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Klinsmann bekommt Ersatz für Amerika-Reise

Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat den Bundesliga-Vereinen als Gegenleistung für den Verzicht auf eine weitere strapaziöse Fernreise Ende 2005 zusätzliche Länderspiele im kommenden Herbst sowie ein Trainingslager zum Start in das WM-Jahr 2006 abgerungen.

dpa MÜNCHEN. Bundestrainer Jürgen Klinsmann hat den Bundesliga-Vereinen als Gegenleistung für den Verzicht auf eine weitere strapaziöse Fernreise Ende 2005 zusätzliche Länderspiele im kommenden Herbst sowie ein Trainingslager zum Start in das WM-Jahr 2006 abgerungen.

Die Amerika-Reise der Nationalmannschaft wird damit nicht ersatzlos gestrichen. "Wir wollen die Spieler damit auch ein bisschen auf die Weltmeisterschaft einschwören", sagte Team-Manager Oliver Bierhoff in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

"Wir werden einen oder auch beide Doppelspieltage im September und Oktober für zwei Länderspiele nutzen", kündigte Bierhoff an. Bislang hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) an beiden Terminen jeweils nur eine Partie vorgesehen; am 3. September in der Slowakei und am 8. Oktober gegen Japan. Als weitere Kompensation für die abgesagte USA-Reise wird Klinsmann die Nationalspieler im Januar 2006 zu einem Lehrgang zusammen ziehen. "Denn wir verzichten auf zehn Tage Amerika- Reise, bei der wir mit den Spielern zusammen gewesen wären. Also machen wir das jetzt auf sechs Tage komprimiert, ohne den Druck eines Länderspiels", berichtete Bierhoff. Und: Das Trainingslager soll im Ausland stattfinden, "irgendwo im Süden, wo man gut arbeiten kann".

Nach dem erfolgreichen Neubeginn nach der Europameisterschaft in Portugal soll "2005 das Jahr des stetigen Wachstums sein", erklärte Bierhoff: "Wir wissen, dass 2005 noch mehr kommen muss, um auch gegen die ganz Großen zu bestehen. Das beginnt schon im Februar mit dem Spiel gegen Argentinien, einer der besten Mannschaften der Welt." Sportlicher Höhepunkt des Jahres sei der Confederations Cup (15. bis 29. Juni) in Deutschland. "Er ist zwar zeitlich ungünstig, aber ein international wichtiges Turnier", erläuterte Bierhoff.

Eine Schlüsselrolle im Hinblick auf die WM kommt Michael Ballack zu. "Die Kapitänsbinde hat ihm einen wahnsinnigen Schub gegeben", glaubt der ehemalige Auswahl-Kapitän Bierhoff: "Ich habe eine Veränderung bei ihm festgestellt, den Willen, Verantwortung zu übernehmen, auch unangenehme Themen anzugehen und zu führen." Dies sei sehr wichtig, da das Nationalteam sehr verjüngt worden sei. "Da sticht ein Michael Ballack heraus. Und darum ist eine Führung der Spieler von ihm mehr gefordert. Einen Bernd Schneider braucht er nicht mehr zu führen, aber die vielen jungen Spieler schon."

Ballacks Vorgänger Oliver Kahn könne von seiner Ablösung als Kapitän dagegen sogar profitieren. "Im Kampf der Torhüter ist es vielleicht ganz gut, dass er sich nicht noch auf das Kapitänsamt konzentrieren muss", meinte Bierhoff. Trotzdem sei der 35 Jahre alte Torwart des FC Bayern München als Leitfigur und Vorbild weiterhin sehr wertvoll: ""Ballack ist der Kapitän, aber Oliver Kahn ist als erfahrener Spieler ebenfalls gefordert und mit seiner Ausstrahlung wahnsinnig wichtig: Er verkörpert Ehrgeiz, Konzentration und absolute Willenskraft."

Bierhoff selbst sieht sich in der nach dem Rücktritt von Rudi Völler neu geschaffenen Funktion eines Team-Managers inzwischen akzeptiert und etabliert. "Wenn ein solcher Wechsel stattfindet, sind bei allen Beteiligten Skepsis, Nervosität und Unsicherheit vorhanden. Es hat Energie gekostet, alle zu überzeugen. Ich freue mich darüber, dass mir das relativ schnell gelungen ist", sagte der 36-Jährige, der für die Nationalmannschaft in erster Linie als Mittler zwischen den verschiedenen Interessengruppen wie DFB, DFL, Vereinen, Sponsoren, dem WM-Organisationskomitee und den Medien auftritt.

Ein Sonderlob erhielten Klinsmann, Bierhoff & Co. von Franz Beckenbauer. "Nach der sehr enttäuschenden Euro 2004 ist mächtig viel passiert. Respekt, Respekt: Wie Klinsmann mit seinem Team die Aufgabe angegangen ist, verdient wirklich Anerkennung. Natürlich ist eine starke deutsche Nationalmannschaft auch für das Organisationskomitee von enormer Bedeutung, weil das Abschneiden der gastgebenden Mannschaft immer auch das Gesamtklima einer WM prägt", stellte der OK-Präsident der WM-Endrunde 2006 fest.

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