Kliniken in China überlastet
Europa formiert sich zum Schutz vor SARS

Die Krankenhäuser in Peking sind wegen der Lungenkrankheit SARS so überfüllt, dass sie keine neuen Verdachtsfälle mehr aufnehmen können. Angesichts der Zuspitzung in Asien überlegen europäische Länder weitere Schutzmaßnahmen.

HB/dpa PEKING/BRÜSSEL. Für kommenden Dienstag ist ein Konferenz mit Spitzenvertretern der EU und der Leiterin der Weltgesundheitsorganisation WHO, Gro Harlem Brundtland, in Brüssel geplant. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) wird seine für Mitte Mai geplante Südostasien-Reise aus Sorge vor SARS mit einer stark verkleinerten Delegation antreten.

An dem Treffen zwischen der EU und der WHO sollen unter anderem die EU-Kommissare für Gesundheit und Forschung, David Byrne und Philippe Busquin, teilnehmen, sagte ein Sprecher der EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel. Die griechische EU-Ratspräsidentschaft versuchte zudem, ein Sondertreffen der EU-Gesundheitsminister für denselben Tag zu organisieren.

Die WHO hat bis zum Mittwochabend weltweit 5663 Fälle des Schweren Akuten Atemwegssyndroms (SARS) registriert. 2470 Patienten wurden inzwischen als geheilt oder wegen einer irrtümlichen SARS-Diagnose entlassen. 372 Patienten starben. In Europa wurden bislang keine Todesfälle und nur eine Übertragung von SARS registriert. Für Deutschland hat die WHO derzeit keinen aktuellen Erkrankungsfall gemeldet, es hatte insgesamt sieben Patienten gegeben.

Schröder reist nach Asien

Bundeskanzler Schröder wird wie geplant vom 10. bis 17. Mai nach Malaysia, Singapur, Indonesien und Vietnam reisen. Die ursprünglich angedachte 100-köpfigen Wirtschaftsdelegation werde jedoch stark verkleinert, teilte der Sprecher der Bundesregierung, Bela Anda, mit. Schröder werde lediglich von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), dem Vorsitzenden des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Heinrich von Pierer, sowie einigen Fachbeamten begleitet. Ein Gutachten des Robert Koch-Instituts hat laut Anda ergeben, dass die ursprüngliche Größe der Delegation bei Ablauf und Gestaltung der Reise zu Problemen führen könne. Daher könnten keine weiteren Unternehmer und keine Journalisten an der Reise teilnehmen.

Das Auswärtige Amt rät unterdessen nach dem Rückgang der aktuellen SARS-Verdachtsfälle in Kanada nicht mehr von Reisen nach Toronto ab. Das Amt folgte damit den jüngsten Empfehlungen der WHO. An SARS sind in Kanada, dem einzigen Land außerhalb Asiens mit Toten, nach Behördenangaben bisher 21 Menschen gestorben. In Peking berichtete das Gesundheitsministerium am zehnten Tag in Folge von etwa hundert neuen Fällen. Die Zahl der Patienten stieg damit auf 1440. Erneut starben neun Menschen in Peking, landesweit elf. Damit sind in China (ohne die Sonderverwaltungszone Hongkong) schon 159 Menschen an SARS gestorben, mehr als irgendwo sonst. Die Fälle nahmen um insgesamt 166 auf 3460 zu.

Dramatische Lage in China

Der Pekinger Bürgermeister Wang Qishan berichtete, die Ansteckungswege seien noch nicht unterbrochen. Auch gebe es in Peking zu wenig qualifizierte Ärzte und Pflegekräfte. "Wir sind schlecht vorbereitet, was die Fähigkeiten der Ärzte und Pflegekräfte sowie was Ausrüstung und Einrichtungen angeht", sagte Wang Qishan, der den wegen Missmanagements der Krankheit entlassenen Bürgermeister Meng Xuenong vor einer Woche ersetzt hatte.

Die Pekinger Behörden versicherten, dass alle Patienten, die nicht für eine Behandlung bezahlen könnten, mit Unterstützung rechnen könnten. Vizeregierungschef Hui Liangyu forderte dazu auf, das Millionenheer der Wanderarbeiter und Studenten, die in ihre Dörfer zurückkehren wollten, "unter Kontrolle zu halten". Die Tageszeitung "China Daily" wies darauf hin, dass die Erntesaison anstehe und Wanderarbeiter in ihre Dörfer zurückreisen müssten. Wenn sie nicht auf den Weg machten, gerieten die Bauernfamilien in Schwierigkeiten. Den Arbeitern von Lande und Studenten in Peking wurde bereits untersagt, die Stadt zu verlassen. Das Goethe-Institut in Peking hat wegen der Lungenkrankheit SARS seinen Unterricht bis auf weiteres eingestellt.

An der deutsch-tschechischen Grenze hat die Polizei 39 chinesische Flüchtlinge aufgegriffen und sie anschließend untersuchen lassen. Bei einer Gruppe von 16 auf SARS getesteten Chinesen liegt nach Auskunft des Bundesgrenzschutzes (BGS) mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keine Erkrankung vor. Die anderen wurden keinem speziellen SARS-Test unterzogen. Die Aussage eines BGS-Sprechers, wonach ein SARS-Test jetzt bei allen illegal aus Asien eingereisten Ausländern üblich sei, wurde vom Sprecher des Grenzschutzpräsidiums Ost, Klaus Papenfuß, dementiert. "Wenn es Verdachtsmomente gibt, schalten wir das zuständige Gesundheitsamt ein.

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