus regenerativen Quellen zu beziehen. Ein solcher Schritt würde nicht nur den Kampf gegen die Klimaerwärmung unterstützen, sondern auch das Problem der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern lösen, sagte Gore in einer Rede in Washington.

Gore verglich die Herausforderung mit der ersten Mondlandung. Seine Allianz für den Klimaschutz gab die Kosten für das Vorhaben für die Regierung und Privatpersonen in den kommenden 30 Jahren mit 1,5 bis drei Billionen Dollar an. Um den Übergang zu neuen Energiequellen zu beschleunigen schlug Gore eine Steuer auf den Ausstoß von Kohlendioxid vor. Im Jahr 2005 bezogen die USA mehr als die Hälfte ihrer Elektrizität aus Kohle. Atomkraft machte 21 Prozent aus, Erdgas 15 Prozent und erneuerbare Energiequellen wie Sonne und Wind 8,6 Prozent.

Den Ideen und Forderungen Gores dürfte auch der demokratische Präsidentschaftskandidat Barack Obama mit großer Aufmerksamkeit verfolgt haben. Obama hat in Gore einen prominenten Unterstützer. Gore sprach sich bereits im Vorwahlkampf für den schwarzen Senator aus. Für viele wäre Gore zudem der ideale "running mate", also Vizepräsidentschaftskandidat, für Obama. Denn Al Gore hat die Wandlung vom Wahlverlierer zum politischen Rockstar geschafft. Seine Verdienste um den Klimaschutz sind unbestritten. Als Vize könnte er die Klima-Initiative von Washington aus steuern.

Allerdings: Als Kandidat im Wahlkampf 2000 agierte Gore steif und uninspiriert. Kehrte er in die politische Arena zurück, würden sich daran viele wieder erinnern. Gore scheint außerdem wenig Lust zu haben, den alten Job noch einmal zu machen - sein Einfluss als Privatmann und Aktivist ist ihm vielleicht wichtiger. Zudem steht Gore wie Obama für das amerikanische Establishment und wäre damit keine Versöhnung für die Clinton-Wähler, die zum Großteil aus der Abeiterschicht stammen.

Obama sagte selbst einmal dazu: "Vielleicht will er gar nicht mehr Vizepräsident werden, weil er das schon einmal für acht Jahre war. Aber sicher ist er jemand, den ich im Wahlkampf und nach meiner möglichen Wahl zum Präsidenten immer wieder zu Rate ziehen werde."

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