Klingelzeichen aus Fernost
Korea und Japan rollen Mobilfunkmarkt auf

Europäische Fußballfans, die zur Weltmeisterschaft nach Japan oder Südkorea reisen, bekommen dort einen Vorgeschmack auf die schöne neue Welt mobiler Datendienste: Sie können Videoclips auf ihr Handy herunterladen oder Digitalbilder aus dem Stadion per SMS versenden - daheim ist das noch Zukunftsmusik. Handy-Hersteller in Japan und Südkorea sind rechtzeitig zur WM mit diesen Diensten gestartet und nutzen ihr Know-how zum Angriff auf die Weltmarktführer Siemens, Nokia, Ericsson und Motorola. Sie profitieren dabei von den asiatischen Mobilfunkanbietern, die mit ihrem Vorsprung bei Datendiensten jetzt ebenfalls massiv auf ausländische Märkte drängen.

HONGKONG. Vorreiter ist NTT Docomo. In Japan ist dessen Datendienst i-mode extrem populär und hochprofitabel. Auf GPRS-Basis haben ihn E-plus in Deutschland, KPN in Holland, Bouygues in Frankreich und AT&T in den USA übernommen. Soeben hat Docomo i-mode auch in Taiwan und Malaysia lizenziert.

Nun wollen Asiens Handy-Hersteller mit Geräten, die auf diese Technik zugeschnitten sind, bisher verschlossene Märkte im Westen aufrollen. "Hersteller aus Fernost bieten derzeit die besten Multi-Media-Endgeräte an," meint Bernd Eylert, Vorsitzender des Industrieverbandes UMTS-Forum.

NEC hat soeben mit seinen i-mode-Handys erstmals einen Fuß in den europäischen Markt bekommen; die Japaner werden außerdem Hutchison mit UMTS-Handys für England und Italien versorgen. Panasonic, gemeinsam mit NEC Marktführer in Japan, will das erste Handy mit eingebauter Digitalkamera in Europa anbieten.

Am aggressivsten drängt Samsung nach Westen. Mit leichten, kleinen, modischen Geräten haben die Koreaner Siemens den Rang als viertgrößter Handy-Hersteller der Welt abgelaufen. Den Übergang zur dritten Mobilfunkgeneration (3G) sieht Koreas Marktführer als Chance, den Druck zu erhöhen: "Unsere Erfahrung mit datentauglichen Geräten nutzen wir gezielt für die Entwicklung von GPRS- und UMTS-Handys für die europäischen Märkte," betont Hee Chon Yoon, Senior Manager Business Planning. Einen deutschen Großkunden hat Yoon schon gefunden: Samsung beliefert die Deutsche Telekom mit GPRS-Geräten. Und Samsungs Lokalrivale LG Electronics, weltweit zehntgrößter Handyhersteller, will binnen drei Jahren auf Platz fünf vorrücken.

Welches Potenzial in den neuen Übertragungstechniken schlummert, zeigt Südkorea. Hier können bereits neun Millionen Kunden Übertragungsraten nutzen, die mit den heute möglichen UMTS-Diensten vergleichbar sind.

30 Millionen Handybesitzer in Südkorea

Bis zum Jahresende sollen zwei Drittel der 30 Millionen Handybesitzer in Südkorea Zugang zum Internet haben, erwartet die Industrie. Südkoreas Marktführer im Mobilfunk, SK Telekom, wittert deshalb die Chance, in Docomos Fußstapfen zu treten. "Beim mobilen Internet ist unser Land weltweit führend," sagt SK-Vizepräsident Myung Lee. Für Koreaner sei es gang und gäbe, per Handy Rechnungen zu bezahlen, Aktien zu kaufen oder online zu spielen. "Wir werden dieses Know-how nutzen und erfolgreiche Datenanwendungen an Anbieter im Ausland verkaufen," kündigt Lee an.

SK Telecom hat zwar 1 Mrd. $ für eine UMTS-Lizenz bezahlt, will ein Netz dafür aber frühestens in zwei Jahren aufbauen. Für seine Datendienste verwendet das Unternehmen bislang den rivalisierenden US-Standard CDMA2000. Anwendungen könnten jedoch auch auf Basis der europäischen Standards GPRS und UMTS verwendet werden, versichert Lee.

Westliche Telekom-Manager beobachten die Entwicklung in Korea und Japan genau, denn hier zeichnet sich ab, mit welchen Angeboten und Marketing-Methoden die dritte Mobilfunkgeneration anderswo profitabel gemacht werden kann. "Vor allem bei Anwendungen können Europäer viel von Asiaten lernen," meint Eylert.

Doch der Expansionsdrang der Koreaner beschränkt sich nicht auf Datendienste und Endgeräte. Samsung und LG drängen nun auch in den Markt mit Netzwerkausrüstung. Einen Achtungserfolg haben beide gerade errungen. Aus einer Ausschreibung des kleinen koreanischen Mobilfunkanbieters KT Icom für den Aufbau eines UMTS-Netzes gingen LG, Samsung und Nortel als Sieger hervor. Ericsson zog den Kürzeren.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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