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Klinsmann: Berlin hat alle überzeugt

Bei der Absage an Leverkusen und der Wahl Berlins zum WM-Quartier hat sich Jürgen Klinsmann ohne große Widerstände beim DFB durchgesetzt. „Es war letzten Endes nicht schwierig, die Spitze von Berlin zu überzeugen“, erklärte der Bundestrainer auf dpa-Anfrage.

dpa BERLIN. Bei der Absage an Leverkusen und der Wahl Berlins zum WM-Quartier hat sich Jürgen Klinsmann ohne große Widerstände beim DFB durchgesetzt. "Es war letzten Endes nicht schwierig, die Spitze von Berlin zu überzeugen", erklärte der Bundestrainer auf dpa-Anfrage.

"Natürlich war die Situation mit Leverkusen unglücklich. Aber durch die Lösung Berlin, die unsere Idealvorstellung von einem Quartier während der WM darstellt, waren alle überzeugt", berichtete Klinsmann. Zwar habe es nochmals eine Präsentation der Leverkusener Pläne gegeben, aber "als Berlin dann vorgestellt wurde, habe ich verstanden, was sie damit verbinden", erklärte der neue DFB-Präsident Theo Zwanziger. Das Team solle auch vom Geistigen her frühzeitig auf die WM im eigenen Land ausgerichtet werden. "Wir sind der Meinung, dass ein Quartier während der WM ein elementarer Baustein ist", erklärte Klinsmann.

Zwanziger, der zuvor vehement für die Einhaltung der Abmachung mit Bayer plädiert hatte, lobte nun in der "Welt" die Konsequenz des Bundestrainers: "Seine Kompromisslosigkeit, ausgerichtet auf dieses eine Ziel der WM 2006, ist beeindruckend." Er werde oft gefragt: Darf der Klinsmann denn alles machen? "Er darf, sofern es den Interessen des DFB dient", ergänzte Zwanziger. Gleichzeitig müsse man jedoch darauf achten, "dass es beim DFB Leute gibt, die für Kompromisse zuständig sind, denn die sind notwendig, damit wir nicht Weltmeister sind, aber ansonsten auf Scherben blicken", unterstrich der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Klinsmann beruhigte Zwanziger in der "Bild am Sonntag": "Es geht nicht nur um 2006. Was wir jetzt verändern, muss auch über 2006 hinaus Bestand haben. Die Strukturen, die wir jetzt beim DFB entwickeln, sollen noch viel länger Erfolg bringen." Vor der WM werde es allerdings keine Entscheidung geben, ob er sein Engagement verlängert, machte Klinsmann nochmals deutlich. Doch ein Gespräch über eine Verlängerung könnte es geben: "Sollte das Turnier so laufen, wie ich erhoffe, setze ich mich mit der DFB-Spitze auf einen Kaffee zusammen und dann besprechen wir, wie es weiter geht."

Für Bayer Leverkusen werde es eine Kompensation geben, kündigte indes Zwanziger an. "Wir haben ein klares Angebot mit verschiedenen Facetten unterbreitet. Es geht dabei nicht um Geld, sondern darum, auch ohne das Quartier der Nationalelf einen Image-Gewinn zu schaffen für NRW. Wir sind in einer Bringschuld gegenüber diesem fußballaffinen Land", stellte der DFB-Chef klar.

Reiner Calmund, Ex-Manager von Bayer 04, schiebt dem Verband den Schwarzen Peter in der Quartierdiskussion zu. Der DFB habe Klinsmann "als Ein-Mann-Torpedo" abgeschickt. "Ich hätte mir hier von Seiten des DFB bei der Auswahl des Trainingslagers ein anderes Prozedere erwartet", sagte er in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Entscheidung gegen Leverkusen tue ihm weh, er könne den Bundestrainer aber verstehen. "Als objektiver Fußball-Fachmann begrüße ich Klinsmanns egoistische Sichtweise, denn egoistisch muss er ja sein, um seine Ideen durchzuziehen", äußerte Calmund.

Zwanziger begrüßte ausdrücklich auch Klinsmanns Entscheidung, künftig mit einem Sportpsychologen zusammen zu arbeiten. "Das passt ins Konzept, ich empfinde das als Bereicherung. Die Spieler merken, dass ihnen der Trainer jede Hilfestellung gibt. Alles wird optimal für die Spieler eingerichtet, das rückt sie in eine Bringschuld, an sich zu arbeiten, um 2006 die bestmögliche WM abzuliefern."

"Wir sind hundertprozentig überzeugt, dass wir in Berlin die besten Bedingungen vorfinden. Und zwar in der Kombination Hotel, Trainingsgelände, Flughafen, Stadtnähe, Hotel im Grünen. Wir haben uns intensiv umgesehen, haben vieles geprüft - aber diese Kombination gab es nur in Berlin", hob Klinsmann hervor.

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