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Klinsmann fordert Initialzündung zum Einstand

56 Tage nach dem EM-Debakel von Portugal sehnt sich Jürgen Klinsmann nach einem hoffnungsvollen Neuanfang und fordert eine WM-Initialzündung.

dpa WIEN. 56 Tage nach dem EM-Debakel von Portugal sehnt sich Jürgen Klinsmann nach einem hoffnungsvollen Neuanfang und fordert eine WM-Initialzündung.

Vor seinem Länderspiel-Einstand als Bundestrainer beim Erzrivalen Österreich vermittelte der 40-Jährige in Wien einen unerschütterlich scheinenden Optimismus, obwohl die Voraussetzungen für einen siegreichen Neuanfang alles andere als optimal sind. Denn im Jubiläumsspiel des 100 Jahre alten österreichischen Fußball-Verbandes muss Klinsmann eine Verlegenheitself ins voll besetzte Ernst-Happel-Stadion schicken, in der Schlüsselspieler verletzt fehlen oder auf Formsuche sind.

Doch über die Personalnöte verlor der neue Hoffnungsträger des deutschen Fußballs 24 Stunden vor dem Anpfiff nicht ein Wort. Stattdessen appellierte er an die seit vier Spielen sieglose Mannschaft, unter dem neuen Kapitän Michael Ballack das leblose EM-Gesicht abzulegen und das "Projekt 2006" mit viel Leidenschaft anzuschieben: "Ich erwarte ein sehr hohes Engagement. Es muss der Wille da sein, ein hohes Tempo zu gehen", formulierte Klinsmann. Wohlwissend, dass derlei Attribute deutschen Nationalspielern bislang in Freundschaftsspielen eher fremd waren. Doch in Wien will er vor allem eines sehen: "Ein hohes Aggressivitätslevel."

Welche Elf die Vorgaben umsetzen darf und das Austria-Team in Grund und Boden rennen soll, ließ Klinsmann unbeantwortet. "Ich werde in den nächsten zwei Jahren nie eine Aufstellung am Tag vor dem Spiel rausgeben", kündigte er an. Viele Alternativen hat der 40-jährige dieses Mal nicht. Vor allem die Abwehr stellt sich nach den Ausfällen von Arne Friedrich, Jens Nowotny und Christian Wörns fast von allein auf. Dort winkt dem Neu-Bremer Frank Fahrenhorst in der Innenverteidigung sein Länderspiel-Debüt an der Seite von Thomas Linke, den Klinsmann aus dem Nationalmannschafts-Ruhestand aktiviert hat. Für die Außenpositionen gelten die Stuttgarter Andreas Hinkel und Philipp Lahm als erste Wahl, im Tor soll der abgelöste Kapitän Oliver Kahn beginnen.

Im Mittelfeld ist das gescheiterte EM-Trio Ballack, Torsten Frings und Bernd Schneider weiterhin das Herzstück, im Angriff zählen Kevin Kuranyi und der leicht angeschlagene Thomas Brdaric zur ersten Wahl. "Wir werden versuchen, unser Spiel ein bisschen so aufzubauen, dass es nach vorn gerichtet ist", beschrieb Klinsmann noch recht vage seine Vorstellungen, wie die zuletzt unter Rudi Völler sicherheitsorientierte DFB-Auswahl künftig vorspielen wird. Zunächst einmal solle die Mannschaft in kämpferischer Hinsicht deutliche Zeichen setzen, die Wahl-Amerikaner Klinsmann als "Key-Messages" bezeichnete.

Der neue Bundestrainer schnitt auch bei seiner ersten Auslandsreise alte Zöpfe im DFB-Tross ab. Bei den Mahlzeiten im Wiener Intercontinental-Hotel durften die Mitglieder der von DFB - Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder angeführten Delegation nicht mehr an den gleichen Tischen sitzen wie die Spieler. "Wir wollen den Spielern zeigen, dass es um sie geht. Nur sie können Tore schießen und Spiele gewinnen", begründete er die neuen Sitten. Alles sei mit Blick auf 2006 ausgerichtet: "Schritt für Schritt muss sich in den Köpfen der Spieler festsetzen, dass wir eine richtig gute WM spielen wollen."

Ein überzeugender Erfolg in Wien könnte für Klinsmann einen ähnlichen Schub auslösen, wie ihn Völler nach dem 4:1-Einstand in Hannover gegen Spanien vor vier Jahren erlebte. Denn der 40-Jährige ist sich durchaus bewusst, dass trotz aller Fokussierung auf die WM im eigenen Land die Anhänger nach der EM-Blamage eine schnelle Wiedergutmachung erwarten. "Als Fan hat es mir auch wehgetan, dass wir bei der EM so früh ausgeschieden sind", bekannte Klinsmann, der aber "nur noch nach vorn" Richtung 2006 blicken will: "Dass ich auf dem Weg dahin auch guten Fußball erwarte und Spiele gewinnen will, ist klar."

Da auch die Österreicher, die seit 18 Jahren auf einen Sieg gegen den "großen Bruder" warten, hochmotiviert sind und die eigene Geburtstagsfeier nicht durch eine Niederlage trüben wollen, ist die Grundlage für ein leidenschaftlich geführtes Derby gegeben. "Lästermaul" Krankl sagte über die neue deutsche Führungstroika Klinsmann, Bierhoff und Löw: "Es sind drei sympathische Burschen. Ich wünsche ihnen viel Glück, aber erst bim zweiten Länderspiel."

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